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Die Burgherren und der Schwarzbau

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Von: Rüdiger Soßdorf

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pad_vorlagenotizennew-B__4c © Ruediger Sossdorf

Wie erst jetzt bekannt wurde, lag für die Gebäude auf Burg Gleiberg bislang keine Baugenehmigung vor. Bei den »Schwarzbauten« handelt es sich um den über 1000 Jahre alten Wohnturm, von dem nur noch die Grundmauern erhalten geblieben sind, die ab 1200 errichtete Oberburg mit dem Bergfried und dem teilweise zerstörtem Wohnpalas sowie die im letzten Viertel des 16.

Jahrhunderts erbaute Unterburg mit Albertus- und Nassauer-Bau.

Die Sache flog auf, als im Juli 2018 im Rahmen einer Gefahrenverhütungsschau seitens der Bauaufsicht des Landkreises Gießen vom Vorstand des Gleiberg-Vereins ein Brandschutzkonzept und eine Baugenehmigung für die Burg verlangt wurden. Da im Mittelalter und in der frühen Neuzeit noch keine behördlichen Genehmigungsverfahren für die Errichtung von Burgen und Schlössern vorgesehen waren, siegte der gesunde Menschverstand. Bauaufsicht und Gleiberg-Verein verständigten sich stillschweigend darauf, dass die am 5. November 2020 erteilte Baugenehmigung für die »Brandschutzertüchtigung der Burg« nachträglich auch für alle oben genannten Gebäude gelten soll. Burg-Chronist Jürgen Leib: »Nach über 1000 Jahren wurde endlich geheilt, was damals von den Grafen von Gleiberg versäumt wurde…«

Bereits 1837 waren die Gleiberger wegen illegaler Bautätigkeit auf der Burg mit der Obrigkeit in Konflikt geraten: Damals gründeten 40 Männer vor allem aus Krofdorf-Gleiberg, Gießen und Wetzlar den »Geselligkeitsverein zur Erbauung einer Treppe im Turm der Schlossruine zu Gleiberg« - den Vorläufer des heutigen Gleiberg-Vereins. Es dürfte die älteste deutsche Bürgerinitiative sein, die sich dem Denkmalschutz widmet. Die ruhmreiche Vereinsgeschichte begann allerdings mit einer unrühmlichen Aktion, nämlich ebenfalls mit einem lupenreinen Schwarzbau auf fremdem Eigentum. Denn die Burg gehörte seit 1816 dem Königreich Preußen, und eine Baugenehmigung hatte man auch nicht. Die wackeren Männer durchbrachen derweil die vier Meter dicken Mauern des Turms für den heute benutzten Eingang und ließen im Krofdorfer Forst Eichen für eine Treppe fällen, die im Turm nach oben führen sollte. Im Juli besuchte der preußische Landrat aus Wetzlar die Burg, bekam einen Wutanfall und verfügte prompt einen Baustopp. Nach längerem Schriftwechsel glätteten sich die Wogen, der Baustopp wurde aufgehoben, die Treppe eingebaut, und im Oktober 1837 konnten die ersten Besucher den Turm besteigen. bf/FOTO: SO

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