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Trio mit vier Musikern: Das Michele-Alberti-Trio wird in der Kunsthalle in Wißmar von Vincent Rocher an der Gitarre verstärkt (v. l.): Oliver Reitz, Vincent Rocher, Micha Georg und Michele Alberti.

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Wettenberg (usw). Jazz im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK)? Das gibt’s durchaus, und der Auftritt des Michele-Alberti-Trios feat. Vincent Rocher am Samstag zählt zu den sehr erfolgreichen Gastspielen. Ein routiniertes Ensemble, das mit großer Disziplin und Kompetenz ein auf ästhetischen Schwung ausgerichtetes Programm absolvierte. Was den zahlreichen Zuhörern ganz ausgezeichnet gefiel.

Los ging’s mit "Cool walk", einem Titel von Oscar Peterson, der schön fließend realisiert wurde. Das federte und ging voran und nahm die Zuhörer mit. Kultivierter Swing war angesagt. "There will never be another you" lief fröhlich weiter, mit "Corcovado" des Brasilianers Antonio Carlos Jobin wurde eine neue Stilvariante vorgestellt. Und auch den Latin Groove beherrscht das Ensemble: Sanft glitt man dahin, schön geschlossen, mit ausgewogener Lautstärke und großer gegenseitiger Aufmerksamkeit.

Bandleader Michele Alberti spielt Klavier seit 44 Jahren und ist "seit 25 Jazz-Pianist mit Leib und Seele". Seine Stilrichtung ist hauptsächlich Swing-Bebop mit Blues-Charakter. An der Gitarre wirkte der Gießener Vincent Rocher, der schon in verschiedenen Formationen auftrat. Am Schlagzeug arbeitete mit ansteckender Freude Oliver Reitz. In typisch stoischer Bassistenpose musizierte am Kontrabass Micha Georg: flüssig und präzise, aber mit Groove.

Disziplinierte Abschlüsse

Dem Publikum gefiel das sehr, man sparte nicht mit Beifall, von Anbeginn stark und lange. Dann "City lights", auch ein Klassiker und ein Walzer: verträumt, sanft, poetisch kam das in einem sehr runden Duktus und auffällig guter Kooperation zwischen Gitarre und Klavier; ruhig aber nie langweilig. Hier zeigte sich schon eine Stärke des Ensembles, die disziplinierten Abschlüsse: Das war sehr gut für die Stimmung und hielt den Zuhörer bis ins Ende hinein im Stück.

Eines der Glanzlicht war "Caravan" von Duke Ellington. Mit effektivem Groove zog das die Zuhörer mit, das Klavier überzeugte mit großer Geste und einem Topsolo zum Finale. "Body and soul" (Billie Holiday) mit einem weichen, träumerischen Intro und "Satin doll" - mit ausführlichem Pianovorspiel - schlossen den ersten Set ab. Das war wie aus einem Stück und professionell auf Wirkung hin performt.

Der Abend setzte sich ausgesprochen angenehm fort. Die Atmosphäre bei etwas schummerigem Licht war in der Tat clubartig, konzentriert. Finaler Höhepunkt war Carlos Jobims "Triste". Hochwertiges Gleiten, die Gitarre im Solo verträumt, doch sehr prägnant - hier stimmte alles. Zum guten Schluss "Kelly’s blues" und "Just friends".

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