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Die vier Wettenberger Bürgermeisterkandidaten Marc Nees (2. v. l. ff), Andreas Heuser, Philipp Nickel und Ralf Volgmann mit den Moderatoren Rüdiger Soßdorf (l.) und Volker Böhm (r.).

Ein gutes Angebot an die Wähler

  • VonKlaus Waldschmidt
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Wettenberg (ws). Über 200 Interessierte kamen auf Einladung des KuKuK und der Wißmarer Sängervereinigung zur Podiumsdiskussion der vier Wettenberger Bürgermeisterkandidaten in die Sporthalle an der Gesamtschule Gleiberger Land. Andreas Heuser (CDU), Marc Nees (unabhängig, unterstützt von den Freien Wählern), Philipp Nickel (unabhängig) und Ralf Volgmann (SPD) stellten sich den Fragen der Moderatoren Rüdiger Soßdorf (Gießener Allgemeine) und Volker Böhm (Gießener Anzeiger) sowie des Publikums.

Die Themen spannten sich von Siedlungsentwicklung über Klimaschutz und Kommunikation mit den Vereinen bis hin zu Verkehrsfragen und Jugend- und Kulturarbeit. In gut zwei Stunden konnten sich die Bürger ein Bild von den unterschiedlichen Charakteren machen.

Zwei Urnengänge?

Prognose eines Beobachters im Nachgang: Ein gutes personelles Angebot an die Wettenberger Wähler. Das macht es umso schwerer, dass einer der Kandidaten im ersten Wahlgang sogleich über 50 Prozent kommt. Stichwahl zwischen den zwei Bestplatzierten wäre dann am 24. Oktober.

In Fragen der Siedlungsentwicklung rieten alle Bewerber mit unterschiedlichen Konzepten zur Nachverdichtung - Marc Nees und Philipp Nickel bekannten sich jedoch klipp und klar auch zum Ausweisen von neuen Baugebieten. Die Gemeinde solle Land aufkaufen und sozial nach einem Punktesystem vergeben, schlägt Nees vor. Flächen sollten entsiegelt werden. Philipp Nickel plädiert für bezahlbaren Wohnraum für junge Wettenberger Familien - aber kein Wachstum um jeden Preis. Andreas Heuser warb für den Ankauf und die Sanierung von älteren Häusern durch die Gemeinde, um einen niedrigeren Mietpreis zu erreichen sowie eine verstärkte Innenverdichtung. Auch Ralf Volgmann steht für bezahlbaren Wohnraum, gerade für Geringverdiener und Alleinerziehende, und spricht sich dafür aus, Baulücken zu bebauen und Leerstände zu aktivieren. Die Senioren haben alle im Blick: Ob Nees (»Wohngemeinschaften für Senioren«), Nickel (»Seniorengerechtes Wohnen in den Ortskernen«) oder Heuser (»kleine Wohneinheiten für Senioren innerorts«)

Auch beim Klimaschutz lagen die vier Bewerber nicht sehr weit auseinander: Dies müsse bei jedem Einzelnen beginnen, sagt Nickel. Besseren ÖPNV, Ausbau der Radwege. Solar- und Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, klimaneurtrale Gebäude; die Bedeutung des Krofdorfer Forstes haben alle vier auf dem Schirm.

Gewerbepolitik

Weiteres Thema war die Gewerbeentwicklung. Die Stärkung kleinerer Unternehmen sei wünschenswert. Gewerbeflächen sollten begrenzt aufgelegt werden. Darin sind sich die Kandidaten einig. Ein interkommunales Gewerbegebiet kann sich Andreas Heuser gut vorstellen. Ziel für Ralf Volgmann ist, dass kein Unternehmen Wettenberg verlässt. Er will Arbeitsplätze vor Ort halten, etwa durch das kommende Gewerbebiet vor Porsche bei Launsbach. Nees, der den Wettenberger Gewerbepark als Erfolgsgeschichte lobte, wünscht sich neue Flächen für »grüne« Unternehmen.

Einig waren sich die Kandidaten, dass die Kommunikation zwischen Kommune und Vereinen und Bürgern verbessert werden muss - etwa durch direkte Ansprechpartner im Rathaus.

Breiteren Raum nahm der Erzieherinnen-Mangel ein, denn Wettenberg sucht Fachkräfte für die Kitas, und der Markt ist »leergefegt«. Ein gutes Arbeitsklima, eigene Ausbildung und eine bessere Bezahlung sieht Philipp Nickel als Anreize. Es sei ein »hartes Stück Arbeit«, Mitarbeiter zu finden. Eine verstärkte regionale Ausbildungsinitiative, gutes Betriebsklima und bessere Bezahlung seien Ansätze, sieht auch Ralf Volgmann. Die Kitas attraktiver machen und als Anreiz Wohnungen für Mitarbeiterinnen bereitstellen, lautet die Empfehlung von Nees.

Breiteren Raum nahm das Thema Verkehr ein - über die Notwendigkeit des im Grundsatz beschlossenen, aber eben noch nicht umfänglich erarbeiteten Verkehrskonzept waren sich alle einig. Philipp Nickel empfahl, weiter hartnäckig dranzubleiben, die Verkehrsberuhigung voranzutreiben. Andreas Heuser empfiehlt die Beratung durch Verkehrsexperten, während Ralf Volgmann mehr Unterstützung durch die oberen Verkehrsbehörden wünscht.

Da es keine Räume für Jugendliche in Krofdorf-Gleiberg gibt, sollte z.B. ein »Internet-Café« für Jugendliche zusammen mit den Teenagern geschaffen werden, so Philipp Nickel. Die Jugendlichen sollten sich in einem Jugendzentrum selbst einbringen, regte Andreas Heuser an. Ralf Volgmann möchte mit den Jugendlichen im Ganzen ins Gespräch kommen, da ein JUZ alleine als Angebot nicht ausreiche. Freies W-Lan und ein überdachter Treffpunkt seien eine gute Möglichkeit für Jugendliche, regte Marc Nees an. Einig waren sich alle vier, Jugendliche bei Projekten immer »mitzunehmen«. So ist auch die Marschrichtung, bei der Planung des Pumptracks bei Wißmar die künftigen Nutzer einzubeziehen.

»Nau Schul«

Unterschiedliche Ansätze jedoch bezüglich der »Nau Schul« in Launsbach: Für eine Sanierung hat die Gemeinde 800 000 Euro bereitgestellt. Philipp Nickel befürchtet, dass das Geld wegen des Denkmalschutzes nicht ausreicht. Die Heimatstube brauche dort Platz. Andreas Heuser hofft derweil, dass sich die Senioren bei der Gestaltung mit einbringen sollten und hier eine Außenstelle der Gemeindeverwaltung entstehen könne. Ralf Volgmann schlug im Obergeschoss Wohnraum, im Untergeschoss eine ortsbezogene Nutzung vor. Von den hohen Sanierungskosten runter will Nees: Er plädiert nur für eine substanzerhaltende Sanierung und reduzierten Ausbau.

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