Auf kurzweiliger Pilgertour "Zum heiligen Handkäs": Peter Meilinger und Dr. Jutta Failing verleihen der Kostümführung auf Burg Gleiberg eine besonders originelle Note. FOTO: M
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Auf kurzweiliger Pilgertour "Zum heiligen Handkäs": Peter Meilinger und Dr. Jutta Failing verleihen der Kostümführung auf Burg Gleiberg eine besonders originelle Note. FOTO: M

Deibelsspuk und Schwerterklang

  • vonVolker Mattern
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Wettenberg(m). Da hätte der Gleiberg-Verein noch ein gewaltiges Wörtchen mitzureden: Ob man die Burganlage zu einem Pilgerort erklärt - der sie, nebenbei bemerkt, schon lange ist - aber ihr den Namen "Zum heiligen Handkäs" verleiht. Mit Dr. Jutta Failing und Peter Meilinger, den Gießener Stadtführern, sprachen nun zwei Protagonisten diese Idee aus.

Eingebettet in überzeugende Schauspielkunst und als inszenierte Einlage hatte dieser Gag seine belustigende Wirkung auf die Gäste einer besonderen Burgtour. Einer Gleiberger Nachbargemeinschaft der Straße Unter der Burg war es vergönnt, an der ersten Kostümführung teilzunehmen, die bislang aufgrund der Corona-Einschränkungen noch nicht die breite Öffentlichkeit erreichen durfte.

Burggeister darben bei Wurstsuppe

Auf der Basis von 140 Jahren Burggastronomie, auf die man im vergangenen Jahr blickte, hatte Jutta Failing die Idee zu einer solchen Führung und ihr in Abstimmung mit dem Vorstand des Gleiberg-Vereins durch ein Konzept auch Leben eingehaucht. Am Wochenende wurde Premiere gefeiert.

"Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da trank ein Mann drei Tag’ - bis er steif wie ein Besenstiel am Marmortische lag": Jean und Faustina Deibel, Wirtsleute auf Burg Gleiberg in den 1880er Jahren, singen lauthals das alte Studentenlied bei der neuen Kostümführung "Deibelsspuk und Schwerterklang". Die imaginären Figuren sind durch das Unglück der Verkostung einer vergifteten Wurstsuppe zum Dasein als Burggeister verdammt. Sie erzählen bei einem szenischen Rundgang an verschiedenen Stellen innerhalb der Burganlage deren Geschichte, bringen dabei unterwegs so manches zur Sprache: mittelalterliche Persönlichkeiten, Geheimgänge, trinkfeste Studenten, Professoren und allerlei Schabernack. Dabei haben beide - wie schon zu Lebzeiten - eine sehr unterschiedliche Sicht der Dinge. Dadurch ist ein amüsanter Schlagabtausch garantiert, der seine Wirkung auch durch das historische Outfit und die den Originalen sehr nahe kommenden mitgeführten Requisiten bekräftigt. In der Katharinenkirche endete der Rundgang unter strenger Wahrung der Hygienevorschriften. Gerhard Schmidt, der 2. Vorsitzende des Gleiberg-Vereins, hatte eingangs die Teilnehmer begrüßt. Dabei wies er auf die besondere Geschichte der Burggastronomie mit den Pächterfamilien Nibergall und Regelein hin, die zusammen 90 Jahre Gastronomiegeschichte auf der Burg schrieben. Auch der Gastwirteverein wurde vor über 100 Jahren von der Burg aus gegründet. Schmidt wies auch auf die Bedeutung der Pachteinnahme für den Gleiberg-Verein zur Unterhaltung der Burganlage hin und unterstrich die Wichtigkeit des Baudenkmals als Kulisse für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen.

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