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Peter Haagen (l.) und Jörn Martens sorgen für ein herausragendes Konzert.

Emotional, lyrisch, modern

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Wettenberg (usw). "Tapas & Tango" wurden beim Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) angekündigt. Das klang schon verheißungsvoll, und der Auftritt des Gitarrenduos Haagen und Martens erfüllte denn auch die Erwartungen restlos: Man erlebte einen hochwertigen, zugleich ein wenig aparten Musikgenuss. Dank der Tapas musste niemand ungestärkt ins Reich der Musik aufbrechen.

Peter Haagen studierte an der Musikhochschule Frankfurt und unterrichtete an der Justus-Liebig-Universität und verschiedenen Musikschulen Mittelhessens als Musiklehrer; er unterrichtet aktuell als Instrumentalpädagoge an der Gießener und Wetzlarer Musikschule. Jörn Martens studierte an der Universität Gießen Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Seine klassische Gitarrenausbildung erhielt er in Köln. Beide sind auch solistisch und in mehreren Ensembles aktiv. Seit 2010 treten sie gemeinsam als Gitarrenduo auf.

Sehr emotional, lyrisch, modern

Unverstärkt entfaltete sich sogleich die wunderbare Wirkung der Musik, als die beiden loslegten, mit dem ersten Satz aus Enrique Granados "Danzas espanolas - Oriental". Ganz fragil ertönte das, zart poetisch, ja versunken, und wurde getragen musiziert. Es verzauberte das Publikum, die Geräusche des Raums verstummten immer mehr, bis man ganz deutlich eine intensive Ruhe wahrnahm: alle waren in der Musik angekommen und genossen gleich das erste Glanzlicht.

Granados viersätzige "Valses poeticos" folgten. Hier zeigten die Gäste nun ihre ganze Kompetenz und, nicht zu vergessen, Spielfreude. Erst heiter, tänzerisch und mit sensibel variiertem Tempo, wurde das im dritten Teil ein sanft fließender Bach der Klangfarben, sehr emotional, teils auch lyrisch. Das Duo erfreute mit feinsten Tempo- und Ausdrucksnuancen und herausragender Transparenz: So geradezu greifbar, fast körperlich hatte man Gitarrenmusik lange nicht gehört.

Weiter ging es mit dem Spanier Manuel de Falla und Werken aus drei Zyklen - "Ballettmusiken", sagte Haagens. Das war im Stil etwas moderner und hielt nach einem lebhaften Auftakt im zweiten Satz gleich ein weiteres Glanzlicht bereit, "Cancion del pescador" - sehr sensibel, sanft, teils ganz zart -, und im vierten Satz "Danza ritual del fuego". Das fing unterschwellig bedrohlich an, brachte feinfühligen Detailreichtum; die instrumentellen Stilmittel wurden voll ausgeschöpft. Riesenbeifall zur Pause.

In der zweiten Hälfte erklangen zunächst zwei Werke von Robert Johnson: glockenklar, feinfühlig und in perfekt realisiertem barockem Duktus. Dann gab es "nur noch Tango" (Martens). Zunächst drei Klassiker ("Volver", Por una cabeza" und "Melodia de arrabal") von Carlos Gardel. Hier wurde auf große Gesten verzichtet, es wurde essenzieller. Dann Francisco Canaros Walzer "Corazon de oro" und Juan Carlos Zorzis "Tanguango". Schließlich eine fast analytisch musizierte Fassung von Piazzollas "Tango No. 1" - Es war in herausragender Konzertabend; massiver Applaus.

Als Zugabe gab es den Gassenhauer "La compursita". Richtig verzaubert wurde man dann noch mal mit der federleichten Wiedergabe von Piazzollas "Lo que vendrá".

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