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"75 Jahre Train Fantôme"-Gedenkfeier am Sonntag in Sorgues. In der Mitte (v. l.) Bürgermeister Thierry Lagneau, Deutschfranzosen-Vorstandsmitglied Moritz M. Månsson und Amicale-Vorsitzender Jean-Daniel Simonet aus Paris.

Gedenken an die Deportierten im "Geisterzug"

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Wettenberg (pm). Seit den 1990er Jahren hat die 1972, als Beitrag zur bilateralen Aussöhnung, gegründete Gemeindepartnerschaft mit Sorgues bei Avignon ein sehr konkretes, über den allgemeinen Hinweis auf das von Kriegen verursachte Leid hinausgehendes, historisches Motiv. Damals erschien das Buch "Le Train Fantôme. Toulouse, Bordeaux, Sorgues, Dachau", das erstmals öffentlich die mehrmonatige Odyssée eines der letzten Deportiertenzüge im Süden Frankreichs ebenso beschrieb wie die missliche Situation in Sorgues unter deutscher Besatzung. Am 18. August jährte sich zum 75. Male der Tag, an dem die SS rund 700 ausgemergelte Gefangene 17 Kilometer von Roquemaure nach Sorgues trieb, wo ein aus Viehwaggons neu zusammengestellter Zug wartete zum Weitertransport ins KZ nach Dachau.

Begegnung im Herbst

Zum Mitgestalten der Gedenkfeier am Deportiertendenkmal vor dem Bahnhof, unmittelbar an der Place Wettenberg, war ausdrücklich eine Delegation der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) eingeladen worden. Zu ihr zählten Norbert Schmidt, Vorsitzender seit 1987, dessen Sohn Moritz M. Månsson (Beisitzer im Vorstand), die Gießener Stadträtin Monika Graulich (DFG-Ehrenvorstandsmitglied) und der Direktor der Gesamtschule Gleiberger Land, Gabriel Verhoff (Beisitzer). Die 48 Stunden Aufenthalt in der Provence nutzten die privat einquartierten Oberhessen, über die Kontaktpflege mit der Amicale des déportés résistants du Train Fantôme hinaus, zum Vorbereiten weiterer Begegnungen im Rahmen der Gemeindepartnerschaft. Verhoff war Gast bei Cyrille Gaillard, dem Rektor der Frédéric-Mistral-Schule im Stadtteil Chaffunes. Im neuen Schuljahr stehen - wie Ende 2017 von den Franzosen erstmals angeregt - zum zweiten Male Schüler beider Schulen im steten Dialog, erzählen in Briefen, Fotos und Videos von sich und von ihrem Alltag in Familie, Schule und Freizeit. Für Mai/Juni ist eine Begegnung der Kinder in Straßburg geplant.

Im Oktober haben die Deutschfranzosen erstmals ein Treffen mit den Wanderern des Breitensportvereins "Asser" um Gilbert Rabanel und André Jousselme auf dem Programm: Auf Schusters Rappen sind 40 Wettenberger mit ihren Freunden unterwegs auf der Route des Crêtes zwischen La Ciotat und Cassis sowie ein paar Tage später auf einer Anhöhe über der Rhône zwischen Uchaud und Mornas. Ein kommentierter Stadtspaziergang und ein kulinarisch angereicherter Abschiedsabend runden die Herbstbegegnung ab.

Redner bei der Gedenkfeier mit etwa 150 Teilnehmern waren Amicale-Vorsitzender Jean-Daniel Simonet, dessen Vater Jacques zu den Inhaftierten gezählt hatte, Bürgermeister Thierry Lagneau und Moritz M. Månsson, der seit mehreren Jahren auch Beisitzer im Amicale-Vorstand ist. Letzterer erhielt viel Zuspruch für seine weithin emotionale Ansprache, in der er unter anderem für die Pflege einer gemeinsamen Erinnerungskultur plädierte. In der anschließenden Hauptversammlung baten ihn die Franzosen darum, sich bei den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte Dachau für eine würdigende Darstellung des Train Fantôme einzusetzen.

Am kommenden Wochenende, 31. August/ 1. September, beteiligt sich die Deutsch-Französische Gesellschaft am mittelalterlichen Gleibergfest. Der Mitglieder-Rundbrief mit Veranstaltungshinweisen und weiteren Informationen stehen im Internet unter www.deutschfranzosen.de. Ausführliche Informationen zum "Geisterzug" finden sich auf www.lesdeportesdutrainfantome.org.

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