Trockenheit

Für einige Bäume beginnt wegen der Trockenheit bereits jetzt der Herbst

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  • Patrick Dehnhardt
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Im Osten des Landkreis Gießen haben sich bereits ganze Waldstücke bunt gefärbt. Die Bäume sitzen auf dem Trockenen. Erst im Frühling wird klar sein, ob sie es überleben.

Es ist ein ungewohnter Anblick zu dieser Jahreszeit: bunte Blätter an den Bäumen. Bereits Ende Juli verfärbten sich einige Linden an der Landesstraße zwischen Hungen und Nonnenroth gelb, mittlerweile sind ganze Baumreihen in den Wäldern im Ostkreis betroffen.

"Was man da beobachtet, ist in den meisten Fällen eine verführte Herbstfärbung aufgrund der Trockenheit", sagt Heinz-Jürgen Schmoll, Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit im Forstamt Wettenberg. Die Bäume bekommen nicht mehr genügend Wasser, um ihre Blätter zu versorgen und werfen sie deshalb ab. Ein zweiter Blattaustrieb dürfte dieses Jahr nicht mehr erfolgen, "das ist eher im Frühjahr möglich", sagt der Experte. Die Bäume schalten anschließend also direkt in die Winterpause um.

Sorge um den Wald bei einer einzelnen Dürre müsse man sich nicht machen, sagt Schmoll. "Normalerweise hat es keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Waldbestand." Der Großteil der Bäume werde es überleben. "Einzelne Bäume können an ungünstigen Standorten absterben. Das sieht man aber erst im kommenden Frühjahr." Arg gebeutelt wurden einige Neuanpflanzungen. Sie sind ausgetrocknet. Nur an günstigen Standorten haben die Setzlinge überlebt.

Fichte gehört zu den Verlierern

Langfristig hat jedoch auch das Forstamt Wettenberg, das für die Wälder im Landkreis zuständig ist, mit dem Klimawandel zu kämpfen. Verlierer ist dabei etwa die Fichte. Sie braucht viel Wasser, fällt in den Winterstürmen um. Stattdessen setze man nun vermehrt auf Eiche und Douglasie.

Welcher Baum gepflanzt werden könne, sei aber auch vom Boden abhängig, erklärt Schmoll. Insgesamt gehe der Trend zu einem Wald mit vielen verschiedenen Baumsorten. Ein Mischwald stecke die einzelnen Verluste besser weg. Die Entscheidung, auf welche Art man setzen will, müsse aber mit Bedacht getroffen werden. "In der Landwirtschaft kann man jährlich wechseln, wenn eine Sorte nicht gedeiht. In der Forstwirtschaft ist das eine Entscheidung auf Jahrzehnte", sagt Schmoll. Für Douglasienholz hatte man vor 20 Jahren etwa noch kaum einen Markt. Mittlerweile werde es hingegen im Haus- und Dachbau gerne verwendet.

Waldbrandgefahr trotz Gewitterschauern

Beim Forstamt Wettenberg hofft man indes auf einen sanften, mehrstündigen Landregen. Denn die punktuellen Gewitterschauer der letzten Tage erreichen meist kaum den Waldboden. Daher bleibt auch die hohe Waldbrandgefahr bestehen. Derzeit gilt die Stufe A, einige Grillplätze wurden bereits geschlossen. Bei Stufe B ist das Betreten des Waldes verboten. Große Sorgen machen Schmoll die Autofahrer, die ihre Zigarettenkippen einfach aus dem Fenster werfen. "Da brennt schnell der Grünstreifen und dann der ganze Wald."

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