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Die Gratulation an einen echten Fastnachter

  • Norbert Schmidt
    vonNorbert Schmidt
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»Am Rosenmontag bin ich geboren …«, sang Margit Sponheimer Ende der 1960er in die Wohnzimmer der Republik hinein - und beseelte damit etliche ihrer Landsleute punktgenau: Nachgerade Walter Marfilius aus Hechtsheim bei Mainz. Den umtriebigen Rheinhessen hatte es in den Fünfzigern ins Gleiberger Land verschlagen, sozusagen in die karnevalistische Diaspora.

Dort war er zwar schon »qua Herkunft« Elferratspräsident - aber dieser Gassenhauer gab ihm weiteren Auftrieb, reicherte seine Aura an. Denn er hatte - auf die Welt gekommen sechs Tage vor Rosenmontag 1929 - zeitlebens verkleidet Geburtstag feiern können, immer vor Aschermittwoch. Immer mit »Helau!«.

Was auch hieß: Dem »Maffi« gratulierten nie allein die Angehörigen und die unmittelbaren Freunde, er hatte jeweils Hunderte um sich, die ihm wohlwollend zusprachen bei einer der (bis zu vier) Kappensitzungen seiner Krofdorf-Gleiberger Fastnachtsfreunde, ehedem bei den Prunksitzungen von TSV, GV 1842 und BvD.

Mehr als 50 Jahre lang war der Teppich-Fachmann mit beruflichen Handelsfeldern im fernen Asien ebenso wie auf dem nordafrikanischen Maghreb hierzulande eloquenter Sitzungspräsident, war für ein paar Wochen, zwischen Dreikönig und Passionszeit, unbestrittener Mensch im Mittelpunkt.

Ein Stück lebendige (Heimat-)Geschichte. Oft und immer wieder ausführlich dargestellt in unserer Zeitung. Entweder aufgrund besonderer närrischer Veranstaltungen, wegen der persönlichen Altersmarken oder aus Anlass von Ehrungen, die das Dorf und der Verein zu vergeben haben.

Und doch, so scheint es, fehlt ihm etwas - gerade jetzt. Das hat mit den Covid-19-Einschränkungen zu tun. Aber mehr noch mit der Mühsal, die die späten, die letzten Lebensjahre mit sich bringen können. Der »Maffi« altert, die Gesundheit lässt nach. Er weiß es, er hadert, er spricht darüber mit ihm vertrauten Menschen, liest aus dem Krankenblatt vor, zitiert die Diagnosen - und vermisst, ohne dass er dies ausdrücklich anspricht, den persönlichen, das Selbstwertgefühl streichelnden Zuspruch. Halt die Öffentlichkeit. Gerade in diesen Tagen vor Aschermittwoch, die ihm über Jahrzehnte seine hohe Zeit waren.

Vielleicht hilft eine »Notiz aus der Provinz« über diesen Entzug hinweg; heute, am vorletzten Samstag der nicht stattfindenden Kampagne. (Ja, heute, wo in bald jedem Dorf des Landkreises eine Sitzung stattfinden würde, ein Maskenball, ein kurzweiliges Ringelreihen.)

Wir holen ein bislang unveröffentlichtes Foto aus dem »Köcher«, aufgenommen am Fastnachtsdienstag 2020 am Stammtisch in der Turnhallen-Gaststätte - wenige Tage vor dem ersten Lockdown. Es zeigt Walter Marfilius (rechts) im Kreis ortsbekannter Weggefährten, darunter Willi Schleenbecker, der etliche Jahre als frech-frotzelnder »Ortsdiener« in der Bütt gestanden hatte.

Mit Ehefrau Inge und »pflegerischem Begleitschutz« war der »Maffi« dem häuslichen Alltag entkommen, um - nach dem Fastnachtszug war’s - ein wenig von der Atmosphäre zu kosten, die ihm so viel bedeutet. Mittendrin, nicht nur dabei!

Warum diese Notiz ausgerechnet heute? Ei, weil der »Maffi« gestern Geburtstag hatte, am 5. Februar, seinen 92. Glückwunsch! Tusch! Und: Kapelle! Narrhallamarsch! no/FOTO: NO

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