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Neujahrsempfang in Grigny mit Bürgermeister Xavier Odo (2. von rechts) und dem Vorsitzenden der Wettenberger Deutschfranzosen, Norbert Schmidt (l.). FOTO: PM

Miteinander für geeintes Europa

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Wettenberg (pm). Erstmals erhielten 2020 die Neujahrsempfänge der Wettenberger Partnerstädte Sorgues bei Avignon und Grigny/Rhône bei Lyon einen unmittelbaren deutsch-französischen Akzent: Auf Einladung der gastgebenden Bürgermeister Thierry Lagneau (Sorgues) und Xavier Odo (Grigny) war der Verein der hiesigen Deutschfranzosen in Person seines Vorsitzenden Norbert Schmidt zu Gast bei "Les Voeux". In beiden Fällen bedachte das zahlreiche Publikum diese Präsenz mit viel Beifall und - hernach beim Vin d’honneur - mit aufmunternden Worten. Ja, so hieß es, auch bei solchen Anlässen sei ein Miteinander im Sinne eines geeinten Europa sehr wertvoll. Mit Sorgues ist Wettenberg seit 1972 verschwistert, mit Grigny seit 2018.

In der Provence fand die von etwa 800 Bürgern besuchte Veranstaltung im städtischen Festsaal statt. Der Bau aus den späten 1960ern war seit Abschluss der Partnerschaftsfeier 2018 eine Baustelle. Komplett entkernt und neu ausgestattet, präsentierte er sich am 6. Januar erstmals öffentlich als technisch wie optisch zeitgemäßer Veranstaltungsort. Bürgermeister Lagneau sprach in seinen Neujahrsgrüßen die Personen, Einrichtungen und Besonderheiten an, die das Leben und Arbeiten in seiner Heimatstadt bereicherten - und zu diesen "richesses pour la ville" zähle unbedingt die dereinst von Krofdorf-Gleiberg begründete Jumelage mit Wettenberg.

Tags darauf trafen sich Lagneau und Schmidt in der Stadtverwaltung zum sogenannten Partnerschaftsgespräch, erörterten unter anderem Begegnungsmöglichkeiten für die nahe Zukunft. Letztere hängt freilich auch vom Ausgang der Kommunalwahl Mitte März in Frankreich ab: Kann der Republikaner Lagneau mit seiner Kandidatenliste gewinnen - oder siegen die vor Ort sehr starken Rechtspopulisten, die er vor sechs Jahren noch gleich im ersten Wahlgang mit 51,2 Prozent hatte in Schach halten können?

Offizielles Gastgeschenk der Wettenberger Deutschfranzosen war - wie auch in Grigny - ein Exemplar von Géraldine Schwarz’ Erfolgsbuch "Die Gedächtnislosen / Les Amnésiques". Die junge Historikerin und Journalistin, in Straßburg gebürtige Tochter eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, beschreibt darin im schonungslosen Abgleich mit dem Leben ihrer Altvorderen die leidvolle Geschichte der benachbarten "Erbfeinde". Schmidt hofft, dass das den Bürgermeistern überlassene Buch alsbald in den jeweiligen Stadt-Mediatheken eine starke Nachfrage erfährt.

In Grigny war der Gast aus Wettenberg, nach der Gedenkveranstaltung zum 8. Mai vergangenen Jahres, zum zweiten Male Festredner. Er sagte vor rund 450 Besuchern, dass "Europa, wie wir es von der Generation unserer Eltern geerbt haben, kein Selbstläufer ist"; schon gar nicht seit der Osterweiterung, die die bilaterale Führungsrolle von Frankreich und Deutschland geschwächt habe. Man vergesse zu leicht, dass man dafür arbeiten müsse, um den Bedrohungen von Populisten mit Erfolg begegnen zu können. Kommunale Partnerschaften mit Teilhabe von Menschen aller Generationen seien dabei ein bedeutungsvoller Baustein.

Mehr zum Programm und zum Angebot der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg im Internet unter www.deutschfranzosen.de.

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