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Immer mal aufstehen, regelmäßig Pausen und Lockerungsübungen machen: Wer viel am Computer arbeitet. sollte einige Regeln beachten.

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Wenn das Handgelenk schmerzt

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Die Pflicht zum Homeoffice ist im neuen Infektionsschutzgesetz verankert. Doch wer daheim arbeitet, sollte einige Regeln beachten, rät Chefarzt Prof. Antonio Krüger von der Asklepios-Klinik in Lich. Bei Fehlbelastung drohen Beschwerden - etwa am Handgelenk.

Wegen der Corona-Pandemie ist die Zahl der Menschen, die im Homeoffice arbeiten, stark gestiegen. Doch nicht alle haben zu Hause ein eigenes Arbeitszimmer. Ist der Küchentisch aus medizinischer Sicht ein guter Arbeitsplatz?

Ein eigenes Arbeitszimmer ist sicherlich wünschenswert. Der wichtigste Grund wäre aus meiner Sicht, dass man ungestört arbeiten kann und im Idealfall nicht abgelenkt wird. Hierdurch ist man effektiver und kann die sitzende Tätigkeit so kurz wie möglich ausüben. Grundsätzlich sollte man auf genügend Pausen und eine schonende Haltung achten. Regelmäßiges Aufstehen, Lockerungsübungen und das Vermeiden von monotonen Bewegungsabläufen reduzieren deutlich das Auftreten von Rücken- und Handgelenksschmerzen. Auch das richtige Ausrichten des Monitors ist wichtig. Wenn man die Möglichkeit hat, kann man auch eine ergonomische Maus, eine ergonomische Tastatur und/oder einen Bürostuhl mit Armlehnen nutzen. Wenn man dies beachtet, kann man auch am Küchentisch arbeiten.

Was kann passieren, wenn die Hand dauerhaft einer ungünstigen Haltung ausgesetzt ist?

Bei monotonen, immer gleichen und wiederkehrenden Bewegungsabläufen der Hand kann es zu Sehnenscheidenreizungen und Entzündungen kommen. Häufig hat man erst am nächsten Tag Beschwerden und verbindet am Anfang die Ursache nicht mit den Beschwerden.

Was sind denn Symptome des Karpaltunnelsyndroms?

Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Nervus medianus, der in diesem Bereich hauptsächlich für das Gefühl der Handinnenseite verantwortlich ist, zusammengedrückt. Grund hierfür ist fast immer eine Reizung von Fingersehen. Die Fingersehen laufen mit dem Nerv am Handgelenk in einem Kanal, dem Karpaltunnel. Dieser Kanal wird wie von einem derben Gürtel umschlossen. Schwellen die Sehnen an, hat der Nerv weniger Platz, wird zusammengedrückt und macht typische Beschwerden wie Taubheitsgefühle.

Ist das das klassische Symptom?

Es gibt mehrere klassische Symptome des Karpaltunnelsyndroms, die aber getrennt voneinander auftreten können. Typisch sind Schmerzen im Handgelenk, die manchmal bis zum Ellbogen und auch darüber hinaus ziehen. Ein weiteres klassisches Syndrom wären Schmerzen beim Strecken des Handgelenkes. Ganz typisch ist allerdings das Auftreten der Beschwerden bei Nacht. Wenn die Hand zu Ruhe kommt, schwellen die Sehnen noch mehr an. Patienten berichten typischerweise, dass die Beschwerden besser werden, wenn sie die Hand schütteln oder aus dem Bett hängen lassen.

Wie wird das Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert?

Die ausführliche Krankengeschichte und der klinische Befund lassen die Diagnose schon sehr sicher zu. Allerdings kann man die Ein- engung des Nerven durch einen Neurologen messen lassen und das Karpaltunnelsyndrom hiermit beweisen. Taubheitsgefühle können auch von anderen Erkrankungen wie z.B. einem Bandscheibenvorfall herrühren. Die neurologische Untersuchung ist deshalb aus meiner Sicht vor einer Operation immer durchzuführen.

Muss immer operiert werden?

Nicht jedes Karpaltunnelsyndrom muss operiert werden. Manchmal kann die Vermeidung bestimmter Bewegungsabläufe oder die Schonung des Handgelenkes die Beschwerden bessern. Je länger sie andauern, desto wahrscheinlicher wird jedoch eine Operation. Wenn es keine beschwerdefreien Phasen mehr gibt, ist das ein Warnsignal. Dann könnte der Nerv so schwer geschädigt sein, dass er sich auch nach einer OP nicht mehr erholt.

Wenn eine OP unumgänglich ist: Wie läuft dieser Eingriff ab?

Es gibt unterschiedliche Methoden, den Karpaltunnel zu operieren. In der Regel reicht eine lokale Betäubung am Handgelenk, um den ambulanten Eingriff durchzuführen. Über einen circa drei Zentimeter langen Hautschnitt wird dann mit einer Lupenbrille, um den Nerv nicht zu verletzen, das Dach des Karpaltunnels gespalten. Der oben beschriebene derbe Gürtel wird durchtrennt und der Nerv hat sofort mehr Platz. Die Haut wird dann vernäht. Eine Ruhigstellung oder ein Gips sind nicht erforderlich. Die Fäden werden nach etwa zehn Tagen entfernt. Je nach Beruf ist man nach rund 14 Tagen wieder arbeitsfähig.

Worauf sollte man im Homeoffice achten, um Nervenschädigungen möglichst zu vermeiden?

Man sollte aus meiner Sicht eine bequeme Haltung einnehmen, monotone Tätigkeiten so kurz wie nötig halten und regelmäßig Pausen einlegen. Die ergonomischen Hilfen, die ich schon ansprach, helfen auch. Wenn man viel an der Tastatur arbeitet, lohnt sich manchmal auch eine Diktierfunktion. Sollten Beschwerden auftreten, sollten diese beobachtet werden. Bleiben Taubheits- gefühle, rate ich dazu, zeitnah einen Arzt aufzusuchen, um die Beschwerden abklären zu lassen.

Prof. Antonio Krüger leitet seit Juli 2019 die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulen- und Kindertraumato-logie in der Asklepios-Klinik Lich. Er ist Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, weiterhin spezieller Unfallchirurg und Handchirurg. FOTO: PM

Prof. Antonio Krüger

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