Lernbauernhof mitten im Dorf

  • Rüdiger Soßdorf
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Wettenberg(so). Verwundert reagiert der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Wettenberg, Prof. Hans-Richard Wegener, auf die Kritik, die aus Launsbach in Sachen Belzgass-Hof kommt. Denn ehemals Aktive des früher dort verorteten "Bürgerprojekts" hatten einen Ortsrundgang des CDU-Bürgermeisterkandidaten Andreas Heuser genutzt, um ihrem Unmut Luft zu machen: Sie beklagten einen ungepflegten Garten, Gras zwischen den Pflastersteinen auf dem Hof und fragten nach der Rolle des NABU Wettenberg bei der aktuellen Bewirtschaftung respektive Zukunft des Hofes. Der war in den 1990er Jahren im Zuge der Dorferneuerung als "quiekendes Museum" erhalten worden, repräsentierte landwirtschaftliches Wirken aus den 1930er und 1940er Jahren.

Außerschulischer Lernort

Getragen wurde dies seinerzeit von eben jenem Bürgerprojekt. Dieser Verein hatte einen Nutzungsvertrag mit der Gemeinde als Eigentümer des Hofes. Der Vertrag wurde derweil über 2012 hinaus nicht verlängert. Man habe gemerkt, dass sich die Akteure innerhalb des Vereins nicht mehr ganz einig waren und der Verein letztlich nicht mehr aktiv, erinnert Bürgermeister Thomas Brunner: "Das Bürgerprojekt war in den 2010er Jahren sehr ruhig geworden." Mitnichten sei der NABU in den Vertrag eingestiegen, wurde klargestellt. Vielmehr wurde ein Konzept zur Wiederbelebung des Lernbauernhofs Belzgass erarbeitet. Ziel ist es, den ehemaligen kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetrieb wieder zu einem außerschulischen Lernort zu entwickeln. Dabei bringen sich die Landschaftpflegevereinigung Wettenberg, der NABU Wettenberg und das Umweltberatungs-Unternehmen "Biolution" (seit 2016 Mieter des Obergeschosses im Belzgass-Hof) ein. Der Hof ist und bleibt unverändert im Eigentum der Gemeinde. Die Gartenpflege, so wurde dargelegt, obliegt der Mieterin und dem Vorstand des NABU.

Alle weitere Nutzung etwa des Hofes oder der Räume im Erdgeschoss könne über die Gemeinde angefragt werden. So sei sichergestellt, dass diese Räume allen Ortsvereinen gleichermaßen zugänglich sind und bleiben. Der Abgabe an einen einzigen Nutzer erteilt der Bürgermeister ausdrücklich eine Absage. Und auch der NABU müsse eine Belegung wie jeder andere Nutzer auch beantragen.

Wegener und Brunner skizzierten am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs gemeinsam mit dem kommunalen Umweltberater Michael Krick die im Belzgass-Hof laufenden Aktivitäten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, vor allem aus den lokalen Kindertagesstätten und der Grundschule. Stichworte sind da die Ferienspiele, Apfelprojekte und Apfeltage sowie ein Kürbisprojekt. Es wäre schön, die Liegenschaft noch mehr mit Leben zu füllen und die Tierhaltung wieder auszuweiten, wie dies ehedem in den 1990er und frühen 2000er Jahren der Fall war.

Derzeit werden dort nur Kaninchen gehalten. Aber auch Hühner und ein Hahn sowie Gänse seien denkbar. Dies bedürfe freilich, so Wegener und Brunner, der entsprechenden "Manpower". Ehedem sei die Tierhaltung zu Zeiten des Bürgerprojekts von dem landwirtschaftlichen Betrieb Seibert flankiert und unterstützt worden.

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