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Wer des Fränkischen einigermaßen mächtig ist, der kommt beim Auftritt von "Gankino Circus" voll auf seine Kosten.

Ein Abend voller Selbstironie

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Wettenberg (usw). Nichts hat gefehlt bei der Eröffnung des Kultursommers Mittelhessen am Sonntag: Burg Gleiberg lag im Sonnenschein, der Auftritt der Gruppe "Gankino Circus" war ein voller Erfolg, jede Menge Zuschauer waren gekommen, darunter auch Angela Dorn, Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Vor allem aber war das Publikum rundum zufrieden.

"Ich bin begeistert von dieser Gruppe", sagte auch Kultursommer-Geschäftsführer Frank Dauer. Und: "Uns hat schon lange kein Staatsminister mehr besucht. Ich empfinde Frau Dorns Besuch als Anerkennung unserer Arbeit."

Die konsequent in fränkischem Dialekt parlierenden Musiker waren in der Besetzung Ralf Wieland (Gitarre), Simon Schorndanner (Saxofon, Flöte), Maximilian Eder (Akkordeon) und Johannes Sens am Schlagzeug angetreten, was zunächst mal nach einer Jazzcombo aussah. Ihr wunderbar verträumtes, ja meditatives Intro schien auch in diese Richtung zu deuten. Bis sie dann zu einem großen Druck fanden, und der war durchaus klezmerisch und jazzig. Was sie wiederum in tänzerischen Schwung umwandelten, einen schnellen Schuhplattler - wenn man sich das vorstellen kann.

Beim "Circus" musste man auf so einiges gefasst sein, die Truppe sprudelte über vor Einfällen und Spiellust. Und dann war da noch die Textebene. "Wir möchten Ihnen heute Volksmusik und ein paar Geschichten aus unserer Heimat Ostfranken vorstellen", sagte Wieland eingangs. Die Band führte sich konsequent wie eine Handvoll beschränkter Ländler auf und machte sich planmäßig zum Affen, karikierte sich dabei allerdings konsequent selbst - ein großer Spaß. Sofern man des Fränkischen einigermaßen mächtig war zumindest. Dann genoss man die sprachlich sehr geschickte ironische Selbstdarstellung sehr, die mit Slapstickelementen und anekdotischem Witz gespickt war.

Eine erste ekstatische Phase begann mit "Hat sich denn der Wirt erhängt, weil er uns kein Bier mehr schenkt", in dem die Band ihre Fähigkeit zu überhöhter Geschwindigkeit demonstrierte. Im Liebeslied "Marie" fiel dann das hochpräzise Fließen auf, in dem die durchgehend hohe Kompetenz der Band deutlich wurde (guter Ton und Licht von Flashlight).

Außer über sich selbst, machten sich die Franken auch noch ein bisschen über andere Leute und Völker lustig, Florian Silbereisen etwa. Den ließen sie in einer Anekdote in ihre Stammkneipe "Heilige Gans" in Dietenhofen irgendwo tief im Fränkischen einlaufen. In der Story hieß er dann der "Kurgast-Flori" und flugs folgte ein Dialog mit ihm. Zum Schießen war das, vielleicht noch übertroffen von der Erklärung darüber, wie die griechische Volksmusik und ihr typischer Trillerklang entstanden ist: "Alles in einem Tonstudio aufgenommen mit ner deutschen Bohrmaschine." Die Griechen hörten natürlich was anderes. Und dann nahm Gitarrist Wieland eine Bohrmaschine zur Hand und entlockte seinem Instrument genau den Klang, von dem er erzählt hatte. Die Zuschauer applaudierten nach diesem Abend voller Witz und höchster Musikalität ausdauernd und heftig - ein tolles Konzert.

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