Unfalltod

Vor Gericht: Wißmarer stirbt auf Krofdorfer Umgehungsstraße

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Ein 55-jähriger Wißmarer stirbt im Oktober 2017 bei einem Unfall auf der Krofdorfer Umgehung. Autofahrer und Unfallopfer sind alkoholisiert. Jetzt steht der Fahrer vor Gericht.

Welche Einschränkungen gibt es bei einer Alkoholisierung von 1,2 Promille? Oder bei 2,1 Promille? Was genau sagt das unfall-analytische Gutachten zu den Licht- und Sichtverhältnissen aus? Etwa wenn mit Abblendlicht anstatt mit Fernlicht gefahren wird? Antworten auf diese und weitere Fragen sollen bei der Urteilsfindung helfen. Sie werden von einer Rechtsmedizinerin und einem Unfall-Analytiker erwartet. Doch beide hatten sich für den gestrigen zweiten Verhandlungstag bei Strafrichter Harald Wack am Gießener Amtsgericht krank gemeldet.

So muss der 39-jährige Autofahrer aus Biebertal, der am 1. Oktober 2017 mit rund 1,2 Promille auf dem Heimweg einen 55-jähigen Wißmarer totgefahren hat, weiter auf sein Urteil warten. Der junge Mann hat seit dem Unfall keinen Führerschein mehr. Übrigens nicht das erste Mal: Bereits 2008 war der "Lappen" nach einer Trunkenheitsfahrt für ein Jahr weg. Heute, so beteuert er, trinke er keinen Tropfen mehr.

Das sagen Gutachter und Zeugen

Verteidiger Philipp Kleiner reichten die vorliegenden Gutachten aus. Der Autofahrer hat zwar die zulässige Höchstgeschwindigkeit eingehalten – aber war er zu schnell für den Grad seiner Alkoholisierung? Doch Staatsanwältin Gesine Ritsch möchte die Anklage wegen fahrlässiger Tötung aufrechterhalten. Verteidiger Kleiner zielt auf ein Urteil lediglich wegen der Trunkenheitsfahrt ab. Ergo sollen die Sachverständigen doch noch gehört werden, Und so blieb es am Mittwoch bei der Befragung zweier weiterer Zeugen.

Ich habe es am Gang gesehen, dass er betrunken war

Zeuge aus Kirchvers

So berichtete ein junger Mann aus Kirchvers, gegen 3 Uhr in der Früh an jenem 1. Oktober 2017 das Unfallopfer in der Kinzenbacher Straße gesehen zu haben: Dunkel gekleidet, mit einem Rucksack, auf dem Weg Richtung Umgehung. "Ich habe es am Gang gesehen, dass er betrunken war". Als Kirchverser ist der junge Zeuge des öfteren auf der Krofdorfer Umgehung unterwegs. Und er legte auf Nachfrage des Verteidigers dar, dass er dort an jener Stelle, an der der schreckliche Unfall passierte, noch nie einen Fußgänger unterwegs gesehen hat. Was für Verteidiger Kleiner ebenfalls von Bedeutung ist: Wie wandert der Blick, wenn man dort erst die Rechts- und dann die Linkskurve Richtung Biebertal fährt? Auf den Fahrbahnrand oder auf die nächste Kurve nach links? "Eher nach links", sagt der junge Mann. Kleiner: "Danke, keine weiteren Fragen".

Schlechte Sicht durch Nacht und Nebel?

Weiterer Zeuge war ein Polizist, der mit seinem Kollegen den Unfall aufgenommen hat. Zur Alkoholisierung des Autofahrers konnte er nichts aussagen: "Mir war nichts aufgefallen – der Kollege hatte mit dem Unfallfahrer gesprochen" Und die Sichtverhältnisse? "Es war Nacht, aber kein Nebel". Hatte der Autofahrer geäußert, das Unfallopfer sei womöglich von einer Brücke auf die Straße respektive vors Auto gefallen? Ja – das habe er auch gehört. Der Kollege habe es erwähnt. Diese Vermutung hatte der Unfallfahrer auch gegenüber dem, Mann geäußert, der als erstes an der Unfallstelle hielt und zu Hilfe eilte. Ein Sachverständiger hat allerdings in seinem, Bericht dargelegt, das Unfallopfer, ein 55-jährige Wißmarer mit mehr als 2 Promille, könne nicht von der Brücke gestürzt sein, sondern sei von hinten angefahren worden. Das belegten die Spuren am Pkw und am Opfer.

Fortsetzung folgt am 27. Februar. Dann mit den Sachverständigen und jenem Polizisten im Zeugenstand, der noch in der Nacht am Unfallort nahe Krofdorf-Gleiberg mit dem Angeklagten sprach.

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