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Die Stangenschau lockt viele interessierte Bürger auf den Hof des Forstamtes.

Die Hirschpopulation im Blick

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Wettenberg (m). An den Stangen, auch Geweih genannt, lässt sich die Entwicklung von Rotwild über die Jahre erkennen. Die Rotwildhegegemeinschaft Krofdorfer Forst hatte auf den Hof des Forstamtes Wettenberg nun zur 23. Stangenschau eingeladen. Vorsitzender Horst Bernert freute sich nach dem Jagdsignal "Begrüßung", vorgetragen von einer stattlichen Schar Jagdhornbläser, über rund 120 Besucher.

55 Stangen waren in den vergangenen zwei Jahren gefunden worden. Von Februar bis April suchen Stangensucher die Jagdreviere nach den Abwurfstangen der Hirsche ab. Zusätzlich gezeigt wurden jene von sechs in den Jahren 2017 und 2018 erlegten Hirschen mit den dazugehörigen Abwurfstangen aus dem jüngeren Alter der Hirsche. Damit konnte die Entwicklung der Geweihe vom Jugend- bis ins für einen Hirsch hohe Alter von 14 Jahren dokumentiert werden.

Der Sinn der Stangenschau besteht darin, einen Überblick über die Zahl der Hirsche ab einem Alter von fünf Jahren zu erhalten. Damit kann man sicherstellen, dass ein natürlicher Altersaufbau der lokalen Rotwildpopulation mit einer hohen Quote dieser älteren Hirsche im Gebiet vorhanden ist.

Inzuchterscheinungen

Hirsche werden nicht nach ihrer Geweihstärke, sondern nach ihrem Alter bejagt. Zudem kann aus den Stangen Knochenmaterial entnommen werden, um daran genetische Untersuchungen vorzunehmen. Prof. Gerald Reiner von der Universität Gießen und sein Team werten die Proben aus. So konnte belegt werden, dass durch seine Insellage im relativ kleinen Rotwildgebiet Krofdorfer Forst die genetische Vielfalt schon stark eingeschränkt ist. Dies könne künftig zu Inzuchterscheinungen bis hin zum Aussterben des Rotwildes führen, hieß es. Aus den Daten der Stangenschau entwickelt die Hegegemeinschaft jedes Jahr das "Hirschbuch", in dem die starken Hirsche mit ihren Stangen und Erkennungsmerkmalen dargestellt sind. Hiermit sollen die Bejagung erleichtert und Fehlabschüsse vermieden werden.

Harald Voll, Sachkundiger für das Rotwildgebiet Krofdorfer Forst, stellte den Besuchern die Probleme und Lösungsansätze vor. Er erläuterte beispielhaft anhand einzelner Abwurfstangen und -reihen, welche Erkenntnisse die Stangenschau für die Rotwildjäger der Hegegemeinschaft liefert.

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