Sämtliche Seniorenzentren im Kreis sind in diesen Tagen adventlich geschmückt. Doch es gibt auch Einrichtungen, die gänzlich auf weihnachtliche Veranstaltungen verzichten. SYMBOLFOTO: DPA
+
Sämtliche Seniorenzentren im Kreis sind in diesen Tagen adventlich geschmückt. Doch es gibt auch Einrichtungen, die gänzlich auf weihnachtliche Veranstaltungen verzichten. SYMBOLFOTO: DPA

Wenn Weihnachten im Heim ausfällt

  • vonStefan Schaal
    schließen

Für viele Senioren in Pflegeheimen im Kreis stehen triste Feiertage bevor. In Einrichtungen, in denen das Corona-Virus wütet, ist Besuch verboten. Vom Feiern daheim mit Kindern und Enkeln raten die Leiter der Seniorenzentren ab. Doch einige Heime finden kreative Wege, um für Besinnlichkeit zu sorgen.

Die Zeit des Friedens, des Zusammenseins mit der Familie und der Besinnlichkeit ist angebrochen. Im Seuchenjahr aber ist alles anders - auch in den Seniorenzentren. In Pflegeheimen des Gießener Lands, in denen das Corona-Virus wütet, gilt Besuchsverbot. Und wer sich aus der Einrichtung abholen lässt, um das Weihnachtsfest im Kreis der Kinder und Enkel zu verbringen, dem drohen anschließend zwei Wochen Quarantäne.

Auf die Frage, welche Veranstaltungen zu Weihnachten in der Senioren-Residenz in Annerod geplant sind, antwortet Andreas Lutz, der Leiter der Einrichtung, kurz und knapp. "Ergotherapie", sagt er. "Gruppentherapie muss wegen Corona ausfallen." An eine Weihnachtsfeier sei nicht zu denken. Besinnlichkeit werde schwerlich im Seniorenzentrum aufkommen. "Die Stimmungslage ist angespannt."

Die Zahl der Besuche pro Woche sei vor dem Hintergrund der Pandemie auf zwei beschränkt. "Angehörige müssen sich außerdem einem Schnelltest unterziehen", erklärt Lutz.

Doch dürfen Bewohner zum Fest auch nach Hause zu ihren Familien? Auf Nachfrage in mehreren Pflegeheimen raten Einrichtungsleiter davon ab.

Man könne das den Bewohnern nicht verwehren, erklärt Bianca Krell von der Alloheim-Seniorenresidenz "Haus Staufenberg". Der anschließende Aufwand sei aber sehr groß, betont Bernd Klein, Leiter des Oberhessischen Diakoniezentrums, das drei Seniorenzentren mit 237 Bewohnern in Lich, Hungen und Laubach betreibt.

"Wir verpflichten die Angehörigen, dass die Senioren mit einem negativen Corona-Test zurückkommen", sagt Krell. "Wir empfehlen den Senioren nicht, die Feiertage bei der Familie zu verbringen." Denn nach dem Test drohen Bewohnern von Pflegeheimen 14 Tage Isolation, bis das Ergebnis feststeht.

"Die Familien müssen wissen, was sie tun", sagt Matthias Barho, Geschäftsführer der Gesellschaft für diakonische Altenhilfe, die das Seniorenzentrum in Linden betreibt. In dem Pflegeheim haben sich in den vergangenen Wochen mehr als 70 Bewohner und Pflegekräfte mit dem Corona-Virus infiziert, es gab mehrere Todesfälle.

Am gestrigen Mittwochnachmittag fand in dem Seniorenzentrum eine Weihnachtsveranstaltung statt. Die Bewohner lauschten Gedichten und Liedern wie "O du fröhliche". Sie saßen allerdings nicht singend und lachend beisammen, sondern nahmen allein in ihren Zimmern auf Stühlen oder ihrem Bett Platz, die Veranstaltung wurde per Lautsprecher in die Räume übertragen.

In der Einrichtung der AWO in Lollar und in Staufenberg, wo es bisher keinen Corona-Fall gegeben hat, werden die Senioren in ihren Wohngruppen zusammenkommen. Das Pflegeheim sei festlich geschmückt, berichtet Krell. Es werde eine Wurstplatte und Glühwein geben. "Für die Männer gibt es Bier, für die Frauen ein Sektchen." Einem bestellten Musiker habe man zum Schutz vor Corona abgesagt. Ähnlich wird es in den Einrichtungen des Oberhessischen Diakoniezentrums gehandhabt, berichtet Klein. In Hungen allerdings, wo die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 350 überschritten hat, sei vorerst kein Besuch zugelassen.

Klein berichtet, er fühle sich vom Landkreis unterstützt. "Die Landrätin informiert die Pflegeheime regelmäßig auf Videokonferenzen." Die Initiative, einen kreisweiten Pool an Pflegekräften insbesondere für Heime einzurichten, denen wegen Corona-Ausbrüchen die Mitarbeiter ausgehen, stößt allerdings auch auf Skepsis. Bisher werde zu wenig und zu langsam informiert, sagt Lutz, Leiter der Alloheim-Einrichtung in Annerod. Barho betont, grundsätzlich sehe man den Vorstoß positiv. Nach einem Aufruf um Hilfe und Unterstützung wegen der vielen Corona-Fälle in dem Seniorenzentrum in Linden habe man viele Antworten erhalten. Am Ende habe man aber eher wenige tatsächliche Kräfte gewinnen können. "Mal schauen, wer sich für diesen Pool des Landkreises nun meldet", sagt Barho. Es gestalte sich auch schwierig, Menschen, die nur eine Woche aushelfen wollen, von ihren Arbeitgebern zu entbinden. Sein Eindruck ist: Das Angebot an Pflegekräften sei weitgehend erschöpft. "Der Markt ist leer."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare