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Maryana Osipova, Alexander Sachs, Dmitry Hahalin und Michael Preuss bei der Zugabe.

Hohe Spielkunst in Wißmar

  • VonSascha Jouini
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Wettenberg (jou). Der Arbeitskreis Wettenberger Winterkonzerte um Ilse Bergner beweist immer wieder großes Geschick bei der Auswahl der vornehmlich jungen Künstler. Solche Spitzenensembles wie das Eliot-Quartett erlebt man allerdings nicht alle Tage. Das 2014 gegründete Streichquartett wurde unter anderem mit dem Preis des Deutschen Musikwettbewerbs 2018 ausgezeichnet und erhielt Anregungen von so namhaften Künstlern wie Hubert Buchberger und Alfred Brendel.

Am Sonntag widmete sich das Ensemble in der evangelischen Kirche in Wißmar vor rund 90 Zuhörern häufig aufgeführten klassischen und romantischen Kompositionen. Dies erlaubte Vergleichsmöglichkeiten und lud zum kritischen Hören ein.

Klangliche Schärfe zum Schluss

Aufmerken ließ der Allegretto-Kopfsatz des D-Dur-Quartetts KV 575 von Wolfgang Amadeus Mozart. Maryana Osipova (1. Violine), Alexander Sachs (2. Violine), Dmitry Hahalin (Viola) und Michael Preuss (Cello) gefielen von Beginn an durch feine melodische Zeichnung. In Kontrast zu den sanglichen, dynamisch dezenten Passagen schärften die Musiker die Akzente. Durchweg wirkte die klangliche Staffelung der Instrumente ausbalanciert. Mit atmender Phrasierung und vorausschauender Spielweise spannten die Künstler weite musikalische Bögen. Auch beim liedhaften Andante dürfte der sensible Vortrag das Herz vieler Mozart-Liebhaber höher haben schlagen lassen. Lebhaft-dynamisch gelang das Menuett. Reizvoll trat im Trio das Cello solistisch hervor.

Ein besonderes Ausrufezeichen setzte das Ensemble beim Allegretto-Finale mit seiner Spontaneität verströmenden Interpretation. Deutlicher ließ sich der komplexe Aufbau kaum zutage fördern - bis hin zu kleinsten motivischen Verästelungen.

Ebenso keine Wünsche offen ließ danach Ludwig van Beethovens F-Dur-Quartett op. 18 Nr. 1. Das war hohe Spielkunst, wie stringent die Musiker im eröffnenden Allegro die Allgegenwärtigkeit des markanten Kernmotivs vorführten, das in diversen Varianten und Erweiterungen immer wiederkehrt. Feinen Gemütsbewegungen spürte das Ensemble beim schmerzvollen Adagio nach. Streckenweise erinnerte die Musik an ein inneres Aufbäumen gegen die Trostlosigkeit. Die Trauer schien wie weggeblasen beim munteren Scherzo - als wollte uns Beethoven sagen: Selbst aus der tiefsten Krise gibt es einen Ausweg. Die Spielfreude und detailverliebte Gestaltung begeisterten auch beim Schluss-Allegro restlos.

Sein internationales Format untermauerte das Ensemble bei Robert Schumanns A-Dur-Quartett. Hervorgehoben seien hier der scherzohafte zweite Satz, der vom Stimmungsreichtum Assoziationen an musikalische Szenen weckte, sowie das animierend vitale, mit klanglicher Schärfe gewürzte Finale. Für den kräftigen Applaus und die Bravorufe dankte das Eliot Quartett mit einer Mozart-Zugabe.

Der Arbeitskreis hat vier weitere Termine geplant, zunächst das Neujahrskonzert am 2. Januar um 17 Uhr.

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