Kreisschulsprecher Christoph Bonarius. FOTO: PM
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Kreisschulsprecher Christoph Bonarius. FOTO: PM

"Wer vorher schon Probleme hatte, hat sie jetzt noch mehr"

  • vonLena Karber
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Gießen(lkl). Es wird viel über die Situation an den Schulen gesprochen - aber wenig mit Schülern. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußert sich Kreissschulsprecher Christoph Bonarius (16) zu den aktuellen Maßnahmen.

Ab heute sollen die Schüler möglichst zu Hause bleiben. Begrüßen Sie diese Entscheidung?

Ja, zumal die Schüler, die zu Hause nicht betreut werden können, regulär bis Freitag in die Schule gehen können. Dass die Entscheidung jetzt bei den Familien und Schülern liegt, ist ein wichtiger und richtiger Schritt für ein sicheres Weihnachten.

Haben Sie sich in den vergangenen Wochen in der Schule sicher gefühlt?

Man ist so in die Schule gegangen, wie man aktuell auch in den Supermarkt geht: Jeder trägt eine Maske und man versucht, so gut es geht, Abstand zu halten. Als noch alle im Präsenzunterricht waren, ging das nicht. Da war das Unverständnis darüber, Schulter an Schulter in kleinen Klassen zu sitzen, groß. Aber beim Übergang in den Wechselbetrieb ist die Angst davor, in die Schule zu gehen, bei den meisten zurückgegangen. Die Situation war zuletzt viel entspannter.

Stichwort Digitalisierung - wie gut klappt das Homeschooling hierzulande?

Das ist recht unterschiedlich. An vielen Schulen haben die Schüler eine Einweisung in das System bekommen, in das die Aufgaben hochgeladen werden, als noch alle in der Schule waren. Allerdings gab es auch Schulen, wo gar nichts erklärt wurde und die Lehrer unterschiedliche Plattformen genutzt haben. Das hat für Verwirrung gesorgt, ist aber mit der Zeit besser geworden.

Waren die Schulen in Puncto Digitalisierung schlecht vorbereitet?

Ich denke, man hätte die Lehrkräfte mehr auf die digitalen Möglichkeiten vorbereiten können, damit sie bei Bedarf nicht komplett überfordert sind. Als es im Frühjahr den Lockdown gab, hatten wir zum Teil gar keinen Kontakt mehr mit den Lehrern. Fast ein halbes Jahr lang gab es sehr wenige Aufgaben.

Klappt das mittlerweile?

Die meisten Lehrer kommen mit den Programmen echt okay klar. Es gibt nur teilweise Probleme damit, wie die Aufgaben gestellt werden. In manchen Nebenfächern werden zum Beispiel extrem viele Aufgaben vergeben. Und dann gibt es Lehrer, die etwas aufgeben, das bis zum nächsten Tag abgegeben werden muss. Wenn man die E-Mail erst am Abend sieht, ist ganz schnell der Abend oder auch die Nacht weg. Für uns Schüler ist es am angenehmsten, mit Wochenplänen zu arbeiten.

Wie kommen lernschwächere Schüler damit klar?

Jemand, der vorher schon Probleme in der Schule hatte, hat durch die Corona-Pandemie meist noch mehr Schwierigkeiten, weil es viel um selbstorganisiertes Lernen geht. Es kommt aber auch darauf an, wie engagiert der Lehrer ist - ob er nachfragt, was los ist oder ob er einfach eine schlechtere Note gibt.

Muss der Lehrer bei geteilten Klassen nicht alles doppelt erklären?

Wenn ein neues Thema angefangen wird, machen manche Lehrer eine Videokonferenz und leiten kurz in das Thema ein. Und manche Themen kann man sich auch selbst erarbeiten. Aber gerade bei neuen Themen in Mathematik kann das sein. Besonders kritisch ist das, weil wir in diesem Schuljahr eigentlich die Versäumnisse aus dem vergangenen aufholen müssten, was durch das Tempo im Distanzunterricht aber nicht wirklich realisierbar ist.

Was würden Sie sich für die Zeit nach den Ferien wünschen, was müsste sich noch verbessern?

Der Informationsfluss von den Schulleitungen. Es ist notwendig, dass man als Schüler informiert wird, wenn es Corona-Fälle gibt. Manchmal bekommt man über mehrere Ecken mit, dass jemand in der Stufe Corona hatte. Oder ein anderes Beispiel: Die Schulleitungen geben zwar eine Stellungnahme heraus, aber man bekommt kein Update.

Präsenz-, Wechsel- oder Distanzunterricht, was bevorzugen Sie?

Je nach Infektionslage. Aber es sollte wirklich das letzte Mittel sein, die Schulen wieder komplett zu schließen.

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