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Lange Wartelisten für Schwimmkurse im Kreis Gießen: „Werden regelrecht überlaufen“

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Von: Susanne Riess

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Sicher schwimmen zu können ist wichtig. Doch wer derzeit auf einen Platz in einem Schwimmkurs wartet, braucht viel Geduld. Die Wartelisten sind lang.
Sicher schwimmen zu können ist wichtig. Doch wer derzeit auf einen Platz in einem Schwimmkurs wartet, braucht viel Geduld. Die Wartelisten sind lang. © DPA Deutsche Presseagentur

Fast eineinhalb Jahre lang kam der Schwimm- und Wassersport durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nahezu zum Erliegen. Die Auswirkungen treffen insbesondere Kinder und Jugendliche, viele können gar nicht oder nicht sicher schwimmen. Wer derzeit auf einen Platz in einem Schwimmkurs wartet, braucht viel Geduld und einen langen Atem.

Gießen - Was vor der Pandemie schon ein großes Problem war, hat sich durch die Schließung von Schwimmbädern während des Lockdowns noch verschärft. »Corona hat große Lücken hinterlassen, derzeit werden wir mit Schwimmkursen und Anfragen regelrecht überlaufen«, schildert Michael Schad, Schwimmmeister im Biebertaler Familienbad und hessischer Geschäftsführer im Bundesverband seiner Zunft, die aktuelle Situation. Allein in Biebertal hätten alle Beteiligten, darunter Vereine und Schwimmschulen, in den vergangenen drei Monaten 402 Kindern das Schwimmen beigebracht. Mehr als 180 Kinder stünden aktuell auf der Warteliste. Um die Listen überhaupt abarbeiten zu können, müssten viele Schwimmkurse derzeit während des laufenden Badebetriebs stattfinden. »Das sind natürlich keine optimalen Bedingungen«, sagt Schad.

Warum die Nachfrage nach einem Platz im Schwimmkurs so hoch ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: »Wir gehen davon aus, dass allein im ersten Jahr der Pandemie rund 75.000 Kinder in Hessen das Schwimmen nicht erlernen konnten«, sagt Schad und stützt sich dabei auf eine Erhebung der DLRG. Hinzu kämen unzählige weitere Kinder, die noch unsicher im Schwimmen seien.

Das Bädersterben und der akute Fachkräftemangel sorgten dafür, dass sich das Problem in Zukunft weiter verschärfen würde. Allein in Kreis und Stadt Gießen hätten aufgrund von Corona vier oder fünf Schwimmschulen schließen müssen.

Kreis Gießen: Immer weniger sichere Schwimmer - Eltern sollen Initiative ergreifen

»Auch das Schwimmen in der Schule ist heute nicht mehr das, was es einmal war«, erläutert der Schwimmmeister. »Früher waren die Kinder fast alle auf einem ähnlichen Stand und konnten gemeinsam in ihren Schwimmkompetenzen gestärkt werden. Heute gibt es meist zwei Gruppen in einer Klasse. Die einen, die bereits schwimmen können, und die anderen, die am Beckenrand hocken und erstmal an das Wasser gewöhnt werden müssen«. Es bestehe die konkrete Gefahr, dass die ohnehin schon niedrige Zahl sicherer Schwimmer bei Kindern, die die Grundschule verlassen, in den nächsten Jahre noch deutlich sinke.

Mit der Initiative »Hessen lernt schwimmen« soll dieser negativen Entwicklung entgegen gewirkt werden. Das Herkules-Projekt ist eine Kooperation der Spitzenverbände des Schwimmsports in Hessen und der Landesregierung, die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Volker Bouffier übernommen. »Ziel ist es, mehr Bäder und Vereine aufzufordern Schwimmkurse anzubieten, um so die Nichtschwimmer-Quote im Land zu verringern«, macht Schad deutlich. Belohnt wird das Engagement mit Zertifikat, Urkunde und Hinweistafel, die im Bad angebracht werden kann. Für Mitte Mai sei eine großangelegte Werbekampagne geplant, um möglichst viele Bäderbetreiber mit ins Boot zu holen. Bis diese Arbeit Früchte trägt, kann es allerdings noch dauern.

Gerade weil Wartelisten für einen Schwimmkurs aktuell überfüllt sind, sollten auch die Eltern häufiger die Initiative ergreifen, und mit ihren Kindern zusammen ins Schwimmbad gehen, appelliert Michael Schad. »Verantwortung und Erziehung werden heutzutage leider oft auf andere abgewälzt. Eltern sollten ihre Kinder ermutigen und Vorbild sein. Nicht bloß am Beckenrand stehen und Kommandos geben.« (Susanne Riess)

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