Werke von Wolfgang Gebhard (vorn), Johannes Eucker (Mitte) und Michael Ackermann (hinten) sind ein zentraler Blickfang im KuKuK. FOTO: USW
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Werke von Wolfgang Gebhard (vorn), Johannes Eucker (Mitte) und Michael Ackermann (hinten) sind ein zentraler Blickfang im KuKuK. FOTO: USW

"Eine linksdrehende Ausstellung"

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Wettenberg(usw). Die Kunst bleibt nicht stehen - ob Krise oder nicht. So zeigt jetzt der Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) seine erste neue Ausstellung nach dem Ausbruch der Pandemie. Unter dem Titel "KuKunale 20.1" zeigt man eine umfangreiche Schau mit Werken gewohnt hoher Güte. Die Vernissage am Samstag fand unter Krisenbedingungen statt.

Die Arbeiten stammen diesmal von Michael Ackermann, Lucyna Baniak, Dieterich Emde, Johannes Eucker, Wolfgang Gebhard, Christine Stefan, Susanne Voos, Roger Wegner, Ingrid Wortmann-Wilk und Barbara Yeo-Emde. Die Ausstellung verströmt genau dieselbe Lebendigkeit und markante Vielfalt, die man vom KuKuK gewöhnt ist.

Inszenierung angepasst

Die formalen Bedingungen indes waren etwas ungewohnt. Die Begrüßung der wenigen angemeldeten Gäste fand auf dem Hof statt, dann aber ganz normal durch Ines Scheurmann vom Vorstand. Sie begrüßte die Kunstfreunde "nach dieser Durststrecke, besonders die, die nicht vom KuKuK sind, weil die sich getraut haben. Die Durststrecke war so lang, dass sogar unsere Batterie-Uhr angehalten hat."

Die künstlerischen Ideen versiegten allerdings nie. Angepasst an die besonderen Umstände ist die Halle ohne den Nebenraum so inszeniert, dass man die Kunstwerke auf einem kleinen Rundgang besichtigen kann, komplett mit Richtungspfeilen auf dem Boden. "Eine linksdrehende Ausstellung", sagte der Vorsitzende Diederich Emde. Auch die gewohnten Snacks und Leckereien fielen aus, und Getränke wurden nur in Flaschen serviert. Die Inszenierung wurde so angepasst, dass in der geräumigen Kunsthalle ein lockeres Durchwandern mühelos möglich ist. Die maskierten Besucher unterhielten sich draußen und drinnen lebhaft, insofern war alles fast wie sonst. Die Schau zeigt aufgrund der Lage nur die Hälfte der teilnehmenden Künstler, die zweite Hälfte wird ab dem 18. Oktober präsentiert.

Überraschend prägnante Arbeiten zeigt Barbara Yeo-Emde mit ihren kraftvoll abstrahierten Fotografien wie die von einer Bootshalle mit Gondeln, was man aber erst auf den zweiten Blick bemerkt. Oder eine Handvoll Sonnenschirme: bei Yeo-Emde wird das einfach zu einem Geflecht von Kurven. Susanne Voos wiederum entdeckte für ihre bildschöne abstrakte Serie im kleinen Format die Neon-Acrylfarben, die sie souverän in ihre Kompositionen einarbeitet. Es ist wie immer ein luftiger Blick in der Schau. "Intelligent und gediegen", merkte Scheurmann an. Ingrid Wortmann-Wilk zeigt eine pfiffige "Gürtelcollage", die sich trotz trügerischer Präsentation in der Fläche als sehr attraktiv und sorgfältig komponiert herausstellt - ganz klar ein Bild. Und das ist noch lange nicht alles.

Ästhetisch und funktional gestaltet ist diese Ausstellung, bei der sorgfältig darauf geachtet wurde, dass sich immer wieder besondere Beziehungen zwischen einzelnen Werken ergeben - der Besucher sollte ihnen dafür eine Chance geben. Besonders wirksam ist eine Szene auf der zentralen Fläche gestaltet, dem Raumteiler. Da fällt Wolfgang Gebhards Ensemble keramischer Gesichter auf, die in stiller Gemeinsamkeit ein Lied zu singen scheinen. Im Mittelgrund schauen eiserne Figuren von Johannes Eucker froh und aufmerksam drein, und im Hintergrund sieht man Michael Ackermanns hochkarätige Bilder. Schon vor diesem Ensemble an der Hauptwand möchte man in aller Ruhe verweilen - allerdings durchaus nicht nur dort. Auch unter den aktuellen Bedingungen ist dem KuKuK also eine wirklich sehenswerte Schau gelungen.

Noch bis zum 11. Oktober im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg, Goethestraße 4b. Geöffnet sonntags 15 bis 18 Uhr. www.kukuk-wettenberg.de.

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