Hartmut Schock
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Hartmut Schock

Eine Herzensangelegenheit

  • vonVolker Mattern
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Wettenberg(m). "Mier schwätze Platt unn wäij eus d’ Schnowwel gewoase iess" ("wir reden Mundart und wie uns der Schnabel gewachsen ist"): Nachdem sie zunächst mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten droht, gilt die Mundart seit einigen Jahren als Kulturgut. Um deren Erhalt bemühen sich nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Da sei zum Beispiel die Gruppe "Hanjer" von der Grundschule Wißmar genannt.

Nun hat sich einer, der vor vielen Jahren auszog in die Welt, aber nie seine Bodenständigkeit und Heimat vergessen hat, auf besondere Weise seiner Wurzeln erinnert: Hartmut Schock, ein "Kroffdicher Urgewächs", ist unter die Autoren gegangen. Er veröffentlichte kürzlich sein Buch "Aussprache, Grammatik und Wörter der Krofdorfer Mundart, Krofdorfer Varia". Aus dem Titel geht bereits hervor, dass Mundart nicht gleich Mundart ist und auch in Wettenberg, innerhalb der Nachbardörfer und damit nur in wenigen Kilometern Entfernung regionale Unterschiede beim "Plattschwätze" vorhanden sind.

Ungeachtet dessen verstehen sich die Menschen trotzdem. Interessant sind indes die Recherchen, warum und wie die Wörter entstanden, Zeiten überdauerten und doch viele Begriffe nun vor allem bei der jungen Generation in Vergessenheit geraten sind.

"Fegäss dai Mundoad nedd" ("vergiss deine Mundart nicht") ist gleichsam die Aufforderung wie Einladung zur Vorstellung des Buches von Hartmut Schock am Donnerstag, 27. August, um 20 Uhr unter dem Dach des Heimat- und Geschichtsvereins Krofdorf-Gleiberg im Gesellschaftsraum der Mehrzweckhalle (Mund-Nasen-Maske ist Pflicht beim Betreten und Verlassen).

Der Autor wurde am 10. Januar 1954 in Krofdorf geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er auf dem Bauernhof, in der Hauptstraße 4. "Die Krofdorfer Mundart ist meine erste und innigste Sprache", bekennt er. Und verhehlt nicht, dass er durch die nie ganz aufzuhebende "Lautfärbung", was das "R" betrifft und unmissverständlich auf seine "bäuerliche Herkunft" hinwies, besonders während des Studiums auch sehr gelitten habe. Das ist aber Vergangenheit und wenn sich jemand so intensiv mit seiner "Muttersprache" auseinandersetzt und darüber ein Buch schreibt, dann zeugt das von Identitätsbewusstsein und Stolz.

Nach Abitur und Wehrdienst legte Schock in Wetzlar den Kaufmannsgehilfenbrief ab. Er studierte Wirtschaftspädagogik, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre in Mainz. Als Diplom-Handelslehrer war er nach dem Referendariat Lehrer an der berufsbildenden Schule Wissen/Sieg und dort zuletzt als Studiendirektor tätig.

Ein Buch über die Krofdorfer Mundart zu schreiben, das sei ihm immer eine Herzensangelegenheit gewesen, so der "Kroffdicher Bub", der heute in Unterhaching lebt. Historische Aufnahmen vom alten Krofdorf schmücken das Buch, in dessen Vorwort der Autor etwas zur Aussprache der Wörter anmerkt. Grammatik und Wörter hat er nach bestem Wissen und Erinnerung aufgeschrieben, aber da ist das wie mit dem Fahrradfahren: Einmal gelernt, kann man es immer. Auch einige Krofdorfer und Gleiberger kommen zu Wort, darunter Hans Reeh, Irmgard Gerlach und Manfred Schmidt. FOTO: M

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