lkl_Garagenhaus21_230621_4c_1
+
Das Garagenhaus in Wißmar. ARCHIVFOTO: LKL

Möglichkeiten im ländlichen Raum

  • Lena Karber
    VonLena Karber
    schließen

Wettenberg. (lkl). Zum 27. Mal findet am Wochenende in Hessen der »Tag der Architektur« statt - und mit dem sogenannten »Garagenhaus« in Wißmar hat es auch ein Projekt aus dem Landkreis Gießen in die Auswahl des Baukulturevents geschafft, das in diesem Jahr unter dem Motto »Architektur der Zukunft« steht.

»Das Gebäude soll beispielhaft das Erkennen von Möglichkeiten im ländlichen Raum aufzeigen«, heißt es in der Beschreibung des Gebäudes, das der Gießener Architekt Gerhard Schymik in der Bahnhofsstraße realisiert hat.

Die Besonderheit: Schymik hat in Wißmar modernen Wohnraum geschaffen und ein Gelände gleichzeitig ästhetisch aufgewertet ohne dabei zusätzliche Flächen zu versiegeln. Stattdessen hat er das Wohngebäude auf eine in die Jahre gekommene Reihengarage aufgesetzt und den gesamten Komplex mit einer pechschwarzen Schalung aus Fichtenholz versehen.

Schymik wirbt für Bauen im Bestand

Im Rahmen des Projektes hat Schymik die acht Garagen modernisiert und erschlossen und ein Baukörper in Holzskelettbauweise modular aufgesetzt, der modernen Wohnraum bietet und mit einer Luft-Wärme-Pumpe ausgestattet ist. Bei der Gestaltung des Wohnraums hat sich Schymik zudem bewusst an die strukturellen Besonderheiten angepasst und diese architektonisch aufgenommen: Die Räume sitzen auf den einzelnen Garagen, wodurch sich wegen des Versatzes der Garagendächer die Raumhöhe der aufgesetzten Zimmer stetig erhöht. Das ganze mündet schließlich in einen die Fläche mehrerer Garagen umfassenden Wohnraum mit einer Deckenhöhe von 3,40 Metern und Ausblick ins Grüne.

»Ich möchte dazu ermutigen, Projekte zu entwickeln; ohne neue Flächen zu versiegeln«, hatte Schymik im Herbst 2020 im GAZ-Gespräch über den Bau des Garagenhauses gesagt und für das »Bauen im Bestand« geworben. »Wenn man die Augen aufmacht und über den Tellerrand hinausschaut, kann man Potenziale erkennen.«

Das Auswahlgremium hat das offenbar überzeugt, denn Schymiks Garagenhaus zählt zu den 59 realisierten hessischen Planungsaufgaben, die unter 86 eingereichten Projekten für den »Tag der Architektur 2021« ausgewählt wurden, weil sie aus Sicht des sechsköpfigen Auswahlgremiums besonders geeignet sind, »die Bedeutung der gebauten Umwelt einem möglichst großen Publikum näher zu bringen«.

Während der »Tag der Architektur« normalerweise die Möglichkeit bietet, die Projekte vor Ort zu besichtigen, werden sie in diesem Jahr aufgrund der Pandemie lediglich auf der Internetseite des Veranstalters, der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH), präsentiert.

Über eine interaktive Karte können Interessierte sich anschauen, welche Projekte in welcher Region vertreten sind. Auch die Beiträge aus dem Jahr 2020 wie etwa die Kita im Wißmarer Hainerweg oder das Open-Space-Office des Architekturbüros Jung & Klemke in einer alten Schreinerei in Gießen können auf der Internetseite angewählt werden.

Weitere Informationen unter: www.akh.de/baukultur/ tag-der-architektur.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare