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Udo Steiger und Ralf Jäkel (v. l., im Vordergrund) schärfen den Blick für die Problemlagen.

2070 wird Buche Rarität sein

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Wettenberg (m). Dem Wald geht es derzeit nicht gut. Aber heißt es auch hier "Totgesagte leben länger"? Eine Antwort darauf konnten die Fachleute von Hessen Forst während des Waldbegangs des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr nicht vollends geben. Dazu sind die Zusammenhänge, in Verbindung mit dem weltweiten, durch Menschen verursachten, Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen, zu komplex; Prognosen bleiben schwierig.

Mit 1200 Hektar Gemeindewald ist Wettenberg eine der waldreichsten Kommunen im Landkreis. Bedrückend die Stimmung bei den rund 30 Teilnehmern. Der kommissarische Leiter des Forstamtes Wettenberg, Ralf Jäkel, erklärte, dass niemand mit der Zunahme des Schadensbildes gerechnet habe. Die Szenarien seien schockierend, ergänzte Revierförster Udo Steiger. Wenn 180-jährige Eichen kränkeln, ganz zu schweigen von den schon lange zu beobachtenden Absterbeerscheinungen der Buche, dann tut dies den Forstleuten im Herzen weh. "Vor knapp 200 Jahren wurde dieser Wald gepflanzt, hat einiges er-, durch- und überlebt und noch vor zwei Jahren konnte man sagen, dass aufgrund der Pflege von Förstergenerationen, er dabei war, sich zu verjüngen und seine guten Anlagen weiterzugeben", sagte Steiger. "Diese Hoffnung muss inzwischen der Erkenntnis weichen, es mit einem schwer kranken Patienten zu tun zu haben."

Hoffnungsträger Esskastanie

Steiger und Jäkel sprachen an einem Pflanzgatter von Risikostreuung: Innerhalb der umgatterten Fläche wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Baumarten gepflanzt. Ein Test der positiv stimme, weil durch diese Vielfalt Hoffnung bestünde, dass sich zumindest eine oder im günstigsten Falle auch mehrere dieser neuen Baumarten, wie beispielsweise die Kirsche, Esskastanie und Eberesche, mit dem klimatischen Veränderungen arrangieren könne.

Die Buche, sagte Steiger, werde in einem halben Jahrhundert verschwunden sein. Sie habe einen wesentlich höheren Wasserbedarf als die Eiche. Die Gatter dienen dem Verbissschutz, in erster Linie vor dem sehr wählerischen Rehwild. Erst nach 10 bis 15 Jahren können man die Gatter entfernen. Dann beginne aber die Gefahr, dass die jungen, erstarkten Bäume durch Rotwild Schaden nehmen könnten, so der Revierförster. Er forderte in diesem Zusammenhang, durch Bejagung für einen angepassten Wildbestand zu sorgen. Die Wiederaufforstung nach den schweren Stürmen der vergangenen Jahre war ein weiteres Thema.

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