Wettenberg investiert weiter

  • Rüdiger Soßdorf
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Fast sechs Millionen Euro sollen im kommenden Jahr in den Wettenberg-Dörfern investiert werden. Bürgermeister Brunner geht sogar von steigenden Steuereinnahmen aus.

Die Corona-Krise geht an den Wettenberger Gemeindefinanzen fast spurlos vorüber - zumindest auf den ersten Blick. Der Etat fürs kommende Jahr, den Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) am Donnerstag in der Gemeindevertretung vorgelegt hat, bleibt ausgeglichen. Die geplanten Investitionen klettern auf ein Rekordniveau von fast sechs Millionen Euro. Zauberei, während andernorts wegen wegbrechender Steuereinnahmen geächzt wird?

Mitnichten. Sondern das Ergebnis harter Arbeit, sagt Brunner mit Blick auf den knapp 26 Millionen Euro mächtigen Haushalt, der sogar einen Überschuss von 200 000 Euro ausweist und sich in Summe auf dem Niveau wie 2020 bewegt.

Dabei sind die Veränderungen im Detail teils doch beträchtlich: Die Personalkosten klettern um knapp 700 000 auf mehr als 8,8 Millionen Euro. Vornehmlicher Grund: Der Ausbau der Kinderbetreuung. Da werden 6,9 Erzieherinnen-Stellen neu geschaffen, um unter anderem die zwei Krippengruppen in Launsbach zu eröffnen. Auch die Kreis- und Schulumlage fällt in Euro und Cent höher aus. Das Geld musste an anderen Positionen eben eingespart werden.

Ganz ohne neue Schulden wird es aber womöglich nicht gehen: Ende des Jahres 2021 wird der Schuldenstand der Gemeinde voraussichtlich bei 8,2 Millionen Euro liegen und damit um 880 000 Euro höher als 2019. Aber: Nicht eingepreist sind bislang die beantragten, aber noch ausstehenden Zuschüsse des Landes für den Hochwasserschutz in Wißmar und für die Kita-Neubauten in Launsbach und Krofdorf-Gleiberg. Kommt da noch Geld vom Land, dann sieht es ohnehin besser aus für die Gemeinde. Brunner spricht von einem "grundsoliden Haushalt", den er im Januar 2022 an seinen Nachfolger übergeben könne. Zumal in der Rücklage 10,3 Millionen Euro vorhanden sind.

Steuern bleiben unverändert

Das macht es der Wettenberger Kommunalpolitik wohl auch leicht, die Steuern nicht zu erhöhen: Die Grundsteuer für bebaute Grundstücke bleibt bei 380 Prozentpunkten, während der Durchschnitt im Kreis da bereits 458 Prozentpunkte erreicht hat. Auch die Gewerbesteuer ist mit 380 Prozentpunkten unterdurchschnittlich (Schnitt 395).

Wobei trotzdem ordentlich Geld in die Kasse kommt: Jedes Jahr werden es etwa 25 Unternehmen mehr, die in Wettenberg ansiedeln. Deshalb prognostiziert Brunner für 2021 gar fünf Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen (gegenüber 4,7 Millionen in diesem Jahr). Und spricht von einer "überdurchschnittlichen Infrastruktur bei unterdurchschnittlichen Steuern" als Ergebnis einer soliden Finanzpolitik der letzten elf Jahre, gepaart mit konsequenter Ansiedlung hochwertiger Unternehmen bei zugleich stabiler Bevölkerungsentwicklung. Der Bürgermeister appellierte an die Parteien, an diesem Kurs ungeachtet anstehender Wahlen festzuhalten.

Was bei den geplanten Investitionen herausragt, das ist der Neubau der Kita Finkenweg in Krofdorf. Neben den fürs kommende Jahr vorgesehenen zwei Millionen Euro sind für 2022 weitere 3,25 Millionen Euro geplant, um mit dem Neubau von vier auf sechs Betreuungsgruppen zu kommen. Am 18. Dezember soll ein Preisgericht über die in einem Architektenwettbewerb vorgelegten Entwürfe entscheiden. Gleich zu Jahresbeginn 2021 soll der Bauantrag auf den Weg gebracht werden.

Der "Finkenweg" wird nach dem Wiesenhaus in Wißmar der zweite Kindergarten sein, den die Gemeinde Wettenberg komplett neu baut. Alle anderen Einrichtungen sind in den vergangenen Jahren saniert oder erweitert worden. Die nächste Kita, die dann wieder in den Fokus rückt, ist der "Pfiffikus" im Lollarer Weg in Wißmar; die älteste Kita in der Gemeinde.

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