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Drei Kumpel in Bestform: Die "Swingin’ Buddies" (v. l.) Gerhard Schmied, Nils Hofmann und Michel Schmied. FOTO: BF

Eine schöne Bescherung

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Wettenberg(usw). Es musste noch einmal geschehen: Die Begeisterung über die ersten beiden Konzerte der "Swingin’ Buddies", dem Trio aus Gerhard Schmied, Michel Schmied und Nils Hofmann im März und Mai im Kino Traumstern in Lich war so groß, dass man vor Weihnachten noch ein Show-Special ansetzte: "Swingin’ Christmas". Und die Show im vollen Wißmarer Bürgerhaus am Sonntag erfüllte die hohen Erwartungen ganz und gar.

Als glänzende Grundlage stand die erfahrene Erwin-Gabriel-Bigband aus Herbornseelbach zur Verfügung. Vorgesehen war ein Liederabend mit Songs aus der großen Jazztradition, von Louis Armstrong bis Frank Sinatra, also Melodie und Gefühl ohne Verdünnung. Die Mitwirkenden waren ebenso geeignet wie hoch motiviert: Gerhard Schmied, besser bekannt in seiner Eigenschaft als Frontman von "Schmied Loaf", einer "Meat Loaf"-Parodie, hat gut 50 Jahre Bühnenerfahrung als Rockröhre. Sein Sohn Michel kommt musikalisch nach dem Vater, sammelte Erfolge bei "Voice of Germany", und erwies sich wie gewohnt als absolut hörenswerter Sänger. Auch Nils Hofmann ("Mandowar") überzeugte gesanglich voll und ganz. Er war bislang im Rock- und Pop-Genre erfolgreich. Alle drei hegten schon lange eine Vorliebe für den Swing, stellte sich heraus, und ihre rockige Vergangenheit schadete dem Vorhaben überhaupt nicht.

Schmid Senior legte mit einer emotionalen Fassung von "It’s beginning to look a lot like Christmas" los. Wer ihn nur von der Rockbühne kannte, wurde positiv überrascht. Nicht nur klang sein Tenor rund und angenehm, auch handwerklich war alles im Lot. Dazu ließ Erwin Gabriel seine Bigband einschweben, dass es eine Freude war - nicht zum letzten Mal. Auch bei "Mack the knife" aus der Dreigroschenoper ließ Schmied das authentische Gefühl spüren, und die Mischung zündete im Saal mit größter Wirkung: es funktionierte prima, das Publikum zeigte umgehend Anzeichen größter Freude, auch bei "Let ist snow".

Mit Volldampf Richtung Fest

Mehrfache instrumentale Intermezzi lockerten das Programm auf und zeigten überdeutlich, wozu die sehr gut aufgelegte Bigband imstande war: glänzende Klangfarben, abwechslungsreiche Stimmen und eine angenehme Geschlossenheit ließen den Zauber der großvolumigen Swingmusik makellos funktionieren.

Das erste Glanzlicht setzte Nils Hofmann mit einer saftigen, sinnlichen und tadellos gesungenen Fassung von Luis Primas Evergreen "Just a Gigolo". Mit vollem Dampf auch von der Band ging da mit Top-Akzenten die Post ab, tadelloses Englisch setzte das emotionale i-Tüpfelchen. Das riss die Zuhörer komplett mit, eine reine Freude und prachtvolle Performance. Auch Michel Schmied machte Bella figura, solistisch nicht nur mit "All I want for Christmas is you", das er sehr routiniert vortrug, sicher und im Ausdruck gewandt realisierte und dabei einen klaren sängerischen Charakter bewies; großer Beifall. Hauptattraktion dieser durchgängig erfreulichen Show waren die Trio-Nummern. Hier ließen die Schmieds öfters Hofmann die Solopartie und steuerten farbige und lebhafte Chorelemente bei. Da half es, dass nicht nur der Senior mimisch äußerst lebendig und alle drei höchst humorvoll, ja lebenslustig disponiert waren. Ihr gesamtes Bühnenverhalten hatte dabei etwas auffallend Ungekünsteltes, auch im Gesang. Ein Trio-Glanzlicht war das Lied "I wanna be like you" aus dem Film "Dschungelbuch", das die drei mit sichtlichem Vergnügen, dabei aber tadellos auf den Punkt performten: zum Schießen.

Erfreuliche Ergänzung: Hofmanns zwei Duette mit Saxofonistin Franzi Himmel; besonders gelungen war "Fairy tale of New York".

Als Rausschmeißer dann der vorzüglich gelungene Klassiker "New York, New York", und zum Abschied schließlich "ein Kirchenlied" (Schmied sen.). "Wenn Sie das alle mitsingen, müssen sie am Sonntag nicht mehr in die Kirche", scherzte Hofmann. Jedenfalls hörte man noch eine seelenvolle Fassung von Cohens "Hallelujah". Ein sehr angenehmer Abend.

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