In Eichenholz gefasst, bleiverglast und beleuchtet, ist jedes der 52 restaurierten Fenster im Nassauer Bau der Burg Gleiberg ein Schmuckstück. FOTO: M
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In Eichenholz gefasst, bleiverglast und beleuchtet, ist jedes der 52 restaurierten Fenster im Nassauer Bau der Burg Gleiberg ein Schmuckstück. FOTO: M

Ein Beleg des Gemeinsinns

  • vonVolker Mattern
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Wettenberg(m). Fenster sollen Licht in Räume lassen und vor Nässe und Kälte schützen. So auch die 52 historischen Fenster im Nassauer Bau der Burg Gleiberg, deren inzwischen abgeschlossene Sanierung dringend erforderlich geworden war, da nicht nur der Zahn der Zeit stark an ihnen genagt hatte, sondern auch energetische Gründe dies erforderten. Außerdem galt es, den Wert insbesondere der bleiverglasten Fenster zu erhalten.

Nunmehr haftet ihnen aber noch eine Besonderheit an. In den Nischen der gedoppelten Kastenfenster des Rittersaals wurde zudem eine indirekte Beleuchtung installiert, deren Wirkung dann besonders zur Geltung gelangt, wenn die Deckenbeleuchtung zurückgenommen wird. Genau das wurde am Ende der Jahresmitgliederversammlung des Gleiberg-Vereins zelebriert und löste bei den Anwesenden regelrecht Entzücken aus.

Vortrag über Burg-Mythen

Begleitet durch Applaus, war dies die Würdigung einer hohen handwerklichen Kunstfertigkeit zweier Gewerke. Reinhold Merte von der Schreinerei Karl-Heinz Merte aus Gladenbach und Jürgen Müller vom Elektrofachbetrieb Valentin in Krofdorf-Gleiberg schafften die Symbiose, deren besonderer Effekt darin besteht, dass die von außen nach innen versetzten bleiverglasten Buntfenster mit ihren eingearbeiteten Wappen in ihrer ganzen Farbenpracht strahlen und den Rittersaal in ein besonders warmes Licht tauchen.

Für 40 der Fenster übernahmen Paten mit je 2500 Euro die Finanzierung und mit zusätzlichen Spenden kamen unterm Strich Einnahmen für diese Maßnahme in Höhe von fast 120 000 Euro zusammen. Da von vorneherein klar war, dass keine Zuschüsse von der Unteren Denkmalbehörde zu erwarten waren, startete der Vorstand eine Offensive und rief die knapp über 600 Mitglieder zu Spenden auf.

In den kühnsten Träumen habe man eine solche Resonanz nicht erwartet, lobte noch einmal Vorsitzender Andreas Kraft diesen bürgerschaftlichen Gemeinsinn. Er sei Beweis für den hohen Identifikationswert der Menschen mit der Burg und ihrer Verbundenheit auch mit dem Gleiberg-Verein und seinem Engagement.

Vor der Einweihung der neuen Fenster, im Anschluss an die Vollversammlung, hatte Dr. Jürgen Leib, Schriftführer im Vorstand und profunder Kenner der Burggeschichte, in einem kurzweiligen Vortrag mit einigen Mythen über Burgbelagerungen aufgeräumt und festgestellt, dass diese durch Ritterfilme made in Hollywood entstanden sind.

Die historische Wirklichkeit sieht völlig anders aus: Burgen wurden auch mal belagert und angegriffen, aber höchst selten. Es waren nicht mehrere Hundert Ritter daran beteiligt. Und Belagerungen dauerten nicht wochen- oder gar monatelang. Für die Burg Gleiberg lassen sich zwei Angriffe innerhalb 650 Jahren nachweisen: 1103 wurde der um 1000 erbaute älteste Wohnturm vom späteren Kaiser Heinrich V. zerstört. 1646 führte Kanonenbeschuss dazu, dass die mittelalterliche Oberburg zur Ruine wurde.

Ein Blick in die Nachbarschaft zur Burg Vetzberg, Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, lässt wissen, dass die Streitsüchtigkeit ihrer Ganerben als Eigentümer, die an fast allen Fehden des ausgehenden Mittelalters im hiesigen Raum beteiligt waren, der Grund für zwei Angriffe in den Jahren 1378 und 1463 war.

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