Nachdem Bäume und Sträucher zurückgeschnitten sind, ist das Ausmaß der Schäden besser zu untersuchen. FOTO: SO
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Nachdem Bäume und Sträucher zurückgeschnitten sind, ist das Ausmaß der Schäden besser zu untersuchen. FOTO: SO

1,5 Millionen Euro?

Brückensanierung kommt teuer zu stehen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Brücke im Feld zwischen Gleiberg und Gießen ist wichtig für Landwirte -aber marode und gesperrt. Eine Erneuerung könnte die Gemeinde teuer zu stehen kommen.

Wettenberg(so). Fast 1,5 Millionen Euro teuer könnte eine neue Brücke über die stillgelegte Kanonenbahntrasse im Gleiberger Feld werden. Im schlimmsten Fall jedenfalls. Im Rathaus hofft man, dass sie deutlich günstiger wird. Derzeit laufen die Untersuchungen. Wenn Ergebnisse vorliegen, muss die Politik entscheiden.

Für Individualverkehr gesperrt

Die Brücke verbindet das Gleiberger Feld mit der Gießener Hardt; der Weg führt am Oberen Hardthof vorbei und wird dann in Gießener zur Hugo-von-Ritgen-Straße. Der Weg ist für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Fußgänger, Radler und landwirtschaftlicher Verkehr sind erlaubt. Doch der Belastung durch Traktoren, Anhänger voller Frucht oder Mähdrescher hält die vor rund 150 Jahre errichtete Brücke nicht mehr stand. Zuletzt war sie für Lasten bis sechs Tonnen freigegeben. Vor mehr als zwei Jahren erfolgte dann aus Sicherheitsgründen die komplette Sperrung.

Nicht mehr sicher

Seinerzeit hatte eine Prüfung große Mängel an der Tragkonstruktion aufgezeigt, die nach Einschätzung eines Ingenieurs nicht so einfach zu beseitigen waren. Ergo wurde die Brücke für den Autoverkehr mit dicken Betonpollern komplett dicht gemacht.

Krofdorfer Landwirte, die zu ihren Feldern in Gießener Gemarkung wollen (respektive umgekehrt), müssen seitdem Umwege in Kauf nehmen, entweder über den Wirtschaftsweg beim Krofdorfer Westpark oder gleich über Gießen. Während die angrenzende Brücke, die nur wenige Meter weiter über die Autobahn 480 führt, vom Bund bereits in 2019 saniert worden ist, arbeiten die Wettenberger noch an einer Lösung für ihre Brücke.

Belange der Natur zu berücksichtigen

Den Einschnitt im Gelände einfach zu verfüllen, scheidet aus Naturschutzgründen aus. Die aufgegebene Bahntrasse gilt als wichtiges ökologische Bindeglied und ist in Teilen schon längst unter Schutz gestellt.

Was sind die Alternativen?

Angesichts der Kosten haben die Freien Wähler bereits eine sogenannte Wellstahl-Unterführung ins Spiel gebracht. Doch auch dabei wäre der Eingriff in Natur und Landschaft womöglich erheblich. Das ist derweil noch in der Prüfung.

Ebenso das Sanieren respektive ein Ersatz der Brückenkonstruktion. Um besser untersuchen zu können, ist die stark eingegrünte Brücke dieser Tage erst freigeschnitten worden; gerade noch rechtzeitig vor der Brut- und Setzzeit der Tierwelt.

500 000 Euro sind im Haushalt der Gemeinde in diesem Jahr einkalkuliert, eine weiteren Million könnte im schlimmsten Falle hinzukommen. Bürgermeister Thomas Brunner spricht da von einem "Worst-Case-Szenario" und hofft, deutlich günstiger zu einem Ergebnis zu kommen. Denn anderthalb Millionen Euro für eine Brücke, die zwei Wirtschaftswege verbindet, sind kaum jemandem vermittelbar. Das sieht man auch in der SPD-Fraktion und bei den Freien Wählern so: "Zu teuer", hatte Bernd Schlierbach (FW) erschrocken angesichts der Summe im Haushalt ausgerufen und im November umgehend angeregt, über Alternativen nachzudenken.

Entscheidung steht noch aus

Wenn es zu teuer kommt, die Brücke zu ertüchtigen, dann bestünde auch die Möglichkeit, lediglich einen Steg für Radler und Fußgänger zu bauen und den Landwirten die etwas längeren Fahrtstrecken weiterhin zuzumuten.

Ebenfalls im Blick ist die Brücke an der Gießener Straße am Ortsrand von Launsbach. Auch dieses Bauwerk, das über die gleiche Bahntrasse führt, bedarf einer Generalüberholung.

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