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Häufig entscheiden die Beamten nach Bauchgefühl, welche Fahrzeug sie kontrollieren, sagt Polizeisprecherin Richter.

Einbruchsaison startet: Polizei forciert Kontrollen

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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Mit Beginn der dunklen Jahreszeit haben Einbrecher Hochkonjunktur. Durch die Pandemie ist die Anzahl der Taten deutlich zurückgegangen. Damit dies so bleibt, baut die Polizei den Fahndungsdruck auf - unter anderem mit einer Kontrolle bei Wettenberg am Mittwoch.

Mit geschulten Blick beobachten die beiden Polizisten den Verkehr, der an ihnen am Ortseingang von Launsbach vorbeirollt. Die Autofahrer haben schon automatisch auf Schrittgeschwindigkeit gedrosselt, einige halten sogar vorsichtshalber an. Doch die Beamten haben es auf eine ganz bestimmte Gruppe abgesehen: Einbrecherbanden.

Nun haben diese leider keine Aufkleber an ihren Fahrzeugen angebracht, die auf das kriminelle Handwerk hinweisen. So braucht es einigen Spürsinn und auch einen gewissen Vorsprung, um Verdächtige herauszufiltern.

Dieser Vorsprung ist in diesem Fall auch ein räumlicher: Eine Zivilstreife beobachtet bereits am gut einen Kilometer entfernten Kreisverkehr unauffällig, welche Fahrzeuge vorbeikommen. Finden sie einen Wagen verdächtig, können sie das Kennzeichen in der Zeit überprüfen lassen, bis dieser zur Kontrollstelle rollt. Tut sich dabei etwas Verdächtiges auf, wird das Fahrzeug herausgewunken.

Meist handeln die Beamten aber nach »Bauchgefühl«, erklärt Polizeipressesprecherin Sabine Richter. Verdächtig ist etwa, wenn sich in der heutigen Zeit fünf Männer in einen Wagen quetschen. Auch auswärtige Kennzeichen erwecken das Interesse der Polizei.

Richter hat eine gute Nachricht: Die Zahl der Einbrüche im Landkreis Gießen ist deutlich zurückgegangen. Wurden 2016 noch 437 Einbrüche registriert, lag die Zahl im vergangenen Jahr bei nur noch 156.

»Corona spielt uns da in die Karten«, sagt sie. »Die Menschen sind oft Zuhause.« Zudem sorgten die Grenzkontrollen aufgrund der Pandemielage dafür, dass die Kriminellen eher befürchten mussten, bei einer Kontrolle abgefangen zu werden.

Marcus Kempf, Kriminalhauptkommissar vom K21 Gießen, berichtet von zwei überwiegend vorkommenden Tatmustern. »Es gibt solche, die sich die Häuser im Vorfeld genau anschauen.« Diese reisen von einer Wohnung in der Nähe an und kundschaften genau aus, wo sie günstig einbrechen können und wann niemand Zuhause sein könnte.

Jedoch gibt es auch Gruppen, die von weit entfernt oder aus dem Ausland anreisen. Diese fahren dann durch die Straßen, bis sie ein Haus gefunden haben, dass sich lohnen könnte. Kempf berichtet, dass im Landkreis vor allen Dingen Einfamilienhäuser betroffen sind. Wohnungseinbrüche in Mehrfamilienhäusern kommen vor allen Dingen im Stadtgebiet vor. Dort sind häufig heimische Kriminelle am Werk.

Suche nach leichter Beute

Die Einbrecher sind auf der Suche nach leicht transportierbarer Beute. »Schmuck und Bargeld findet sich in fast jedem Haushalt«, sagt Richter. Der sperrige Breitbildfernseher ist uninteressant.

Sie rät darum allen Bürgern dazu, auf Vorsorge zu setzen und den Einbrechern das Leben schwer zu machen. Mittlerweile bleibe es bei fast jedem zweiten Einbruch beim Versuch - entweder weil die Täter gestört wurden oder Türen und Fenster nicht schnell genug nachgaben.

Die Polizeisprecherin rät, sich in Sachen Einbruchsschutz beraten zu lassen, Claudia Zanke (06 41/70 06-205 0) ist die kriminalpolizeiliche Beraterin für den Landkreis Gießen und gibt gerne Tipps, wie sich Haus und Wohnung schützen lassen.

Zudem hilft es, wenn eine längere Abwesenheit - etwa Urlaub - nicht durch einen überquellenden Briefkasten oder ständig herabgelassene Rollläden verraten wird. Da zahlt sich ein wachsamer Nachbar aus, der für einen auch mal die Post und Werbezeitschriften aus dem Rohr holt. Bei der Aktion »Wachsamer Nachbar« können Nachbarschaften zudem vereinbaren, ein Auge auf die nachbarlichen Grundstücke zu haben und Verdächtiges zu melden.

Einbrecher sind am Mittwoch in Wettenberg nicht in Sicht. In den ersten anderthalb Stunden der Kontrolle geht der Polizei vor allen Dingen »Beifang« ins Netz. Ein Pkw, der ohne Nummernschild an der Stoßstange herumfährt, qualifiziert sich selbst für eine Kontrolle. Auch ein rostiger Firmenlaster wird von den Beamten herausgewunken und genauer unter die Lupe genommen.

In einem anderen Fall sieht der Beamte, dass in dem Baustellenfahrzeug keiner der Insassen angeschnallt ist. Es stellt sich heraus, dass die Sicherheitsgurte hinter den Rücken verschlossen wurden. »Das ist nicht vergessen, sondern Vorsatz«, sagt einer der Beamten. Ab 30 Euro pro Person beginnt das Bußgeld. Bei sechs Insassen eine Stange Geld.

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