"Fahrrad sagt kaum noch einer"

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Wettenberg (pm). Der "Runde Tisch Mundart" war jetzt zu Gast bei den "Wissemerer Hanjer". Rund 40 Gäste kamen ins Bürgerhaus in Wißmar. Karl-Heinz Theiß, Initiator des Runden Tisches, stellte seine Sicht des Umgangs mit der Muttersprache vor. Er pflegt sie und trägt sie auch in die "Welt" hinaus. "Viele behaupten, die Mundart sterbe aus. Es ist gut möglich, dass in einigen Jahren nur noch wenige Menschen die Dialekte pflegen", erläuterte Theiß.

Aber wie sieht es denn mit dem Hochdeutschen aus? Diese Frage stellte Theiß in den Raum. Hier müsse man sich ebenfalls "große Sorgen machen". Fahrrad sage kaum noch jemand, nur Bike. Ebenso Stiefel, das sind heute Boots. Die Sprache wirke sehr "verenglischt", so der Gemündener.

Was die Mundart angeht, so ist im letzten Jahr in Hessen der Dialekt-Dachverband "MundART" gegründet worden. Vorsitzender ist Götz Konrad, Bürgermeister in Eschenburg. Hier können sich Mundartvereine vernetzen und aktiv werden. Die Initiatoren hoffen, dass so größere Aktionen gestartet werden können. Eine Großveranstaltung gab es bereits. Mehr Infos zu diesem Zusammenschluss im Internet unter www.mundart-hessen.de.

Einige Bundesländer würden anders mit ihrer Sprache umgehen, berichtete Theiß. So ist in Mecklenburg-Vorpommern die Mundart ein Schulfach, sogar im Kindergarten gibt es bereits erste Kontakte mit dem Plattdeutschen. Ebenso in Bayern, dort existieren bereits Lehrbücher zum Unterricht. "Es geht also doch. Wir werden sehen, wohin die Entwicklung geht", so Theiß.

Einige Anwesende trugen in Mundart vor, berichtete Rita Mattern. Karl-Heinz Theiß erzählte unter anderem vom "Firgelche (Ferkel)". Jürgen Piwowar trug Gedichte vor: "Dea Hahhebbear", "Ajsch geaheeann dieahr goanns eeloah" oder "Dea Doajwill". Er erinnerte an seinen ersten Besuch in Wißmar im Jahr 1998, da las er auf Platt "De Struwwelpeter" in einer Klasse vor.

"Gunni" Zöller von den "Ulmtalern" erfreute mit dem Lied "Hearbstbleure" von der Gruppe "Fäägmeel" und trug die Geschichte "U’hs Parrer Schmidt" vor.

Wie bei jedem Runden Tisch Mundart wurden wieder viele Mundartbegriffe diskutiert. Auch über die sogenannten Uuznamen für die Bewohner der Dörfer wurden angesprochen, zum Beispiel die Frage geklärt, wie didie Wißmarer zu ihrem Namen "Hanjer" kamen.

Schließlich trat die Kindergruppe "Wissemere Hanjer" auf, zurzeit sieben Kinder bis zu elf Jahren. Sie spielten eine Schulstunde aus früheren Zeiten und gaben einige Sketche zum Besten. Es gab viel Applaus.

Zum Abschluss gab es auch was zu Essen: "Schalet", ein in Mittelhessen bekanntes Traditionsgericht, welches aber seine Ursprünge im "Jüdischen" hatte. Zum Kartoffelauflauf reichte man Apfelkompott und einen Salat.

Der nächste "Runde Tisch Mundart" findet im Frühjahr 2020 statt. Genaueres wird noch bekannt gegeben.

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