Ein weißer Oldtimer fährt durch eine grüne Sommerlandschaft.
+
Jahrelang setzte der Oldtimer in Scheunen in Steinbach und Buseck Staub an. Nun dient er Brautpaaren als Hochzeitsauto.

Zufallsfund in Scheune

Wenn das Brautpaar in die »Gangster-Limousine« steigt: Alter Citroën dient in Buseck als Hochzeitsauto

  • vonStefan Schaal
    schließen

Der 63 Jahre alte Großen-Busecker Hugo Krug hat vor neun Jahren in der Scheune eines Bekannten einen alten Citroën Traction Avant entdeckt - und ihn spontan gekauft. Nun setzt er den Oldtimer, der als »Gangster- Limousine« bekannt ist, als Hochzeitsauto ein. Krug hat dem Wagen auch einen Namen gegeben. Liebe war es allerdings erst auf den zweiten Blick.

Die Braut und der Bräutigam strahlen vor Glück, als sie die Kirche in Niederkleen verlassen. Draußen bilden Freunde und Familie ein Spalier, sie jubeln und applaudieren, schließlich bleibt das Hochzeitspaar staunend vor einem Schmuckstück in Weiß stehen: ein mit Rosen, weißen Tüchern und Wimpeln geschmückter Oldtimer. Der Bräutigam hält für einen Moment inne. Dann beugt er sich über das Auto und küsst die Motorhaube. Denn gleich werden er und die Braut in den als »Gangster-Limousine« bekannten Wagen steigen und durch das Gießener Land fahren.

Der Besitzer des Fahrzeugs ist Hugo Krug. Der 63 Jahre alte Busecker stellt das Auto vor allem für Hochzeiten zur Verfügung. Mit langsamen Bewegungen öffnet er am Anger in Großen-Buseck eine Scheune, das Tageslicht fällt auf die geschwungenen Kotflügel, auf die frei stehenden Scheinwerfer. Und auf »»La Selecteuse« - die chromfarben funkelnde Kühlerfigur.

Von hinten fand ich das Auto zuerst nicht besonders ansehnlich. Dann habe ich Huguette in die  Augen, also in die Scheinwerfer geschaut.

Hugo Krug

Krug steigt in das Auto, dreht am Choke, zieht an einem kleinen Hebel rechts vom Lenkrad. Und als schließlich der Motor mit einem hellen, blechernen Brummen anspringt, werden Bilder an James Bond und den Film »Liebesgrüße in Moskau« sowie an Gangster-Streifen wach, in denen Fahrzeuge des Modells Citroën Traction Avant in Verfolgungsjagden zu sehen sind, dann allerdings in schwarzer Lackierung.

Jahrelang setzte der Oldtimer in Scheunen in Steinbach und Buseck Staub an. Nun dient er Brautpaaren als Hochzeitsauto.

Krug erzählt von dem Moment, als er den Wagen zum ersten Mal gesehen hat. Neun Jahre ist das inzwischen her. »Ich habe einen Bekannten in Buseck besucht«, erzählt er. »In einer Scheune stand der Citroën und hatte Staub angesetzt.«

Oldtimer als Hochzeitsauto in Buseck: Liebe war es erst auf den zweiten Blick

Liebe war es allerdings erst auf den zweiten Blick. »Von hinten fand ich das Auto nicht besonders ansehnlich«, erinnert sich der Großen-Busecker. »Dann habe ich dem Oldtimer aber in die Augen, also in die Scheinwerfer, gesehen.« Er habe nur gedacht: »Was für eine Schönheit.« Krug hat nie zuvor einen Oldtimer besessen. Spontan kaufte er dem Bekannten den Wagen ab.

Der Citroën 11 CV ist ein Klassiker der 40er und 50er Jahre, gilt als äußerst zähes und beständiges Automobil. Die Limousine im schwarzen Lack war viele Jahre lang eines der beliebtesten Fahrzeuge für repräsentative Fahrten der gesellschaftlichen Avantgarde und der Politprominenz.

Zwischen 1934 und 1957 wurden im Traditionswerk des französischen Autoherstellers Citroën am Quai de Javel in Paris rund 750 000 Fahrzeuge produziert. Sein Auto sei im Juli 1954 gebaut geworden, berichtet Krug.

Ursprünglich habe ein Franzose, der in Gießen studiert hatte, das 56 PS starke und mit drei Gängen ausgestattete Auto gefahren und nach Hessen gebracht. Nach seiner Studienzeit habe er es dann einfach in Steinbach stehen lassen, berichtet Krug.

Oldtimer als Hochzeitsauto in Buseck: Ein französischer Frauenname

Sein Citroën steht seit dem Kauf bei schönem Wetter immer wieder am Busecker Brückelchen. Krug unternimmt an Wochenenden Ausflüge mit dem Oldtimer, fährt auf den Schiffenberg und zeigt den Wagen regelmäßig auch auf Oldtimer-Treffen und Ausstellungen beispielsweise in Laubach, Garbenteich und Frankfurt. Irgendwann, sagt er, will er mit dem Fahrzeug eine Reise nach Meran in Südtirol unternehmen.

1984 ließ der Vorbesitzer den Wagen zerlegen, zahlreiche Teile der Karosserie verzinken und den Oldtimer weiß lackieren. Das Fahrzeug wurde so von einer »Gangster-Limousine« in ein Hochzeitsauto verwandelt. Und Krug gab dem Oldtimer einen französischen Frauennamen: Huguette.

Wer hinten auf den Ledersitzen Platz nimmt, kann nahezu die Beine ausstrecken, so geräumig ist der Wagen. Kürzlich hätten ihm wieder Eheleute geschrieben, die er vor mehreren Monaten an ihrem Hochzeitstag in dem Citroën kutschiert hat, erzählt Krug. »Alisa und Sebastian.« Die Fotos von ihnen im Hochzeitsauto »lassen uns noch lange an diesen schönen Tag zurückdenken«, hätten sie ihm gesagt.

Oldtimer als Hochzeitsauto in Buseck: Leidenschaft für Autos

Krug hat für sein Hochzeitsauto inzwischen eine Internetseite eingerichtet. Für Bekannte und Freunde fährt Krug mit seinem Auto Paare bei Hochzeiten und Ehejubiläen. Durch Mundpropaganda hätten immer weitere Bekannte sich bei ihm gemeldet, um sich mit dem Oldtimer fahren zu lassen. Die Fahrten betreibt er eher im kleineren, privaten Stil.

Der Großen-Busecker hat lange Jahre als EDV-Fachmann für die Firma Bilfinger gearbeitet. Eine Herzkrankheit habe ihn allerdings kurz vor der Rente außer Gefecht gesetzt, erzählt er. »Ich habe einen schweren Schlag in meinem Körper gespürt.« Selbst wenn er von diesem lebensgefährdenden Vorfall erzählt, blitzt in diesem Augenblick Krugs Leidenschaft für Autos auf. Er habe heute einen Herzschrittmacher, berichtet er. »Der sorgt immer wieder für eine gewisse Zündung meines Herzens«, fügt dann Krug hinzu. »Eigentlich wie bei einem Motor.« FOTOS: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare