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Martin Velten installiert die Hinweistafeln; Rainer Hospes schneidet davor frei, damit sie gut sichtbar sind.. FOTO: SO

Corona

Mehr Druck auf die Natur

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Corona hat dasFreizeitverhalten der Menschen nochmals verändert. Covid 19 tötet - indirekt - auch Wild, sagt der Tiermediziner und Jäger Rainer Hospes.

Wettenberg (so). Die Covid-19-Pandemie tötet indirekt Wildtiere. - Eine auf den ersten Blick etwas steile These, die Dr. Rainer Hospes aufstellt. Doch der Tierarzt aus Krofdorf-Gleiberg, zugleich an der Justus-Liebig-Universität Gießen wissenschaftliches Mitglied im Arbeitskreis Wildbiologie, vermag dies anschaulich mit Beispielen zu unterfüttern. Allein in der Gemarkung von Krofdorf-Gleiberg sind laut Hospes in den acht Wochen seit Anfang März 17 Rehe zu Tode gekommen - totgefahren im Straßenverkehr oder von Hunden gerissen. Acht davon waren hoch tragend. Eine Größenordnung, die es so noch nicht gegeben hat, hat er sich bei Jagdpächter Steffen Rinn rückversichert. Rinns Familie hat seit Jahrzehnten die Krofdorfer Jagd gepachtet. Seit gut drei Jahren Zeit ist Hospes neben Rin n und Helmut Wallwaey dritter Pächter in dem Revier.

Immer mehr Menschen draußen

Hinzu kommen laut Hospes andere kleinere Wildtiere wie Hasen, Kaninchen und Füchse, die an- oder überfahren werden und nicht gemeldet werden, weil kein Schaden am Auto entstanden ist.

Als Ursache für die außergewöhnlich hohe Zahl von totgefahrenem Wild macht Hospes den in den zurückliegenden Wochen deutlich gestiegenen Freizeitdruck aus. Es sind deutlich mehr Menschen als sonst mit dem Rad, joggend oder beim Spaziergang in den Feldern und Wäldern unterwegs. Hinzu kommen Reiter, Geocacher, Herrchen und Frauchen mit ihren Hunden. Denn Sportstudios haben geschlossen, die Sportvereine können derzeit keine Angebote machen, viele andere Freizeitaktivitäten fallen flach - das treibt die Menschen in größerer Zahl als sonst nach draußen an die frische Luft, in die Natur.

Das Thema ist nicht neu, je stadtnäher Kommunen gelegen sind, desto höher ist der Druck - doch durch die Corona-Situation hat es laut Hospes noch einmal eine neue Dimension angenommen.

Die Pandemie macht sich bemerkbar

"Die Covid-19-Pandemie und ihre Auswirkungen machen sich an Stellen und in Zusammenhängen bemerkbar, die allgemeinhin völlig unerwartet sind"., sagt de Tierarzt, der als Privatdozent an der Uni arbeitet. "So werden aktuell leider auch unsere heimischen Wildtiere in Wald und Feldflur von der Pandemie betroffen - indirekt zwar, aber nichtsdestoweniger häufig tödlich!"

Der Fachmann spricht von eine, "sprunghaft angestiegenen Erholungssuchender in Forst und Feldflur", vor denen die Wildtiere flüchten. Seiner Schätzung zufolge ist aktuell an jedem Wochentag eine deutlich dreistellige Besucherzahl in der Natur des Gemeindegebietes Krofdorf-Gleiberg unterwegs, An den Wochenenden seien es Hunderte.

"Die notwendigen Umgangsbeschränkungen und das momentane Fehlen alternativer Freizeit- und Sportangebote macht sich hier überdeutlich bemerkbar".

Appell, auf den Wegen zu bleiben

"Dies wäre, für sich allein genommen, nicht allzu schlimm," sagt Martin Velten, ebenfalls Jäger und Vorsitzender des Naturschutzvereins "NaTiJa" aus Krofdorf, "wenn sich jeder seiner Verantwortung und Verpflichtung bewusst wäre und sich entsprechend verhalten würde!". Damit meint Velten das Anleinen von Hunden in der momentanen Brut- und Setzzeit oder das Verbleiben auf den ausgebauten Wege.

"Das Wild ist es gewohnt, dass die ausgebauten Wege von Menschen begangen werden - doch es flüchtet in Panik und wird dann überfahren, fängt sich in Zäunen oder wird vom nächsten freilaufenden Hund gehetzt oder gerissen, wenn die Menschen auf Pfaden, unbefestigten Wegen, Rückegassen oder gleich mitten im Bestand auftauchen", konstatiert Rainer Hospes.

"Es bricht uns das Herz und macht uns zugleich unglaublich wütend, wenn wir wieder einmal ein gehetztes, gerissenes und schwerst verletztes oder ein angefahrenes Reh von seinen Qualen erlösen müssen!" sagt der Jäger.

Setzen auf Aufklärung

Er setzt, wie auch Velten, die Gemeinde Wettenberg und der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, Ulrich Hellmann, auf Aufklärung. Gemeinsam wurden in den vergangenen Tagen in der Feldgemarkung und im Wald Schilder aufgestellt, die werben: "Tier-Leben retten" .

De gemeinsame Appell: "Auf den befestigten Wegen bleiben; unbefestigte Waldwege, Pfade, Rückegassen und dichte Waldbestände und Waldränder meiden; Hunde anleinen oder wenigsten kurz "bei Fuß" halten, denn: "In der Dämmerung und in der Dunkelheit gehören Feld und Wald dem Wild", sagt Martin Velten.

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