Die Teilnehmer werden in das richtige Pflanzen eingewiesen. FOTO: M
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Die Teilnehmer werden in das richtige Pflanzen eingewiesen. FOTO: M

"Bunter Strauß" gegen Klimawandel

  • vonVolker Mattern
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Wettenberg(m). "Mehr Wald - mehr Mensch" steht auf den Jacken der Mitarbeiter des Wettenberger Forstamts. Doch der Wald wird immer mehr zu einem sehr kranken Patienten. Udo Steiger, Förster und Revierleiter im Gemeindewald Wettenberg und seine Kollegin, Försterin Rita Kotschenreuther, wissen das. Beide waren mit ihren Mitarbeitern deshalb im Wißmarer Wald unterwegs, um gemeinsam mit Aktivisten der Ortsgruppen Gießen von Greenpeace und Fridays for Future den Grundstock für eine Wiederbewaldung zu legen.

Intensiver Geruch

Udo Steiger begrüßte sie, insbesondere Niklas Müller, den Gruppenkoordinator von Greenpeace, und freute sich über die Resonanz: Rund 100 waren gekommen, im Alter von zwei bis 70 Jahren, um in zwei Schichten auf einer Brachfläche von 2,5 Hektar einen "bunten Strauß" unterschiedliche Baumarten zu pflanzen, unter anderem 800 Weißtannen. Zudem wurden rund 300 Meter Zaun gebaut, um die zarten Pflänzchen zu schützen, so genannte Hordengatter aus Holz. Genau dies ist die Strategie der Fachleute, um der momentanen klimatischen Situation zu begegnen.

Zuvor hatten Udo Steiger und Rita Kotschenreuther bei einer Veranstaltung im Jokus Gießen in Vorbereitung der Aufforstungsaktion informiert. Allein durch den Temperaturanstieg in den vergangenen beiden Jahrzehnten seien Trockenschäden an den Waldbäumen entstanden, was Borkenkäferbefall und schließlich das Absterben ganzer Bestände zur Folge hatte. Szenarien der Wissenschaftler der Forstlichen Versuchsanstalt sprechen davon, dass die Buche bis 2070 bis zu 50 Prozent ihrer Standorttauglichkeit für die hessischen Wälder verliert, wenn die klimatische Erwärmung fortschreitet. Deshalb laute das Gebot der Stunden: Vielfalt, so Steiger.

Neben der Buche im Mischverhältnis mit der Eiche wurden Hainbuche, Kirsche, Weißtannen, Douglasie und Esskastanie gepflanzt. Dazwischen zwecks Strukturierung wenige Fichten und im Herbst, so der Förster, komme noch die Lärche hinzu. Das Anpflanzen von mindestens vier Baumarten auf einer Fläche mindere das Risiko eines Totalausfalls, wenn eine aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen nicht standhalte.

In kleinen Gruppen, betreut von Forstleuten, ging es auf die Fläche. Solche Aktionen, so der Förster, seien wichtig und hätten nicht vordergründig das Ziel, möglichst viele Pflänzlinge in kurzer Zeit in den Boden zu bringen, sondern einen hohen Identifikationswert mit dem Wald zu schaffen. Nach dem Pflanzen wurden fertige Flächen zum Schutz vor Wildverbiss eingegattert. Dem Schutz der Pflänzlinge diente auch der intensive Geruch. Bei diesem handelte sich um Buttersäure, die vor allem Wildschweine fernhalten soll. Rita Kotschenreuther sprach in diesem Zusammenhang von Generationengerechtigkeit, die mit der Aufforstungsaktion erreicht werden soll. Es wird darüber nachgedacht,, im Herbst die Aktion zu wiederholen.

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