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Die Launsbacher kämpfen um ihre alte Volksschule.

Unterschriftenaktion

Alte Schule Launsbach: 632 Unterschriften gegen den Verkauf

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Mehr als 600 Bürger haben dafür unterschrieben, dass die alte Schule in Launsbach nicht verkauft wird. Sie soll den Menschen im Dorf erhalten bleiben, fordert eine Bürgerinitiative.

"Die Gemeinde hat so viel Mittel zur Verfügung. Es ist beschämend, dass nichts getan wird, um ein solches Gebäude zu erhalten." Applaus brandete bei den mehr als 100 Besuchern der Bürgerversammlung auf, als Egon Pfaff, ein Ur-Launsbacher, ans Mikrofon trat und das Sanieren der alten Schule in seinem Heimatdorf einwarb.

Auch wenn es nur drei Wettenberg-Dörfer sind - die Launsbacher scheinen sich vorzukommen wie das fünfte Rad am Wagen. Diesen Eindruck vermittelten jedenfalls am Mittwoch Sprecher aus dem Dorf, die in der Bürgerversammlung dafür plädierten, das denkmalgeschützte Gebäude von 1896 im öffentlichen Besitz zu erhalten. Exakt 632 Unterschriften haben sie dafür gesammelt. Eine Bürgerinitiative sieht die Gemeinde in der Verantwortung, das Haus zu bewahren und ganz oder teilweise öffentlicher Nutzung zu überlassen.

Alte Schule Launsbach: Entscheidung ist noch nicht gefallen

Das ist nach wie vor ein gangbarer Weg, denn noch ist nichts entschieden. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Hans-Peter Steckbauer (SPD), hat den Sprechern der Bürgerinitiative angeboten, das Thema in den Fachausschüssen erneut aufzugreifen und mit der BI zu erörtern.

Die BI hat ein Nutzungskonzept vorgelegt, das eine teilweise Vermietung durch die Gemeinde vorsieht. Das Erdgeschoss, so die Vorstellungen von Sprecherin Ingrid Hofmann und ihren Mitstreitern, sollte Vereinen und Gruppen zur Nutzung offenstehen.

Alte Schule Launsbach: Mehrere Angebote liegen vor

Seitens der Kommunalpolitik waren die Weichen vor bald zwei Jahren erst einmal auf Verkauf gestellt worden. Zuerst wurde erfolglos mit dem gewerblichen Mieter des Hauses verhandelt (der inzwischen auch ausgezogen ist). Dann hat die Gemeinde öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben und ein Mindestgebot von 230 000 Euro aufgerufen. Verbunden mit dem Vorgabe, dass ein potenzieller Käufer auch ein tragfähiges Nutzungskonzept vorlegt, das unbedingt den Denkmalschutz berücksichtigt. Bieter-Schluss war am 1. August. Zwei Angebote liegen beim Bürgermeister auf dem Schreibtisch. Zuschläge sind noch nicht erteilt.

Alte Schule Launsbach: Sorge um die alten Bäume

Doch in Launsbach ist man in Sorge - ums Schulhaus und um die beiden mehr als 40 Jahre alten Lindenbäume auf den einstigen Schulhof. Insgesamt misst das Areal mit dem Schulgebäude etwas mehr als 700 Quadratmeter. Die Befürchtung: Dass ein Käufer die Bäume umsägt, um Raum für ein Mehrfamilienhaus zu bekommen.

Derlei Ängste wies Bürgermeister Thomas Brunner zurück: Auch in Launsbach gilt die Stellplatz-Satzung. Und die schreibt zwei Pkw-Stellplätze je Wohneinheit vor. Wenn in der alten Schule zwei Wohnungen entstehen, dann wären das schon vier. Käme ein Mehrfamilienhaus nebenan hinzu, würde es eng. Aber, das musste er einräumen: Theoretisch ist der einstige Schulhof bebaubar - wenn sich die Kommunalpolitik nicht noch entschließt, den Bebauungsplan zu ändern. Brunner will da keine Richtung vorgeben: "Ob der Garten bebaut wird oder nicht, das entscheiden die gemeindlichen Gremien".

Alte Schule Launsbach: Gemeinde sind die Kosten zu hoch

Doch einem Erhalt durch die Gemeinde will der Bürgermeister nicht nähertreten, für öffentliche Zwecke sieht er keinen Bedarf. Die Verwaltungsstelle ist andernorts, es gibt ein Bürgerhaus, es gibt Besprechungsräume in der Verwaltungsstelle, es gibt die Belzgass. Sicher sei es ein Versäumnis der Kommune gewesen, in den vergangenen 50 Jahren keinen Cent in den Erhalt des Gebäudes zu investieren. Aber jetzt, angesichts von Sanierungskosten in einer Größenordnung jenseits von 300 000 Euro, sei man dazu auch nicht bereit. Denn dies sei durch sozialverträgliche Mieteinnahmen nie mehr einzuspielen. Brunner: "Wenn, dann wollen wir einen günstigen Mietzins, wir sind nicht Anbieter von hochpreisigen Wohnungen".

An das Einwerben von Spenden, wie es der Launsbacher Werner Lotz vorschlägt, sei auch noch nicht gedacht worden. Dass die Gemeinde Wettenberg das Vorhaben als nicht ganz arme Gemeinde doch schultern könne, wie Hofmann ihm vorhielt, ließ Brunner denn doch nicht unwidersprochen: Es seien die Steuermittel aller Wettenberger, und vielfach seien denkmalgeschützte Gebäude in Privathand gut aufgehoben. Auch auf die Vorhaltung, die Gemeinde gebe andernorts 450 000 Euro für einen Spielplatz, den geplanten Mehrgenerationenplatz, aus, ging der Bürgermeister nicht näher ein.

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