Mit Gestaltungsauftrag

  • Rüdiger Soßdorf
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Wettenberg (so). Innenverdichtung vor weiterer Versiegelung der Landschaft. Das hat Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) als ein Ziel für die weitere Entwicklung der Gemeinde Wettenberg ausgegeben. Und plädiert zudem für ein eher moderates Wachstum an Einwohnern.

Derlei grundsätzliche Erwägungen beschäftigen derzeit die Wettenberger Kommunalpolitiker. Sie haben einen ersten Vorentwurf eines Masterplans »Wettenberg 2030« auf dem Tisch liegen, um eben über das Tagesgeschäft hinaus Weichen zu stellen und die Frage zu erörtern: Wo wollen wir hin? Wie soll Wettenberg in zehn Jahren aussehen? Das umfasst zum einen die Entwicklung von Wohnbau- und Gewerbeflächen, zum anderen die Aspekte Verkehr, Natur und Wasser.

Der Städtebau-Experte Prof. Alexander Pellnitz von der Technischen Hochschule Mittelhessen hat mit Mitarbeitern den Vorwurf vorgelegt. Bei der Vorstellung im Herbst regte er an, seine Analyse und seinen Ausblick auf eine Gesamtentwicklung in erster Linie als Diskussionsgrundlage zu verstehen.

Diese Diskussion läuft jetzt - und es gibt Kritik an den Grundlagen des Masterplan-entwurfs: Die CDU-Fraktion hat sich in den vergangenen Tagen eingehend mit dem Entwurf befasst und erklärt, dass dieser vor einer weiteren Behandlung Nachbesserungen bedürfe. Dies mahnte auch Andrea Barbara Walker (CDU) am Donnerstag im Umweltausschuss mit deutlichen Worten an. Eben weil Karten- und Datenmaterial punktuell mit den tatsächlichen Gegebenheiten nicht übereinstimme. Einige der Beispiele, die die Union haben stutzig werden lassen und zu Nachfragen führen: Das Naturschutzgebiet »Holzwäldchen« ist mit der Perspektive Gewerbegebiet versehen, teils sind Spielplätze und Hausgärten als Baulücken ausgewiesen, der Ölberg fehle in der Planung, aber der Krofdorfer Sportplatz Seeküppel sei Potenzialfläche für Siedlung. Walker: »Das muss korrigiert werden!«

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Gerhard Noeske erkennt im Kartenmaterial »einige inhaltliche Mängel, die behoben werden müssen«. Die Union sei bereit, ihre Ideen und Anregungen ins parlamentarische Verfahren einzubringen. Und er plädiert für eine breitere Bürgerbeteiligung: Wie wird mit den Stellungnahmen der Bürger verfahren? Wie finden diese ihren Weg in die Gemeindevertretung? Wie sieht der konkrete zeitliche, inhaltliche und verfahrenstechnische Fahrplan aus? Das alles will die CDU wissen. Ein darauf abzielender Antrag ist im Geschäftsgang und wird am Donnerstag kommender Woche in der Sitzung der Gemeindevertretung (20 Uhr, Mehrzweckhalle Krofdorf-Gleiberg) aufgerufen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Ellinghaus sowie Parlamentschef Hans-Peter Steckbauer versuchten zu erklären und die Wogen zu glätten: Der »Seeküppel« stehe jetzt nicht auf der Agenda; mit dem TSV als Hauptnutzer gebe es Gespräche, eine Stellungnahme des Vereins liege vor. Im übrigen handele es sich bei dem Masterplan lediglich um einen Vorentwurf.

Ellinghaus mahnte, hier bitte keine Erbsenzählerei zu betreiben, sondern die grundsätzliche Fragestellung zu sehen: Es gehe darum zu schauen, was es an Potenzialflächen gebe und was an Ausgleichsflächen. Um daraus Handlungsperspektiven zu entwickeln.

Für die SPD ist der Prozess klar: Um dem kommunalen Gestaltungsauftrag gerecht zu werden, müsse man sich darüber klar werden, was man wolle und wohin man strebe.

Im Übrigen liegt die Entwicklung nicht allein in Wettenberger Hand: Alle Vorhaben müssen in die Abstimmung der Regionalversammlung.

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