+

Drei Tage Kultur

Kraftvolles Lebenszeichen auf Burg Gleiberg

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
    schließen

Das Wagnis hat sich rundum gelohnt: Drei Tage lang hatten Künstler auf der Burg Gleiberg das Sagen. Die regionale Musikszene, Kindertheater und ein Kabarettabend lockten Hunderte Besucher an.

Wo sich seit 30 Jahren traditionell am letzten Juli-Wochenende Zehntausende durch die Straßen und Gassen drängten, wo Fans der Musik und Lebensart der Fünfziger- bis Siebzigerjahre frönten, da herrschte in diesem Jahr gähnende Leere. Corona machte den "Golden Oldies" einen Strich durch die Rechnung. Statt des großen Festivals in Krofdorf konzentrierte sich das Geschehen von Freitag bis Sonntag auf die Burg Gleiberg. Mit entsprechenden Auflagen, versteht sich. Ermöglicht hatten das der Kultursommer Mittelhessen, der Gleiberg-Verein, der Kunst- und Kulturkreis (KuKuK) Wettenberg sowie der Musikproduzent Peter Herrmann (Lollar).

Allein die drei Vorstellungen des Gießener Tinko-Kindertheater zogen insgesamt weit über 200 Besucher an. Der Innenhof der Burg, auf dem "vor Corona" bei so manchem Festival bisweilen mehr als 1000 Menschen ausgelassen feierten, war nun - plastikbestuhlt sowie mit gelben Linien und Pfeilen durchzogen - kaum wiederzuerkennen. Bei 150 Besuchern hieß es "ausverkauft".

"Volles Haus" hieß es etwa für das Gastspiel der Fliegenden Frankfurter Volksbühne. Die Kabarettfreunde applaudierten Michael Quast und Philipp Mosetter begeistert für deren zweistündige intellektuelle Herausforderung: Die Märchensammlung der Brüder Grimm werden viele Besucher künftig mit anderen Augen sehen - und dabei sicher gern an diesen Samstagabend auf der Burg zurückdenken.

Dominierender Festival-Faktor war zweifellos die Musik. "Die Musikszene der Region ist endlich wieder zurück", freute sich KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde gleichermaßen mit Akteuren und Publikum. Mit Spannung erwartet wurde die Premiere von "Radio 2020".

Lisa Marie Krause (Gesang, Percussion, Querflöte), Jessica Hormann (Gesang), Mischa Jung (Bass, Gesang) und Peter Herrmann (Gitarre, Ukulele, Gesang) sowie als Gast Moritz Weissinger (Schlagzeug, Gesang) würden sich mit dieser Band "in normalen Zeiten" als Newcomer für jedes Stadtfest empfehlen; die von ihnen mit Hingabe und erstklassig gecoverten Lieblingssongs haben großes Publikum verdient. Pop-Klassikern wie z. B. "Radio Orchid" (Fury in the Slaughterhouse), "Brain Damage" (Pink Floyd) oder "Space Oddity" (David Bowie) sind von der Band frisch eingekleidet worden - ein aufregender Sommersound. Nicht minder umjubelt wurde am Samstag der Marburger Gitarrenvirtuose Michael Diehl. Er setzte zunächst als Solist eigene Werke und dann gemeinsam mit Herrmann Queens "Bohemian Rhapsody" als akustische Sensation in Szene.

Andrang auch am Sonntagvormittag: Die Singer-Songwriterin Tess Wiley zog die Zuhörer von der ersten Minute mit selbstbewusster Performance und großer Stimme in ihren Bann. In Tim Potzas (Gitarre, Pedal Steel, Dobro) hatte sie einen kongenialen Begleiter.

Mark Gillespie, der seit seiner Zeit als Straßensänger vor über 20 Jahren eine treue Fan-Gemeinde im Gießener Land hat, war eigens aus Aachen angereist. Mit ziemlichem Respekt vor dem Gig: "Wenn du monatelang nicht auftreten kannst, im Keller sitzt und nur an Projekten und Geräten arbeitest, ist die Stimme weg." Diese Stimme aber war da wie eh und je; ebenso die vertrauten Spitzen auf das Gießener Ordnungsamt, die genialen Spielereien mit der Loop-Station und Gillespie-Klassikern wie "Give it Time" und "Supersonic Sunday". Ein weiteres kraftvolles Lebenszeichen setzte die regionale Musikzene am Nachmittag mit Dago Schelins Living-Room-Trio, Tess Wiley, Tim Potzas und Dietrich Faber aka Manni Kreutzer - und nicht zuletzt mit Stephan Wießner ("Flashlight") als Veranstaltungstechniker

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare