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Hans Joachim Leicht mit einem Nistkasten. Auch Vogelschutz lag ihm am Herzen .ARCHIVFOTO: PAD

Ein Natur- und Menschenfreund

  • Norbert Schmidt
    vonNorbert Schmidt
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Wettenberg (no/so). Er könne guten Gewissens gehen, sagte er bei einem letzten Treffen wenige Tage vor Ostern bei sich zu Hause in der Krofdorfer Kattenbachstraße. »Ich bin mit mir im Reinen.« Zur Fortsetzung des zwangsläufig retrospektiv ausgerichteten und im Grundtenor ganz entspannten Gesprächs kam es nicht mehr. Hans Joachim Leicht, ein Mann, der sich im Beruf als Revierförster im Krofdorfer Forst und im Ehrenamt für sein Heimatdorf und die dort lebenden Menschen aufgerieben hat, starb am Sonntag im Kreis seiner Angehörigen.

Er wurde 76 Jahre alt. Leicht hinterlässt seine Frau Hanni, mit der er seit 1969 verheiratet war, die Töchter Carolin und Christine, fünf Enkelkinder, seine Schwester Marion mit weiteren Verwandten sowie einen großen Kreis an Freundinnen und Freunden.

In der Fohnbachstraße 23 erblickte er als Kind von Henni und Hans Leicht am 13. Juli 1944 das Licht der Welt. Nach der Volksschule in Krofdorf und Mittlerer Reife in Gießen strebte er eine Forstlaufbahn an. 1962 schaffte er als einer von 16 unter 480 Bewerbern die Aufnahme an die Forstschule Wiesbaden. Nach Lehr- und Wanderjahren in den Förstereien Manderbach, Schotten, Hanau/Eichen, Bad Homburg/Feldberg, Königsberg und Babenhausen sowie zwischenzeitlichem Examen kam er 1971 zur Forst-Einrichtungsanstalt in Gießen - und zehn Jahre später an sein Ziel: 1981 übertrug man ihm die Leitung der Revierförsterei Krofdorf. Diese Arbeit wurde ihm zur Lebensaufgabe. In der Nachfolge seines frühen Mentors Karl Klatt wurde Leicht zum Gesicht des Krofdorfer Forstes, arbeitete in Staats- und Gemeindewald daran, die ökologischen, wirtschaftlichen und freizeitrelevanten Interessen in Einklang zu bringen. Immer im Dialog mit den Menschen. Immer kompetent, hilfsbereit, verbindlich und mit einem netten Wort auf den Lippen. Nie verbissen.

Klatt hatte große Fußstapfen hinterlassen, »›Hajo‹ Leicht hat sie mehr als ausgefüllt. Ihm ist nie eine Arbeit zu viel gewesen«, sagt der frühere Leiter des Forstamts Gießen, Klaus Schwarz, über seinen Kollegen. Sie kannten einander seit fast 60 Jahren, seit gemeinsamen Ausbildungszeiten. »Wenn er etwas angepackt hat, dann konnte man sich hundertprozentig auf ihn verlassen«. Man traf Leicht bei der Forstinspektoren-Ausbildung und bei Revierförsterprüfungen, beim Aufbau des Holz- und Technikmuseums in Wißmar und bei der von ihm angeregten Anlage eines Waldlehrpfades sowie als Referent bei heimatkundlichen Wanderungen. Und er gab er seine Expertise im örtlichen Naturschutz weiter. Von 1982 bis 2017 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des NABU Krofdorf-Gleiberg. Damit führte er fort, was sein Vorgänger Karl Klatt begonnen hatte: Über die Profession hinaus das Engagement im ehrenamtlichen Naturschutz. Diesem fühlte er sich zeitlebens verbunden, bestätigt der langjährige Vorsitzende des NABU Wettenberg, Prof. Hans Richard Wegener. Die beiden verband über die gemeinsame Arbeit hinaus eine lange Freundschaft.

Mehr als 30 Jahre lang - bis 2017 - war Leicht zuständig für alle naturschutzrechtlichen Maßnahmen und Stellungnahmen der Gemeinde. Er war Mitbegründer der lokalen Landschaftspflegevereinigung und in Folge Ortsbeauftragter für Landschaftspflege. Sein Engagement mündete bereits Ende der 1980er in ein Buch: Zusammen mit Prof. Hubertus Ahlbrecht verfasste und illustrierte er auf bald 150 Seiten »Schützenswerte Lebensräume in Wettenberg«. Erst vor zwei Jahren hat das Werk durch den NABU eine Fortschreibung erfahren, die Leicht und Ahlbrecht gewidmet ist.

Nicht zu vergessen: die Jagd. Auch da gab er Wissen und Können weiter. Leicht war im Kreis-Jagdbeirat, war Rotwild-Sachverständiger und im Hochwildausschuss auf Landesebene, Dozent bei der »Hubertus«-Jungjägerausbildung sowie Mitautor des Rotwild-Lebensraum-Gutachtens für den Krofdorfer Forst. Da war er eine treibende Kraft, erinnert Klaus Schwarz an das letzte große gemeinsame Projekt.

Von Kindesbeinen an bis in seine Vierziger spielte »Hajo« Leicht Handball beim TSV Krofdorf-Gleiberg; darunter als Mitglied einer um 1970 sehr erfolgreichen Meistermannschaft. Als Erwachsener engagierte er sich als Trainer. Später fand er zum Tennis: Im leistungsorientierten Spielbetrieb seiner Altersklassen - und mit Herausforderungen abseits des Platzes: Nach dem Eintritt in den beruflichen Ruhestand wurde er Vorsitzender des TC Krofdorf-Gleiberg. In seiner bis 2018 währenden Amtszeit packte er Veränderungen an, etwa den Kauf des Sportgeländes und dessen punktuelle bauliche Sanierung. Auch in die Aktivitäten des Jahrgangs 1944/45, der sogenannten Bindewald-Klasse, brachte er sich ein.

Verdammt viel drin in dem Leben, das vor Jahresfrist mit der Metastasen-Diagnose eine Wendung nahm. Zumal sich Leicht zudem über Jahre um seine ebenfalls an Krebs erkrankte Frau gekümmert hatte. Wer um ihn trauert, wird glücklich sein, ihn und seine Menschen- und Naturnähe erlebt zu haben. Er und die Zeit mit ihm bleiben unverge ssen.

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