Wenn die Firma pleite geht

  • vonred Redaktion
    schließen

Laut der jüngsten Statistiken ist die Zahl der Insolvenzen im Kreis Gießen leicht gestiegen und liegt damit nicht im bundesweiten Trend. Insgesamt 109 Arbeitnehmer waren zuletzt von Firmenpleiten im Gießener Land betroffen.

Die Binnennachfrage brummt, die Wirtschaft floriert, aber trotzdem überlebt nicht jeder im Wettbewerb: Bundes- und auch landesweit gab es zuletzt weniger Firmenpleiten. Im Kreis Gießen sieht der Trend anders aus: Laut der neuesten Statistiken aus dem Jahr 2018 ist die Zahl der Insolvenzen leicht gestiegen.

Im Gießener Land notierten die Gerichte 2018 40 Insolvenzanträge. 2017 waren es noch 36 gewesen. Allerdings, sagt jene Zahl nichts über die betroffenen Arbeitsplätze aus. Während die Zahl der Insolvenzen nämlich gestiegen ist, ist die der betroffenen Arbeitsplätze trotzdem gesunken.

Dennoch wird das die Gläubiger der Unternehmen, die bis zum Jahreswechsel 2018/2019 ihre Zahlungsunfähigkeit feststellen ließen, wenig trösten: Insgesamt hatten sie festgestellte Forderungen von zwölf Millionen Euro gegen die Insolventen im Gießener Land. Geld, das wohl größtenteils verloren ist.

Auf Landesebene ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im gleichen Zeitraum um 54 gesunken. In Hessen meldeten 1 403 Unternehmen und Unternehmer im Jahr 2018 Insolvenz an. Bei 487 davon klappten die Richter den Aktendeckel aber rasch wieder zu: Diese Verfahren wurden mangels Masse abgewiesen. Im Kreis Gießen betraf das insgesamt neun Unternehmen.

"Mangels Masse" heißt es im Amtsdeutsch, wenn nicht genug Geld da ist, um die voraussichtlichen Kosten des bevorstehenden Insolvenzverfahrens zu bezahlen.

Bei 31 Unternehmen im Kreis Gießen wurde das Verfahren schließlich eingeleitet, es kam also zur "geordneten Insolvenz". Überprüft wird in diesem Verfahren im Wesentlichen, ob "Zahlungsunfähigkeit" und/oder "Überschuldung" vorliegt. Der Schuldner zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen.

Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt.Dabei spielt immer auch eine Rolle, wie groß der Schaden für die Gläubiger ist, denn häufig kommt es durch hohe Insolvenzschäden zu Folgepleiten.

11,99 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Landesweit geht es bei den Verbindlichkeiten der betroffenen Firmen um rund 0,81 Milliarden Euro (im Jahr 2017 waren es 0,66 Milliarden Euro). Die hiesigen Insolventen sind daran mit 11,99 Millionen Euro (2017: 7,51 Millionen Euro) beteiligt. Das sind also im Vergleich 4,482 Millionen Euro mehr Forderungen als im Vorjahr, was für die Wirtschaft als schlechte Nachricht zählt.

Die Existenzen von Unternehmen, Unternehmern und Selbstständigen sowie die Verluste für die Gläubiger sind aber nur eine Seite der Medaille. Die andere sind die Arbeitsplätze und Existenzen von Beschäftigten. Im Kreis Gießen waren bis Ende 2018 insgesamt 109 Arbeitsplätze von Insolvenzverfahren betroffen, 49 weniger als im Jahr davor. Landesweit betraf es 5 156 Beschäftigte (2017: 6464).

Die Lohnforderungen, die vor Verfahrenseröffnung bestanden, sind in den Insolvenzforderungen enthalten. Das heißt, eigentlich steht den 109 von der Insolvenz der Unternehmen betroffenen Beschäftigten nur der gleiche Anteil wie den anderen Gläubigern aus der Insolvenzmasse zu. Aber: Da gibt es für Arbeitnehmer eine Art "Rettungsschirm", den ja sonst immer die Banken haben: das Insolvenzgeld. Das Insolvenzgeld wird auf Antrag der Arbeitnehmer, die von einer Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen sind, von der Agentur für Arbeit bezahlt.

Ausgeglichen wird der insolvenzbedingte Lohnausfall für höchstens drei Monate. Geld gibt es bei einem Insolvenzverfahren aber auch bei der Abweisung des Insolvenzantrags mangels Masse. Und selbst wenn der zahlungsunfähige Arbeitgeber nicht von Krise gebeutelt wurde, sondern seine Schäfchen in der Karibik ins Sonnige gebracht und das Weite gesucht hat, gibt es die drei Netto-Monatslöhne - aber nicht mehr, aber immerhin steuerfrei. Quelle: ZDS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare