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Sebastian Moos (l.) und Josef Kaiser steigen dem "Frankfurter" aufs Dach.

"Frankfurter" wird aufgemöbelt

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Wettenberg (m). Der Schweiß rinnt in Strömen, und während andere Abkühlung im Freibad suchen, schrauben, schleifen, bohren, hämmern und sägen eine Handvoll Unermüdlicher an altem Blech, Holz, Eisen und Kunststoff. Nein, eine Lebensaufgabe wird es nicht, aber seit November vergangenen Jahres haben ein Dutzend Freiwillige der Freiwilligen Feuerwehr Krofdorf-Gleiberg es sich zur Aufgabe gemacht, einem alten Schätzchen wieder zu neuem Glanz und Ansehen zu verhelfen. Liebevoll und mit Hingabe, aber auch Sach- und Fachverstand, restaurieren die Mitglieder der "IG Frankfurter" - einer Untersparte des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr - ein Fahrzeug mit wechselvoller und bewegter Geschichte.

Derzeit ein "Silberpfeil"

"Frankfurter" haben sie es getauft und das ist schon ein Hinweis auf einen seiner einstigen Einsatzorte, nämlich bei der Flughafenfeuerwehr Frankfurt. Das Projekt der Restaurierung ist prädestiniert, um sich damit am Wettbewerb "Feuerwehr der Zukunft" zu beteiligen, der alljährlich von den Stadtwerken Gießen in Zusammenarbeit mit dem Kreisfeuerwehrverband ausgelobt wird. Ende Oktober muss der Projektbericht, den die Verantwortlichen bei der Krofdorf-Gleiberger Feuerwehr unter den Slogan "Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit kennen" gestellt haben, der Jury vorliegen, die dann aus der Vielzahl von Bewerbern und Wettbewerbsteilnehmern den Sieger ermitteln und mit einem Preisgeld belohnen wird.

Das ist Ansporn, denn eine solche Restaurierung ist kostenintensiv und nicht alle Arbeiten können ehrenamtlich bewältigt werden. Zur Vorgeschichte in Kürze: 1964 gebaut und in Dienst gestellt bei der damaligen Flughafen AG in Frankfurt an Main. 1984 auf Betreiben des verstorbenen Krofdorf-Gleibergers Klaus Daubertshäuser, ehemals Mitglied des Bundestags, verkehrspolitischer Sprecher und Flughafen-AG-Aufsichtsratsmitglied als Schenkung in den Bestand des Fuhrparks der Freiwilligen Feuerwehr Krofdorf-Gleiberg überführt - von dort im Rahmen der bestehenden Kommunalpartnerschaft nach Zsámbék (Ungarn) an die dortigen Kameraden übergeben - und im Sommer vor drei Jahren auf einem Tieflader wieder rückgeführt nach Krofdorf-Gleiberg.

"Eigentlich sieht der Tanker derzeit aus wie ein Silberpfeil", schmunzelt Sebastian Moos, Sprecher der "IG Frankfurter", und in der Tat fehlt dem Fahrzeug die typisch rote Lackierung. Das blanke Blech schimmert silbern in der gleißenden Sonne, und genau so soll der Oldtimer auch in der Fohnbachstraße den Besuchern der Golden Oldies am Wochenende präsentiert werden. In diesem Rohzustand sieht man ein solches Fahrzeug nicht alle Tage, und es ist bestimmt ein interessanter Anblick, ist sich Moos sicher. Sollte es aber regnen, wird nichts aus dem Ausstellen, denn das wäre schädlich für die Karosserie.

Der Lack ist also noch ab, aber das ist der nächste große Schritt, denn am 24. August wird der "Frankfurter" in feuerwehrtypischem Rot glänzen, wenn die Krofdorf-Gleiberger Feuerwehr zum Tag der offenen Tür einlädt. Die Pumpe im Heck des Fahrzeuges ist bereits komplett restauriert, das heißt alle Dichtungen sind erneuert, das Gehäuse sandgestrahlt und die Armaturen überholt - also betriebsbereit.

Es ist noch einiges zu tun, vor allem im Inneren des 55 Jahre alten Gefährts, bis man dann im Laufe des nächsten Jahres irgendwann sagen kann: "Es ist geschafft." Man darf gespannt sein, wie die Jury das Projekt bewertet, denn es zeichnet sich noch durch einen anderen wichtigen Aspekt aus: An der Restaurierung arbeiten alle Altersschichten mit und jeder bringt sich nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten ein.

Mit 76 Jahren ist Hans Leicht hierbei der Älteste und er hat seinerzeit als aktiver Feuerwehrmann bei Einsätzen noch im Fahrzeug gesessen, als es in Krofdorf-Gleiberg in Diensten stand. 450 Stunden wurden inzwischen investiert - das schweißt zusammen und Kameradschaft erhält eine besondere Bedeutung.

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