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Die Menge an Sachspenden macht die große Hilfsbereitschaft im Landkreis deutlich, so wie hier in Langgöns.

Spenden

Nach Flutkatastrophe: Welle der Hilfsbereitschaft rollt aus dem Kreis Gießen

  • Alexander Geck
    VonAlexander Geck
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Die Flutkatastrophe hat auch im Kreis Gießen eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Nach wie vor werden Spenden und Hilfsgüter gesammelt, auch Babyartikel werden gesucht.

Kreis Gießen – Eigentlich wollte Ina Lotz aus Langgöns lediglich einen Transporter voll Tiernahrung in die Eifel bringen. Doch dann nahm diese Aktion ungeahnte Ausmaße an. Inzwischen sind drei 40-Tonner, mehrere 7,5-Tonner und Transporter mit Anhängern im Krisengebiet eingetroffen, um die Menschen dort mit dem Nötigsten zu versorgen. Lotz hatte über Facebook zu Spenden aufgerufen, und die Aktion verselbstständigte sich innerhalb von Stunden. Sogar so sehr, dass in Langgöns mittlerweile die Annahme weiterer Sachspenden ausgesetzt ist.

Spender aus dem Kreis Gießen stehen mit Bundeswehr in Kontakt

Denn die Hilfsbereitschaft muss auch die nächste Zeit koordiniert und geplant werden, damit sie ihren Zweck erfüllt. Größte Probleme bereitet der Platzmangel: »Wir suchen einen geeigneten Lagerplatz, bevorzugt in einem Industriegebiet«, sagt sie. Denn die Erreichbarkeit mit Lkw ist sehr wichtig. Wenn das geklärt ist, wird sie per Facebook den oder die nächsten Abgabetermine bekanntgeben. Ebenso - was genauso wichtig ist - eine Liste mit denjenigen Sachen, die benötigt werden, und jenen, die definitiv nicht benötigt werden.

Es fehle vor allem an Arbeitsgeräten wie Hochdruckreinigern, Notstromaggregaten, Gummistiefeln, Arbeitshandschuhen, Verbandsmaterial und Hygieneartikeln, sagt Lotz, die auch mit der Bundeswehr in Kontakt ist. Durch den Motorsport habe sie eine besondere Beziehung zu den Menschen in der Eifel. »Man will ja irgendwie helfen«, sagt Lotz.

Nach Flutkatastrophe wird auch Tierfutter aus dem Kreis Gießen gespendet

Wegen des besagten Tierfutters hatte Lotz auch bei Viviane und Olaf Bier angefragt, die das Geschäft Heimtierbedarf Lang am Fauerbacher Rain betreiben. Die beiden wiederum riefen daraufhin ebenfalls online zu Spenden auf. Am Freitag ging es mit der Annahme der Sachspenden los. Die Resonanz war überwältigend, erzählt Lotz. Anfragen, wie man denn helfen könne, gab es per Facebook sogar aus Norddeutschland und der Schweiz. Um 23.30 Uhr war der erste kurzfristig von der Firma Bork zur Verfügung gestellte 40-Tonner beladen.

Nach einer wahrlich kurzen Nacht ging es tags darauf auf dem Rewe-Parkplatz am Lindenbaum weiter. Auch dort war der Andrang groß. Die Feuerwehr musste den Verkehr regeln. Schließlich wurden die Spenden ins Krisengebiet gefahren, in einer Sammelstelle angeliefert und teilweise schon verteilt.

Nach Flutkatastrophe: Suche nach Spenden von Babykleidung im Kreis Gießen

Auch der Hungener Kleingewerbeverein »Wir von Hier« sammelt derzeit gezielt Spenden. Vorsitzender Jens Schad betont, dass man bis Donnerstag, 16 Uhr, Baby- und Kinderkleidung in jeder Größe, Babynahrung, Konserven, Wasser in PET-Flaschen und Hygieneartikel annimmt.

Erste Kartons seien bei ihm nach dem Aufruf über Facebook und Whats-App bereits eingetroffen. Er bittet darum, auch weiter nur nach Terminabsprache Sachen vorbeizubringen. In Utphe ist das heute und morgen auch direkt am Lkw der Trucker-Freunde Hessen an der Kreuzung Weedstraße/Stynegasse zwischen 18.30 und 20 Uhr möglich, am Donnerstag noch um 18 Uhr. Die Sachen werden dann nämlich nach Marburg gebracht. Von dort wiederum wird sich am Samstag ein Konvoi von mindestens 19 Sattelzügen auf den Weg nach Ahrweiler machen.

Die Hilfsbereitschaft ist im gesamten Landkreis groß. In Staufenberg etwa hatte am Wochenende die städtische Flüchtlingshelferin Bärbel Milke über den Verein »Staufenberg vereint« eine Annahmestelle für Lebensmittel eingerichtet. Über mehrere Fahrten mit Kleintransportern wurden diese bereits zu Bedürftigen in Ahrweiler gefahren.

Nach Flutkatastrophe: Bis Samstag können Spenden im Kreis Gießen abgegeben werden

Weiterhin dringend benötigt werden dort Vitamine, Wasser in Kanistern, Megafone, Stirnlampen mit Batterien, Einweggeschirr und Arbeitshandschuhe. Diese Dinge können noch bis Samstag täglich zwischen 9 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 20 Uhr im Jugend- und Begegnungszentrum abgegeben werden.

Mit Sach- und Geldspenden helfen auch die Pfadfinder Laubach den Opfern im Ahrtal, nachdem sie einen Hilferuf von einem langjährigen Mitglied von dort erhalten hatten. Acht Stunden nach dem ersten Aufruf machten sich zwei von ihnen mit Transportern und Anhängern auf den Weg, andere fuhren nach Ahrweiler, um bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen. 500 Euro aus dem Spendenbudget gingen direkt an eine Apotheke, um dringend benötigte Medikamente unbürokratisch verteilen zu können.

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