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Die Trompetengruppe des Blechbläsersensembles: (v. l.) Johannes Osswald, Christine Dobmeier und Martin Gierden.

Blasmusik vor historischem Gemäuer

  • VonSascha Jouini
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Wettenberg (jou). »Wir setzen heute eine Herzensangelegenheit von Ilse Bergner um«: So würdigte Ralf Volgmann, der Vorsitzende des Bürgerprojekts Gleiberg, am Sonntag zur Begrüßung der rund 120 Besucher im Hof der Burg Gleiberg das Anliegen der erkrankten Leiterin des Arbeitskreises »Wettenberger Winterkonzerte«, nach der Corona-Pause wieder Musikveranstaltungen anzubieten.

So war das Programm »Blech tanzt« mit dem Blechbläserensemble des Gießener Stadttheaters ein willkommener Ersatz für vier ausgefallene Winterkonzerte.

Gerhard Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Gleibergvereins und Mitinitiator der Konzertreihe, erinnerte, dass die Veranstaltung zu den Wurzeln der Winterkonzerte zurückführte: Vor 33 Jahren fand vor kleinem Hörerkreis das Auftaktkonzert ganz in der Nähe im Gemeindehaus statt - damals noch nicht absehbar, zu welch großem Erfolg die Reihe werden sollte.

Unter der Leitung von Martin Gierden, verstärkt durch die Trompeterin Christine Dobmeier, präsentierten die Blechbläser des Philharmonischen Orchesters vor der spektakulären Freiluftkulisse eine Auswahl von Tänzen diverser Epochen.

Südländische Note

Nostalgische Stimmung zauberte das neunköpfige Ensemble eingangs bei drei »Alten französischen Tänzen« des Renaissancekomponisten Claude Gervaise in den Burghof. In feierlicher Bewegung entfaltete sich die Musik bei der Allemande. Hier wie auch in der Pavane und der »Basse-Danse« gefiel die feine Klangverschmelzung.

Das Gespür des Ensembles für melodische wie harmonische Nuancen bestach gleichermaßen im weiteren Verlauf des Programms. Wie Posaunist und Moderator Alexander Schmidt-Ries hervorhob, hatte das Ensemble alle Stücke selbst arrangiert. Einen Sprung in die Spätromantik machten die Musiker mit drei Tänzen aus Engelbert Humperdincks Oper »Hänsel und Gretel« und achteten darin auf prägnante Akzentuierung.

Südländisches Kolorit faszinierte bei der »Habanera« aus Georges Bizets Oper »Carmen« und beim »Tanz des Müllers« aus Manuel de Fallas Ballettsuite »Der Dreispitz«. Bis ins Detail begeisterte die Gestaltung: Mal ließen die Bläser durch Dämpfereinsatz die Musik klanglich in die Ferne rücken, dann kosteten sie Tempoverzögerungen aus oder schärften dynamische Kontraste. Regelrecht die Fantasie zu beflügeln vermochte der »Arabische Tanz« aus Peter Tschaikowskys »Nusssknacker-Suite«: Der ostinate Posaunen-Rhythmus erinnerte an eine gemächlich dahinschreitende Wüsten-Karawane.

Lateinamerikanischen Vorbildern stand in Leidenschaft und Temperament der »Tango Jealousy« des dänischen Komponisten Jacob Gade nicht nach. Künstlerische Vielseitigkeit und Souveränität selbst in kniffligen Passagen demonstrierte das Ensemble auch bei den Musicalstücken »I could have danced all night« aus Frederick Loewes »My Fair Lady« und »Mambo« aus Leonard Bernsteins »West Side Story«. Für den kräftigen Applaus dankte es mit zwei Zugaben.

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