Eine Klasse für sich - "Rhythm Nation" entführen in die Dschungelwelt Amazoniens. FOTOS: M
+
Eine Klasse für sich - "Rhythm Nation" entführen in die Dschungelwelt Amazoniens. FOTOS: M

"Hanjer"-Dorf wird närrisches Drehkreuz

  • vonVolker Mattern
    schließen

Wettenberg(m). Das war ganz großes Kino. Allein der enorme Aufwand an Technik sprengte alles bisher Dagewesen. "Wißmar Airport" - die IG Fremdensitzung hatte wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut. 1000 närrische Gäste aus aller Welt an zwei Abenden waren begeisterte Zeugen.

Das "Hanjer"-Dorf wurde zum internationalen Drehkreuz des Flugverkehrs, die Bühne in der Narrhalla des Bürgerhauses zum Terminal und Tower. Gastfreundlich und weltoffen zeigten sich die 160 Akteure, die den Saal in einen Hexenkessel verwandelten. Flugkapitän, Ralf Nees und seine Elferrats-Co-Piloten konstatierten: "Alle Flüge nach fünf Stunden sicher gelandet".

Eigentlich ein Wunder, denn die Gruppe "Bedingt einsatzfähig" machte in ihrem gleichnamigen Sketch als Fluglotsen ihrem Namen alle Ehre. Nicht nur, dass viele Flieger stundenlang in einer Warteschleife über dem Wißmarer See kreisen mussten. So manche Piloten, die Landefreigabe hatten, wunderten sich über eine Piste aus Kopfsteinpflaster.

Irregeleitet wurden sie durch die Reklame des neuen Döner-Imbisses in der Schulstraße, dessen Strahlkraft mit einem Landefeuer immer wieder verwechselt wurde. Das dort angebotene Fastfood, Lahmacun, wurde im Funkverkehr immer wieder falsch verstanden: "Lande mer schuu"?, fragten die Piloten irritiert.

Stehende Ovationen für Christina Mülich

Nach Einweisung der Fluggäste durch die adretten Flugbegleiterinnen "Tipsy Ladies" gehörte das närrische Parkett zunächst dem Nachwuchs. Ein unbekannter Wißmarer Philosoph soll einmal gesagt haben, "Zeescht stirbt di Kirmes, dann di Mundoad". Er wird nicht recht behalten, denn die Gruppe "Hanjer" pflegt das Platt par excellence.

Höhepunkt reihte sich an Höhepunkt: In einer Dating-Show der Gruppe "Riehgäng" outete sich der "weiße Riese" (Thomas Hochstein) mit Ambitionen auf den Bürgermeisterposten und dem Wahlversprechen, die Eintrittsgelder bei den "Golden Oldies" abzuschaffen. Die Stimmen aus Wißmar dürften dem "Noch-Standesbeamten" sicher sein.

Ausgeteilt nach Krofdorf-Gleiberg wurde im Gespräch von Floh Mülich mit Anja "Schmitti" Büttner und Sandra "Knappche" Knapp: Dort glaubten manche, nur weil sie eine Ortsumgehung hätten, seien sie eine City. Stehende Ovationen im Rahmen dieses Acts gab es, als eine alte Bekannte aus der Wißmarer Fassenacht auf die Bühne rollte: Christina Mülich, nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, zeigte, dass sie es noch kann und ihre Lebenssituation angenommen hat: "Mier scheint die Sonn aus’m A…, es sieht nur kaaner, weil ich droff setze".

Wißmar hat wieder eine Garde - die Männercombo mit ihren Puderperücken entzückten die Damenwelt.

Jens Prinz schlüpfte in die Rolle eines Flugkapitäns und sorgte als begnadeter Stimmen- und Dialektimitator für viele Lacher. Die bekamen auch die "Rasselböck", die sich selbst als die älteste Boygroup der Welt bezeichneten und sich als streikendes Bodenpersonal über Witzfiguren der Weltpolitik lustig machten.

Die "GOW" ("Gruppe ohne Weibsleut") rockte den Saal mit Stimmungsliedern, und "Vocal Pur" von der Sängervereinigung erinnerte in weißen Bademänteln an Udo Jürgens.

Während die Jugend-"Rhythm Nation" zu Beginn der Sitzung mit ihren Tänzen einen prächtigen Entwicklungsschub vermittelten, entführten später die "Strickers" tänzerisch in die Stummfilmzeit. Den Höhepunkt tänzerischer Perfektion setze dann am Schluss "Rhythm Nation". Mit einer Glanzleistung an Choreografie und Performance entführten die 20 Künstlerinnen in einer ausdrucksstarken Darbietung in die atemberaubende Dschungelwelt Amazoniens. Zum Finale mit Simi Schmitz und Timo Koch-König erklang aus Hunderten Kehlen das "Wissemere Faschingslied".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare