Gertrud Schlage (sitzend) mit (v. l.) Gerhard Schmidt, Enkel Nikolas und Sohn Walter sowie Peter Meilinger und Jutta Failing. FOTO: M
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Gertrud Schlage (sitzend) mit (v. l.) Gerhard Schmidt, Enkel Nikolas und Sohn Walter sowie Peter Meilinger und Jutta Failing. FOTO: M

Kostümführung mit Zeitzeugin

  • vonVolker Mattern
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Wettenberg(m). Epochen, Ereignisse, Geschehnisse - ob von lokaler, regionaler oder überregionaler Bedeutung - sind interessanter und transparenter der Nachwelt zu vermitteln, wenn es noch Zeitzeugen gibt, die authentisch berichten können. Ein Teil der über 1000-jährigen Geschichte der Burg Gleiberg und des 1837 gegründeten Gleiberg-Vereins war und ist geprägt von der Burggastronomie. Zu diesem Thema fand nun die letzte von 20 Kostümführungen in diesem Jahr statt.

Eine weitere Gruppe Interessierter klebte an den Lippen von Dr. Jutta Failing und Peter Meilinger - bekannt als Gießener Stadtführer -, die als Jean und Faustina Deibel mit ihrem kurzweiligen Stück "Deibelsspuk und Schwerterklang" einen Teil der Gastronomiegeschichte aufarbeiteten. Unter den Gästen war diesmal auch Gertrud Schlage. An ihr, aber vor allem den Eltern der 99-jährigen Seniorin kommt man bei der Beleuchtung der Gastronomiegeschichte der Burg nicht vorbei. Dort, wo heute das Reich der Köche mit Pächter Axel Horn als Teamchef ist, stand einst die Wiege von Gertrud Schlage. Dort erblickte sie als zweites Kind von Paul und Lina Niebergall am 23. Juni 1921 das Licht der Welt. Die Mutter verstarb, als Gertrud Schlage zwei Jahre alt war. Ihr ein Jahr älterer Bruder blieb im Krieg, konnte somit nicht, wie es damals festgelegt war, als männlicher Stammhalter das Erbe zum Gastwirt antreten. Großvater Sebastian Niebergall war der erste Wirt und Kastellan auf Burg Gleiberg und trug als solcher 50 Jahre lang Verantwortung (Sommer 1882 bis Frühjahr 1932). 1879 trennte sich der preußische Staat von der verfallenen Ruine; durch Schenkung wurde der Gleiberg-Verein Eigentümer der Festungsanlage. Kurze Zeit danach begann mit einer Trinkhalle in der heutigen Albertusklause die wechselvolle Gastronomiegeschichte. Die Familie der betagten Seniorin lebte und wirtschaftete sieben Jahrzehnte auf der Burg. In die Fußstapfen ihres Großvaters, der auch Gründer des Gastwirtevereins Gleiberger Land war, trat Vater Paul Niebergall. Von März 1932 bis Oktober 1952 war er Wirt. In dieser Zeit verließ Gertrud Schlage ihre vertraute Umgebung - der Liebe wegen, denn sie heiratete 1949 ihren Max.

Der langen Zeit der Nie- bergalls folgte jene, in der Georg und Henny Regelein als Wirtsleute Geschichte schrieben (1952 bis 1981), teils als Unterpächter der Firma Schmall, teils im Pachtverhältnis mit dem Gleiberg-Verein.

Aufmerksam und amüsiert verfolgte Gertrud Schlage die Kostümführung, begleitet von ihrem Sohn Walter (69) und ihrem Enkel Nikolas (29). "Ich bin froh, dies noch erlebt haben zu dürfen", sagte sie. Der 2. Vorsitzende des Gleiberg-Vereins, Gerhard Schmidt, hatte die Gäste willkommen geheißen. Er wies auf die Bedeutung der Gastronomie für den Verein hin und dankte Jutta Failing und Peter Meilinger.

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