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Der Blick von oben zeigt Burg Gleiberg im Süden, den Vetzberg im Westen - und mittendrin das eher langgestreckte Dorf Krofdorf.

Serie "von oben"

Krofdorf - die Heimat von "Golden Oldies"

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Krofdorf - das ist die Heimat von "Golden Oldies". Klar doch! Aber das Dorf, das mit Gleiberg verbunden ist, hat noch viel mehr zu bieten.

Einmal im Jahr ist Krofdorf bei vielen Oldtimerfans aus der ganzen Republik fett und rot im Kalender markiert - seit 30 Jahren wird in dem Dorf am Fuße des Gleibergs am letzten Wochenende im Juli das Golden-Oldies-Festival gefeiert. Was als musikalische Zeitreise in die 1950er und 1960er Jahre begonnen hat, das lockt mittlerweile 60 000, in guten Jahren bis zu 70 000 Besucher an - eine Menge Mensch, für ein vergleichsweise überschaubares Dorf mit rund 5400 Einwohnern.

Überschaubar - das ist ein gutes Stichwort beim Blick von oben auf Krofdorf. Es gibt eine zentrale Achse - der frankophile Kollege und bekennende Ur-Krofdorfer Norbert Schmidt hat dereinst einmal etwas hochtrabend von der "Magistrale, dem Lebensnerv des Dorfes" gesprochen. Wir belassen es für heute bei der "Hauptstraße" - doch mit dem "Lebensnerv", da hat er absolut recht: Bäcker, Metzger, Edeka, Reisebüro, Fahrschule, Elektrogeschäft, Bank, Sparkasse, Buchladen, Küchenstudio, Boutique, Schmuckatelier, Nachhilfe-Schule, Eiscafé und Pizzeria, Ärzte, Apotheke, Drogerie, Post, Physiotherapeut, Alten- und Pflegeheim, der eine oder andere Handwerksbetrieb - all das findet sich entlang der Hauptstraße aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Die Kommunalpolitik hat sehr richtig die zentrale Bedeutung des Edeka-Marktes als Frequenzbringer erkannt und zugunsten des Erhalts mitten im Dorf entschieden. Jetzt wird gar ein Neubau ebendort projektiert.

Wer nach links oder rechts von der Hauptstraße abbiegt, der wird weitere wichtige Punkte fürs dörfliche Leben finden: Druckerei und Feuerwehr, Döner-Imbiss, Friseur, Bioladen, Blumengeschäft, Antiquitäten, Eduard-David-Halle und Mehrzweckhalle mit der Turnhallen-Gaststätte. Auch wenn es in letztgenannter an manchen Abenden etwas ruhiger geworden zu sein scheint: Es bleibt ein zentraler Anlaufpunkt und eine abendliche Nachrichtenbörse - ganz so wie Samstag oder Sonntag in der Frühe der Bäcker Seidl gegenüber. Es sind eher schon kleinstädtische Strukturen entstanden; die dereinst einmal prägende Landwirtschaft ist kaum noch auszumachen.

Der Blick von Nordosten aufs Dorf zeigt zudem rechts vorne im Bildvordergrund sehr deutlich das Gewerbegebiet im Norden mit Schunk, aber auch vielen weiteren Dienstleistern und Spezialisten am Ölberg und am Heggraben. Angesichts der Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Fachleute ein absoluter Gewinn fürs Dorf - auch wenn man aus heutiger Sicht eine gewerbliche Entwicklung nicht mehr so platzieren würde, dass der Verkehr dorthin erst einmal über die Hauptstraße durchs ganze Dorf muss. Sei’s drum - es ist historisch so gewachsen.

An den Heggraben angrenzend ist deutlich zu erkennen, wo das Dorf in den vergangenen 30 Jahren vornehmlich gewachsen ist: Jüngste Siedlungserweiterung ist das Baumäcker-Viertel nördlich der Wißmarer Straße mit dem im gleichen Zug angelegten Kreisel. Daran anschließend das von 2002 an besiedelte Viertel Kronzenborner Weg und darunter das große Wohnviertel oberhalb des Friedhofes.

Das macht nicht zuletzt deutlich, wie attraktiv Krofdorf als Wohnsitz direkt vor den Toren von Gießen ist. Was nicht nur der Gunst der Lage geschuldet ist, sondern auch mit der herausragenden Infrastruktur zusammenhängt: Der Seeküppel-Sportplatz im Norden des Dorfs. Dann im Westen, im Fohnbachtal, das dereinst von den Bürgern in Handarbeit angelegte Freibad Gleiberger Land. Zwei Kindergärten und eine soeben erst auf Vordermann gebrachte Grundschule komplettieren das gute Angebot der Daseinsvorsorge. Nicht zu vergessen die Stadtbusanbindung an Gießen.

Sollte ein weiteres Baugebiet aufgelegt werden, so wie derzeit am Seegarten in der Prüfung, dann würden die Grundstücke im Handumdrehen verkauft und besiedelt sein. Da Fläche aber eben nicht beliebig vermehrbar ist, gilt es damit sorgsam zu haushalten.

Der erste große Wachstumsschub war freilich eine Folge des Krieges: Vertriebene kamen in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre, bereicherten das dörfliche Leben. Der zweite Kirchturm, der vor mehr als 50 Jahren hinzukam, symbolisiert dies bis heute

Über die althergebrachte Rivalität mit den Nachbarn in Wißmar sei an dieser Stelle kein weiteres Wort verloren: Handballer und Fußballer haben sich längst in Spielgemeinschaften zusammengefunden; in der Kommunalpolitik gilt bei aller Diskussion in der Sache das ernsthafte gemeinsame Streben dem großen Ganzen: dem Wir-Gefühl als Wettenberger - über alle Parteigrenzen hinweg. (Foto: Henß)

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