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Akemi Mercer-Niewöhner, Dirk Niewöhner und Charys Schuler (v. l.) spielen Dvoráks Terzett C-Dur. FOTO: JOU

Große Spiellaune

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Wettenberg(jou). Zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven durfte beim jüngsten Wettenberger Winterkonzert in der evangelischen Kirche zu Wißmar ein Werk des Wiener Klassikers nicht fehlen. Mitglieder des HR-Sinfonieorchesters hatten indes noch weitere hörenswerte Kompositionen einstudiert.

Zu Beginn widmeten sich Akemi Mercer-Niewöhner und Charys Schuler (Violinen) sowie Dirk Niewöhner (Viola) Antonín Dvoráks Terzett C-Dur, op. 74. Recht feinsinnig gelang ihnen der Kopfsatz. In ihrer makellosen Interpretation unterstrichen die Künstler ansprechend die jähen Stimmungswechsel. Sehr schön getroffen schien, wie das expressive Thema des abschließenden Variationssatzes insistierende, dramatische und leidenschaftliche Wendungen erhielt.

Bei Leos Janáceks 1923 entstandenem Streichquartett Nr. 1 nach Lew Tolstois Erzählung "Kreutzersonate" trat Cellist Valentin Scharff hinzu. Die ausdrucksvolle Darbietung des ersten Satzes förderte die Prägnanz der nervösen Motivik lebhaft zu Tage; einen Gegenpol bildeten klanglich schwebende Passagen. Janácek konzentriert sich bei der Komposition, wie Reiner Zimmermann in seinem Werkkommentar anmerkte, auf "das Schicksal der Frauengestalt" der literarischen Vorlage. Der narrative Charakter kam beim zweiten Satz noch stärker zur Geltung. Geradezu verstörend wirkte die aggressive Schärfe beim dritten Satz; latente Dramatik war selbst bei Ruhepunkten zu spüren. Gefühlsgeladen kam die Musik beim Finale daher - vom elegischen Beginn bis hin zu hitzigen, motorisch bestimmten Abschnitten. Dabei begeisterte die kompromisslose Hingabe der Musiker restlos.

Tolstoi ließ sich bei seiner Erzählung von Beethovens berühmter "Kreutzersonate" A-Dur anregen. Die Streichquintettfassung dieses virtuosen Werks bildete den gelungenen Abschluss des Konzerts. Durch Cellist Ulrich Horn komplettiert, demonstrierte das Ensemble im ersten Satz große Spiellaune. Sehr anschaulich führten die Musiker vor Augen, wie in der langsamen Einleitung Motive des Presto-Hauptsatzes vorweggenommen werden. Die Bearbeitung brachte die Violinsonate in eine zugespitzte Form. Durchweg horchten die Künstler genau aufeinander. Hervorgehoben seien hier die Andante-Variationen mit ihrer breiten Palette an thematischen Bearbeitungsweisen.

Eine Wohltat für Intellekt wie Sinne war auch das muntere Schluss-Presto, derart erfrischend brachte es das Ensemble zu Gehör.

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