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In Kleingruppen drehen die Kinder bei den Ferienspielen in Staufenberg kurze Videos über Kinderrechte.

Wenn sich Kinder Gehör verschaffen

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Welche Rechte haben Kinder überhaupt? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Ferienspiel-Angebots »Wir drehen einen Film!« in Staufenberg. Herausgekommen sind kurze Szenen mit eigenen Geschichten und selbst erarbeiteten Dialogen.

Dass »das Recht auf gutes Wetter bei den Ferienspielen« nicht zu denen gehört, die in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen festgeschrieben sind, ist den Teilnehmern der Staufenberger Ferienspiele gleich klar - und das nicht nur, weil es im Hintergrund donnert und sich die Natur offenbar nicht daran halten will. »Aber welche Rechte habt ihr denn dann?«, fragt Sven Iffland, der Leiter des Kinder- und Jugendbüros, die Kinder, die sich auf den Außengelände der Stadthalle versammelt haben, um einen eigenen Film zu drehen.

Iffland will ihnen zwischen Spiel und Spaß auch etwas vermitteln. »Wir haben den Eindruck, dass viele Kinder gar nicht so genau wissen, was sie für Rechte haben - und die Erwachsenen wissen das zum Teil auch nicht«, sagt er. »Deshalb ist es höchste Zeit, ein Filmprojekt dazu zu machen.«

Die Idee für das Angebot, das es in Staufenberg in diesem Jahr erstmals gibt, stammt von Shatha Alshoufi, die über das EU-Programm »Europäisches Solidaritätskorps« ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Staufenberger Jugendpflege absolviert und Vorerfahrungen mit dem Schneiden von Videos hat. Das sieht man beim Blick auf die Ergebnisse der Gruppe aus der Vorwoche: In musikalisch untermalten, geschickt zusammengeschnittenen Videos von etwa 15 bis 60 Sekunden werden anhand von szenischen Darstellungen Kinderrechte dargestellt, etwa das Recht auf Gleichberechtigung. Die Jungs, die in dem Video ein Mädchen vom Fußballspiel ausgrenzen, lenken schließlich ein. Im Abspann wird dann Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention zitiert, der eine Diskriminierung ausschließt, zum Beispiel wegen des Geschlechts.

Für die zwölf Teilnehmer der zweiten Produktionsgruppe gilt es indes, erst einmal herauszufinden, welche Rechte Kinder überhaupt haben. »Gut versorgt zu werden und genug zu Essen zu bekommen, bis sie satt sind«, ist das erste Recht, das einer der Jungs nennt. Und zwar im besten Fall nicht nur Tiefkühlpizza, fügt Iffland hinzu.

Damit gehört das Recht auf Gesundheit neben dem Recht auf Bildung und dem Verbot von Kinderarbeit zu den ersten Rechten, die den Kindern einfallen. Weniger bekannt scheinen hingegen das Recht auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung oder das Recht auf Berücksichtigung des Kinderwillens, die daher bei den anschließenden Filmprojekten hoch im Kurs stehen. In Zweier- bis Vierergruppen einigen sich die Kinder darauf, welches Recht sie thematisieren wollen, entwickeln eine Geschichte, entwerfen Dialoge und dürfen ihrem Betreuer sagen, wie er das Ganze filmen soll.

»Wir haben kein Produkt im Kopf, das am Ende herauskommen soll, sondern lassen den Kindern freie Hand«, sagt Iffland. Das sei anders als es die Kindern aus der Schule oder von anderen Angeboten gewöhnt seien. »Und genau das rechnen sie uns am Ende hoch an«, beschreibt er das Feedback, das die Jugendpflege bislang erhalten hat.

Damit die Botschaft klar wird, ist allerdings »leichtes Nachsteuern« erlaubt. Dass der Papa im Film einer der Gruppen verlangt, dass der Sohn nach den Hausaufgaben für eine Deutscharbeit lernt statt auf den Spielplatz zu gehen, ist schließlich noch kein Verstoß gegen ein Kinderrecht. »Aber wenn der Papa denkt, dass das Kind in jedem Fach eine eins mit nach Hause bringen muss, und sich deshalb nie erholen darf, ist das blöd«, bringt es einer der Darsteller auf den Punkt.

Eine andere Gruppe macht in ihrem Film darauf aufmerksam, dass Kinder in Angelegenheiten, die sie betreffen, ein Mitspracherecht haben. Wenn die Stadt einen Spielplatz abreißt, aber andere Möglichkeiten da sind, ist das kein Verstoß. Aber wenn es sich um den einzigen Spielplatz handelt, ist die Situation schon kritischer. Im Film verschaffen sie sich daher Gehör.

Auch das Recht auf gutes Wetter bei den Ferienspielen wird am Ende nicht gebrochen, denn das Gewitter verzieht sich und die zweitägige Veranstaltung kann wie geplant stattfinden - so wie bislang alle Staufenberger Angebote bis auf eines, das laut Iffland im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist. »Wir sind leider nach wie vor gezwungen, alles draußen zu machen und das bei dem wechselhaften Wetter«, sagt er. Aber für die Kinder sei es »ein bisschen Normalität« und eine Möglichkeit, neue Freunde zu finden - so wie in anderen Jahren auch.

Einen Unterschied hat Iffland allerdings doch festgestellt: die Kondition der Kinder habe deutlich nachgelassen, sagt er. Das habe das Angebot »Mr. X Verfolgungsjagd«, ein Fangspiel in ganz Staufenberg, gezeigt. »Man merkt, dass die Kinder in sportlicher Hinsicht eine lange Pause hatten«, sagt Iffland. Daher sei es wichtig, dass es nun auch im Bereich Bewegung spezielle Förderprogramme gebe.

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