Wettenberger Winterkonzert: Flötist Oliver Blüthgen und Violinistin Ariane Köster bei ihrem Vortrag in der Wißmarer Kirche. FOTO: JOU
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Wettenberger Winterkonzert: Flötist Oliver Blüthgen und Violinistin Ariane Köster bei ihrem Vortrag in der Wißmarer Kirche. FOTO: JOU

Erbauliches Neujahrsprogramm

  • vonSascha Jouini
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Wettenberg(jou). Vornehmlich anspruchsvolle Musik von Johann Sebastian Bach, aber auch Stücke des Wiener Klassikers Ludwig van Beethoven zu dessen 250. Geburtstag standen auf dem festlichen Neujahrsprogramm im Rahmen der Wettenberger Winterkonzerte. Für ungetrübtes Vergnügen sorgten in der voll besetzten evangelischen Kirche zu Wißmar Mitglieder des Jungen Sinfonieorchesters Wetzlar sowie der Staufenberger Organist Jens Amend.

Zwei Sätze aus der G-Dur-Sonate BWV 1019 zeugten eingangs vom Streben nach kompositorischer Perfektion: Bach schrieb das Werk wahrscheinlich um 1725, feilte aber später mehrfach daran. Den raffinierten Aufbau förderten Violinistin Ariane Köster und Organist Jens Amend beim Allegro-Kopfsatz anschaulich zu Tage. Köster achtete auf schlanke Linienführung, dazu passte die dezente Begleitung des Organisten. In der empfindsamen Interpretation des Duos berührte beim Cantabile die friedvolle Sphäre. Die Künstler brachten die fragile Musik behutsam zu Gehör. Erhabener Ausdruck erfüllte dann in Amends klanglich wie tempomäßig ausgefeilter Darbietung bei Bachs Präludium D-Dur BWV 532 den Saal. Mit wohldosierten Verzögerungen sorgte der Organist für lebendigen musikalischen Fluss und horchte tief hinein in den nachdenklich-ruhigen akkordischen Schlussteil. Bei der anschließenden Fuge erinnerte die in sich kreisende Motivik an Perpetuum-mobile-Figurationen. Amend spielte makellos elegant und machte die Komposition zu einem erbaulichen Erlebnis.

Gute Laune für den Heimweg

Den meisten Besuchern vertraut gewesen sein wird der berühmte Kanon von Johann Pachelbel. Über der Basso-continuo-Begleitung spannten die Violinisten Ariane Köster, Iris Eichhorn und Felix Leidinger bei den Variationen weite Bögen und luden zur geistigen Einkehr ein, setzten dann bei der Gigue einen vitalen Gegenakzent.

Weniger bekannt war das folgende Orgelwerk. Beethoven komponierte seine Stücke für Flötenuhr ursprünglich für im späten 18. Jahrhundert beliebte Musikautomaten. Amend unterstrich beim Allegro voller Fantasie den spielerischen Charme - da paarte sich erneut Virtuosität mit gestalterischem Feinsinn. Eine Wohltat war auch das Menuett mit der warmen Registrierung im Trio. Wie eine Parodie auf militärische Steifheit mutete sich in Amends Darbietung der "Grenadiermarsch" an.

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete Bachs Suite h-Moll. Flötist Oliver Blüthgen brachte gemeinsam mit den Streichern in der feierlichen Ouvertüre sehr ansprechend den Kontrast zwischen ruhigem Rahmenteil und bewegtem Mittelteil zur Geltung. Ebenso gut geriet das Rondeau, nicht besonders markant akzentuiert, vielmehr eher sanft. Auf dieser harmonischen Linie blieben die Sarabande und Bouréen. Sehr schön unterstrich der Flötist gemeinsam mit Cellist Christopher Blüthgen in der Polonaise die schmachtenden Züge. Die Badinerie sorgte für einen beschwingten Schlusspunkt. Als Dank für den kräftigen Beifall gaben die Musiker den Hörern mit zwei Tanz-Zugaben gute Laune mit auf den Heimweg.

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