Abschiedsbrief ans Auto

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Es gibt Menschen, die durch ihre Offenheit, ihre Lebenserfahrung und ihr Wissen wertvolle Gesprächspartner sind. Zu ihnen gehört Anni Wagner aus Krofdorf, die am 4. Januar ihren 100. Geburtstag feierte. "Diese Tatsache stimmt mich einfach nur dankbar, ich fühle mich reich beschenkt", sagte die Jubilarin, die zwar nach einer Operation im frühen Herbst ein wenig an Beweglichkeit eingebüßt hat, sich aber weiter mit Sitzgymnastik in der Senioren-Gymnastikgruppe von Professor Paul Nowacki fit hält.

Es gibt Menschen, die durch ihre Offenheit, ihre Lebenserfahrung und ihr Wissen wertvolle Gesprächspartner sind. Zu ihnen gehört Anni Wagner aus Krofdorf, die am 4. Januar ihren 100. Geburtstag feierte. "Diese Tatsache stimmt mich einfach nur dankbar, ich fühle mich reich beschenkt", sagte die Jubilarin, die zwar nach einer Operation im frühen Herbst ein wenig an Beweglichkeit eingebüßt hat, sich aber weiter mit Sitzgymnastik in der Senioren-Gymnastikgruppe von Professor Paul Nowacki fit hält.

Gerne erinnert sich die Jubilarin an ein Leben mit vielen Reisen mit ihrem Ehemann, Pfarrer Dr. Walter Wagner, der 1994 verstarb, und an Reisen, die sie danach noch allein unternommen hat. Viele Länder wurden besucht. Mit ihrem Ehemann, der das Fliegen nicht mochte, war sie per Bahn und Bus unterwegs. Gerne erinnert sie sich auch an eine gemeinsame Israelreise – auf den Spuren Jesu –, die sie mit ihrem Mann kurz nach dessen Pensionierung unternommen hat. Drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, deren Partner, sechs Enkel und sechs Urenkel ließen es sich nicht nehmen, bei der großen Geburtstagsfeier in der Gaststätte Lava dabei zu sein. Nicht nur Nowacki gratulierte der Mitbegründerin des Senioren-Gymnastikkreises, es war eine bunte Gästeschar zusammengekommen – international geprägt, wohnt die Tochter doch in Paris, die Anna Wagner voriges Jahr besuchte. Geburtstagsgrüße kamen auch von Bürgermeister Thomas Brunner und der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg.

Geboren wurde Anni Wagner in Dortmund, kam aber schon mit sechs Monaten nach Krofdorf in die Heimatgemeinde ihrer Mutter, da ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg in Dortmund Hunger herrschte. Schon mit sieben Jahren verlor sie ihren Vater, der einzige Bruder fiel im Zweiten Weltkrieg. In der Medizinischen Universitätsklinik in Gießen erlernte Anni Wagner den Beruf der Diätassistentin. Die Jubilarin hat jung geheiratet. Ihr Mann führte sie in Großen-Buseck zum Traualtar. Später war Dr. Walter Wagner Studiendirektor am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen. Die Familie wohnte zunächst in der Hauptstraße in Krofdorf. 1954 konnte dann das neue, gemeinsam gebaute Haus in Krofdorf bezogen werden.

Quetschehoingk für Schwiegersohn

Bis zum Alter von 96 Jahren lenkte Anna Wagner ihr Auto noch selbst. "Als das Gefährt plötzlich nicht mehr gehorchte und Probleme bekam, habe ich ihm einen Abschiedsbrief geschrieben und es abgemeldet. Damit waren auch die gerne unternommenen Fahrten in das Biebertaler Hallenbad zu Ende", erzählt die Jubilarin.

Schmunzelnd berichtet sie, die bis heute gerne Hausfrau ist, dass sie noch im vorigen Jahr ihrem französischen Schwiegersohn echten hessischen Quetschehoingk (Pflaumenmus) gekocht hat: "Darauf steht er total", verrät die Jubilarin. (Foto: mo)

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