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Sonnenblumen zum Selberschneiden und täglich frisches Gemüse: Jonas Drescher führt ein Start-up der besonderen Art.

Start-up

Der Gemüsemann

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Naturbelassen, ungespritzt, aus der Region - darauf setzt Jonas Drescher aus Krofdorf-Gleiberg. Der 27-Jährige baut Gemüse und Salat an und vermarktet direkt, mit Selbstbedienung für die Kunden.

Wett enberg (so). Eigentlich ist es nicht so viel, was ich mache", gibt sich Jonas Drescher bescheiden. Aber es hält ihn schon den Tag über auf Trab - fast das ganze Jahr lang. Im Grunde ist es ein Vollzeitjob neben dem Studium. Der junge Mann aus Krofdorf-Gleiberg baut Gemüse, Salat und Gewürze an und hat ein Feld mit Sonnenblumen zum Selberschneiden. Alles begann vor knapp drei Jahren mit Kürbissen auf einer kleinen Fläche. Inzwischen bietet er 15 Sorten Gemüse und Salat an seinen zwei Selbstbedienungs-Verkaufsständen in Krofdorf-Gleiberg an.

14 Sorten Kürbis

Aktuell Mangold, Zucchini, Frühkartoffeln, Rote Beete, Gemüse-Malve und Gurken. Hinzukommt Basilikum. Auch die ersten Tomaten gibt es bereits. Später im Jahr folgen Gelbe Beete, Kürbis, Zuckerschoten und Melonen. Im Herbst natürlich wieder Kartoffeln. Im Winter wachsen bereits die Salate für das kommende Frühjahr heran. Nicht aus dem Gewächshaus, sondern im Freiland, eine winterfeste Sorte.

Allein 14 verschiedene Kürbissorten zieht Drescher: Hokkaido, Muskatkürbis, Patisson blanc, Halloweenkürbisse… Zudem kleine für die Mikrowelle: Aushöhlen, würzen, garen und mit der Schale zu verspeisen. "Fast Food" vom Acker. Und gesund obendrein.

Ein zartes Pflänzchen

Das Geschäft des 27-Jährigen ist ein Startup der besonderen Art. Um im Bild zu bleiben: Ein zartes Pflänzchen ist es noch. Zumal er bei der Vermarktung eher außergewöhnliche Wege geht: Selbstbedienung für die Kunden, und zwar an mehreren Ständen: Aussuchen, Geld in die Kasse legen - das war’s. Ganz so, wie man es von Feldern mit Schnittblumen hier und da kennt. An einer Feldscheune, knapp hundert Meter außerhalb des Dorfes nahe der Straße zwischen Krofdorf und Wißmar, findet sich ein Verkaufsstand. Der wird täglich frisch bestückt. Das gleiche Modell in der Krofdorfer Hauptstraße an Dreschers Wohnhaus unweit des Edeka-Markts.

Ehrliche Kunden

Und wie halten es die Menschen mit der Ehrlichkeit beim Bezahlen? "Gut", sagt er. "Keine Probleme. Meine Kunden sind ziemlich ehrlich, und es gab selten eine unstimmige Kasse." Seine Hoffnung war von Beginn an, so der junge Mann, "dass sich die Transparenz und Ehrlichkeit in der Produktion auch in der Ehrlichkeit meiner Kunden widerspiegelt". Und so freut er sich darüber, dass dieses eher außergewöhnliche Geschäftsmodell klappt.

Wer kennt Malven-Gemüse?

Es sind vor allem Passanten auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, die bei ihm kaufen. Menschen mit Bewusstsein für gesunde Ernährung und Ökologie - wozu neben dem Verzicht auf Spritzmittel beim Anbau auch die nicht vorhandenen Transportwege zählen. Und Kunden, die etwas Besonderes schätzen: Wo bekommt man denn noch Malve, die man als Blattgemüse zubereiten kann? Auch Mangold ist heute weitgehend von vielen Speisekarten verschwunden.

Zudem kommen Leute aus dem Dorf. Kerstin Schneider etwa wohnt nicht weit weg von dem Stand an der Straße Richtung Wißmar. Sie nimmt gerne auf ihrer Runde mit dem Hund noch etwas fürs Abendessen mit. Oder für die Mahlzeit am kommenden Tag. "Frischer geht’s doch nicht", freut sie sich über die Zucchini, die in einem Risotto verarbeitet werden. Zwei Rote Rüben kommen auch noch in die Tasche. Die eine wandert in einen Auflauf mit Vollkornnudeln, die andere wird gekocht und als Salat zubereitet.

Düngen mit Kompost

Auch ohne Zertifizierung orientiert sich Jonas Drescher am ökologischen Landbau. "Der Geschmack ist ein völlig anderer, viel natürlicher, als wenn mit Kunstdünger nachgeholfen wird", sagt er. Nicht von ungefähr hat sich der Student in seiner Bachelor-Arbeit mit Fragen der Kompostierung von Pferdemist auseinandergesetzt. So ist ihm wichtig, dass Pferdemist, häufig als Abfall gesehen, nicht entsorgt, sondern für die Kompostierung genutzt wird. Kompostgedüngte Pflanzen, so Drescher, sind robuster und widerstandfähiger gegen Krankheiten und bilden mehr Geschmack und feinere Aromen aus. So schließen sich Kreisläufe. Nicht zuletzt sind die Kulturen mit ihren Blüten wichtig für die Bienen.

Der Verzicht auf Chemie bedeutet aber auch, im Falle des Falles Kartoffelkäfer abzusammeln, anstatt die Schädlinge wegzuspritzen. Der Unkrautdruck ist ohnehin viel höher. Die Folge: viel Handarbeit.

Gastronomie ist interessiert

Natürlich stellt sich die Frage, ob Drescher mit seiner Arbeit Geld verdienen kann? "Noch nicht so wirklich", räumt der Jungunternehmer ein. "Es bleibt nicht so viel hängen, dass ich davon leben könnte." Es hilft beim Finanzieren des Studiums. Mehr aber noch nicht. Wobei er schon schaut, das Geschäftsmodell auszubauen. So steht Drescher im Dialog mit heimischen Gastronomen, die ebenfalls Frische und Herkunft direkt aus der Region zu schätzen wissen. In der "Schönen Aussicht" in Launsbach oder auf Burg Gleiberg etwa kommt immer wieder mal Gemüse aus Krofdorf auf den Teller. Lokalen Blumenläden bietet er seine Sonnenblumen an.

Zudem setzt Drescher auf junge Kunden, vor allem auf junge Familien. So bietet er im Herbst wieder Kürbis-Schnitzkurse an und lädt ein, bei der Kartoffelernte mitzuhelfen: "Damit die Kinder lernen, wo ihr Essen herkommt."

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