Die Kritik reißt nicht ab

  • Rüdiger Soßdorf
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Wettenberg(so). In den fünf kommunalen Kindertagesstätten in den drei WettenbergDörfern läuft seit Montag vergangener Woche der so genannte eingeschränkte Regelbetrieb - mit der Konsequenz, dass Kinder einiger Familien derzeit nach wie vor die Kita nicht besuchen können.

Das sorgt für Unmut. Die Enttäuschung von Eltern ist enorm, seit am 2. Juni über die Notbetreuung hinaus nur deutlich reduzierte Angebote anliefen, die aber als "eingeschränkter Regelbetrieb" etikettiert waren. Nachvollziehbar, dass die limitierten Angebote in den Kindertagesstätten dominierendes Thema im Sozialausschuss der Gemeindevertretung am Montag waren.

Überall im Landkreis laufen die unterschiedlichsten Modelle: Manche Träger bieten nur Vormittagsbetreuung, manche wechseln in wochenweisen Schichtbetrieb. Bürgermeister Thomas Brunner warnt vor zu hoch gesteckten Erwartungen: "Es gibt nirgendwo eine Kommune, die im Normalbetrieb fährt. Egal welches Modell man wählt: Irgendwo leidet immer jemand."

Just dies konnten er und die Mitglieder des Sozialausschusses auch vernehmen. Denn in Wettenberg folgt man den Vorgaben des Landes. Wenn die Betreuung von Kindern mit Eltern in so genannten systemrelevanten Berufen sichergestellt ist, dann werden als nächstes Kinder mit besonderem Förderbedarf und Vorschulkinder aufgenommen. Freie Plätze darüber hinaus gehen an Geschwister von Kindern mit Behinderung und von Vorschulkindern. Ist dann noch etwas frei, gehen diese Plätze an einzelnen Tagen und mit beschränkter Betreuungszeit an Kinder, deren Eltern beide berufstätig sind.

Diese Vergabekriterien sind bei Eltern teils auf Kritik gestoßen und wurden vom Sozialexperten Karl Fiedler hinterfragt. Der Freie Wähler, ehedem Leiter von Jugend- und Sozialverwaltung beim Kreis, fragte: "Haben wir Regelungen gefunden, die für die Eltern nachvollziehbar sind?" Antwort aus dem Rathaus: "Man kann es leider nicht jedem recht machen."

Einige Eltern und Elternvertreter waren gekommen, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Denn auch gewählte Elternbeiräte haben teils den geballten Frust von Eltern abbekommen.

Beklagt werden vornehmlich mangelnde Transparenz in der Kommunikation seitens der Gemeinde beim Umsetzen des langsam hochfahrenden Betreuungsangebotes. Hinterfragt werden auch von ihnen die Kriterien, nach denen weitere Kinder wieder aufgenommen wurden.

Weiterer Kritikpunkt: Mit den Elternbeiräten waren die Entscheidungen hinsichtlich der Angebotsstruktur nicht vorab abgestimmt worden.

Ausschussvorsitzender Ralf Volgmann (SPD) hat Verständnis für die schwierige Situation der Sozialverwaltung, in einer Krisensituation schnell entscheiden zu müssen. Aber er bat, "Elternbeiräte und Eltern künftig mehr einzubinden". Ein Hinweis, den auch Fiedler deutlich unterstrich.

Zudem stand einmal mehr die Frage nach einem Rotationsprinzip im Raum, um weiteren Kindern einen Kita-Besuch zu ermöglichen. Mehr Flexibilität eben.

Wie viele Kinder derzeit in Krofdorf-Gleiberg, Launsbach und Wißmar die Kitas nicht besuchen können, blieb vage: Familienbeauftragte Tanja Meyer sprach auf Nachfrage im Sozialausschuss von "bis zu 20 Kindern je Einrichtung", die nicht kommen könnten. Limitierender Faktor sind laut Bürgermeister unverändert die nach Landesvorgaben reduzierten Gruppengrößen und damit verbunden die Raumfrage sowie zudem die Mitarbeiter.

Brunner: "Wir haben nicht den vollen Personalstand, bei den Erzieherinnen gibt es Angehörige von Risikogruppen". Zeitweise seien zehn Kräfte nicht im Dienst gewesen, nun fehlten noch immer fünf.

Festgehalten hat man in Wettenberg an einer Betreuung im Zeitfenster von 7 bis 17 Uhr. Im anderen Kommunen wurde die Betreuung auf 14 oder 15 Uhr limitiert, um so zusätzliche Kapazitäten zu gewinnen.

Abstand genommen wurde bislang vom Teilen der Plätze für einen Schichtbetrieb oder das Mischen von Gruppen. Denn wenn dann ein Kind erkrankt, ist nicht nur die Betreuungsgruppe gefährdet, sondern der Betrieb der ganzen Kita.

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