Im Gemeindewald befassen sich die Ausschussmitglieder mit Problemen wie Trockenheit, Wiederbewaldung und dem Einsatz von Rückepferden. FOTO: BF
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Im Gemeindewald befassen sich die Ausschussmitglieder mit Problemen wie Trockenheit, Wiederbewaldung und dem Einsatz von Rückepferden. FOTO: BF

Gemeindewald macht weiter Sorgen

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Wettenberg(pm). "Die diesjährige Waldbegehung beginnt bedauerlicherweise ähnlichwie die des Vorjahres, wir sind wieder ein Trockenjahr weiter." Das zeigte sich beim traditionellen Vor-Ort-Termin des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr, zu dem neben den Kommunalpolitikern die Hessen-Forst-Vertreter Ralf Jäkel als Leiter des Forstamts Wettenberg, der ehemalige Revierförster Udo Steiger und sein kommissarischer Nachfolger Yannik Necker gekommen waren.

Trotz der besseren Start- bedingungen in die neue Vegetationsperiode aufgrund der überdurchschnittlichen Niederschläge in den Monaten Oktober, Dezember und Februar reichten die Speicher nicht aus, um die Niederschlagsdefizite in den Sommermonaten zu kompensieren. Die Buche kämpft nach wie vor mit einer erheblichen Vitalitätsschwächung aus den vorangegangenen trockenen Jahren. Bei der Fichte kommen zusätzlich enorme Mengen an überwinternden Borkenkäfern aus dem Vorjahr hinzu.

Unter diesen Umständen definieren sich die Aufgaben folgendermaßen: Gewissenhafter Umgang mit abgängigen Beständen unter Berücksichtigung des Vitalitätsverlaufs und des Holzmarktes, Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen unter Beachtung der standörtlichen Eignung und der Pflanzenverfügbarkeit, Pflege der dadurch entstandenen Kultur- und Jungwuchs- bestände, erläuterten die Fachleute. Diese Aufgaben würden landesweit sämtliche Wald- besitzer an ihre Grenzen bringen. Umso wichtiger sei das gemeinsame Handeln.

Zu wenig Niederschlag

Ausschussvorsitzender Oliver Wegener hatte gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Brunner die Teilnehmer am Reitplatz in Wißmar begrüßt. Die Exkursion führte zu drei Punkten im Gemeindewald, bei denen es um die Wiederbewaldung, die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der Pferderückung sowie um das absterbende Buchenaltholz und dessen Behandlung ging.

Ausgeführt wurde, dass die Voraussetzungen der Wasserverfügbarkeit zu Beginn des Jahres deutlich besser waren als noch 2019. Nichtsdestotrotz reichte das Wasser in den Bodenspeichern nicht aus, um die zu trockenen Monate zwischen März und Juli zu kompensieren. Die Messstation am Waldhaus offenbarte, dass im Monat Juli gerade einmal 15 Millimeter Niederschlag erfolgten. Im Jahr zuvor waren es immerhin 75 Millimeter. Dies hatte zur Folge, dass besonders in den heißen Augustwochen die Vitalitätsminderung bei der Buche eine dramatische Dynamik entwickelte und fast täglich neues Absterben zu entdecken war.

Der Temperaturverlauf zeigt ein ähnliches Bild. Der Juli entsprach, bezogen auf die Lufttemperatur, beinahe einem Normaljahr. Der August hingegen war deutlich zu warm. Die markanten Kältespitzen Anfang/Mitte Mai sorgten für ein weiteres Problem. Im Mai hatten die Baumarten in aller Regel bereits ihre frischen Blätter ausgetrieben. Kommt es zu Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, laufen die noch sehr sensiblen Blüten und Blätter Gefahr abzusterben. Glück- licherweise waren die Kulturflächen im Gemeindewald nur vereinzelt von Spätfrostschäden betroffen, erläuterten die Experten.

Ein Anlaufpunkt war eine dem Sturmtief "Friederike" 2018 zum Opfer gefallene 2,5 Hektar große Fläche, die zu Beginn des Jahres neu bepflanzt wurde. Wie Necker erklärte, sei es das Ziel, mindestens vier Baumarten auf solchen Flächen zu platzieren. Neben den bereits gesetzten Baumarten sollen im Herbst noch Lärchen ergänzt werden. Mit einem aus Lärchen- und Douglasienholz bestehenden Gatter wurde das Areal eingezäunt. Für diesen Gatterbau wurden 15 000 Euro aufgewendet. Für Räumung, Mulchen der Arbeitsgassen, Pflanzvorbereitung mittels Pferd und das Pflanzmaterial wurden 18 450 Euro eingesetzt.

Weshalb keine eigene Aufzucht mehr in einem Pflanzgarten gemacht werde, wollte ein Teilnehmer wissen. "Die haben sich wirtschaftlich nicht gerechnet, wir wären froh, wir hätten sie noch", sagte Steiger. Dies vor dem Hintergrund, dass vom Forstamt jährlich fast 120 000 Pflanzen benötigt werden. Auch im kommenden Jahr muss eine 5,5 Hektar große Fläche neu bepflanzt werden.

Erschwerte Bedingungen

Christian Sänger aus Waldsolms erläuterte am Beispiel einer im vergangenen Jahr vom Borkenkäfer befallenen Fläche, wie Pferde zur Rückung eingesetzt werden. Gefällte Fichten-Baumstämme wurden mit dem Pferd zum nächsten befestigten Weg gezogen. Dort wurde das Holz mit der Rückemaschine aufgelesen und gepoltert.

Sänger erläuterte, dass zwar auf den ersten Blick die Arbeit mit dem Pferd um einiges teurer erscheine, es handele sich jedoch um eine Ernte unter erschwerten Bedingungen. Er empfahl eine kombinierte Verfahrensweise, also Maschineneinsatz zur Unterstützung zum Pferd.

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