_1KREISGIESSEN35-B_10061_4c
+
Bürgermeister Andreas Ruck rechnet mit einer Kostensteigerung auf 19 Millionen Euro für die geplante Kita. GRAFIK: PM

Weitere neue Kitas benötigt

  • vonStefan Schaal
    schließen

Die Pohlheimer Fraktionen haben über die geplante Riesen-Kita mit acht Gruppen in Watzenborn-Steinberg diskutiert. Es wird auf eine kleinere Einrichtung hinauslaufen. Deutlich wird allerdings auch der hohe Bedarf an zusätzlichen Kindergartenplätzen in Pohlheim.

Das Vorhaben, in Watzenborn-Steinberg eine Kindertagesstätte mit acht Gruppen zu errichten, ist erledigt. Nach einem Treffen sämtlicher Ausschüsse des Pohlheimer Stadtparlaments am Dienstag dürfte das Ende der Riesen-Kita feststehen, eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP spricht sich gegen die Pläne vor allem aus Kostengründen aus. Doch bevor das Parlament am Donnerstag kommende Woche über den Kita-Bau entscheidet, herrscht überraschend viel Unklarheit.

Sollen an der Kirchstraße nun vier, fünf oder sechs Gruppen entstehen? Welche Standorte sind für weitere neue Einrichtungen in Pohlheim vorgesehen? Diese Fragen dürften kommende Woche im Mittelpunkt stehen.

Weitgehende Einigkeit herrscht unter den Fraktionen zumindest darin, dass die Zeit drängt und mehr als nur der geplante Neubau an der Kirchstraße erforderlich ist. Sowohl Vertreter der SPD als auch der Freien Wähler aus der Opposition sprachen von drei notwendigen zusätzlichen Kitas in Pohlheim.

»Dass die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind, streitet keiner ab«, sagte Björn Feuerbach von den Freien Wählern in einer bemerkenswert sachlich geführten Debatte. Doch der Bedarf an Kita-Plätzen in der im Kreisgebiet am stärksten wachsenden Kommune sei hoch. Die Bedarfsplanung des Landkreises geht für Pohlheim perspektivisch von 966 notwendigen Kita-Plätzen aus, in der Stadt gibt derzeit 828 Plätze. »Wir benötigen mindestens sechs bis acht Gruppen mehr als bisher«, betonte Feuerbach. Richte man in dem Neubau an der Kirchstraße nur vier Gruppen ein und ersetze dort damit nebenan die marode, ebenfalls vierzügige Einrichtung, sei für die Stadt nichts gewonnen. »Das wäre völlig sinnfrei. Wir sollten an der Kirchstraße über mindestens sechs Gruppen diskutieren.«

Bürgermeister Andreas Ruck (parteilos) hatte zuvor auf die Kostensteigerung bei dem Projekt hingewiesen, für das im Juni 2019 noch 6,8 Millionen Euro angepeilt worden waren. Nun aber sei von Gesamtkosten in Höhe von 12,0 Millionen Euro auszugehen - für den Neubau des Kindergartens und die Außenanlage, den Abriss der alten Einrichtung sowie für den Kauf und den Abriss eines Gebäudes an der Ludwigstraße zur Errichtung von Parkplätzen. Mit Aufschlägen und Kostensteigerungen infolge der Corona-Krise müsse man mit 19 Millionen Euro rechnen, sagte Ruck. »Die Zahlen stimmen. Und sie gehen nach oben.«

Feuerbach erwiderte, dann sollte man mit den Planern sprechen. »Wenn ich ein Haus baue und die Kosten explodieren, dann frage ich doch, wo man sparen kann, und renne nicht zum Nächstbesseren.«

In eine ähnliche Kerbe schlug Malke Aydin von der CDU-Fraktion. Er kritisierte, dass weder die Planer des Großprojekts noch Mitarbeiter der Verwaltung zu der Sitzung am Dienstag eingeladen waren, um ihre Einschätzung abzugeben. »Wenn wir das Projekt stoppen, sind 650 000 Euro an bisherigen Planungskosten in den Sand gesetzt worden«, sagte Aydin. Die vom Bürgermeister genannten 19 Millionen Euro bezeichnete er als »Drohkulisse«.

Tatsächlich ist die Planungsphase für die ursprünglich achtgruppige Kita soeben abgeschlossen, mit dem Bau könnte in diesem Monat begonnen werden. »Jetzt könnten wir in die Puschen kommen«, sagte Prof. Helge Stadelmann (CDU). »Aber es wird von Neuem mit der Planung begonnen.« Dass der Bürgermeister in seinen Alternativplanungen für die Kita erwägt, im Obergeschoss Räume für die Verwaltung einzurichten, »da könnte man Krokodilstränen weinen«, sagte er.

Ziel müsse sein, dass der Bau für die neue und dann kleinere Kita an der Kirchstraße noch in diesem Jahr, spätestens im März kommenden Jahres beginnt, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Fabian Schäfer.

»Wir vermissen Fakten und Transparenz«, sagte unterdessen Andreas Schuch, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Es sei zu bezweifeln, dass der Bau einer kleineren Kita an der Kirchstraße und einer zweiten Einrichtung in Steinberg zusammengerechnet günstiger ausfiele als die bisher geplante Kita mit acht Gruppen. Für eine weitere neue Kita müsste die Stadt ein Grundstück und ein Gebäude erwerben. Er vermisse die Expertise von Pädagogen, die erklären, warum eine Einrichtung mit acht Gruppen problematisch sein solle. »Es gibt einen vernünftigen einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung«, erinnerte Schuch an die Entscheidung des Parlaments für die achtzügige Kita vor zwei Jahren.

Bei dem Beschluss im Juni 2019 hatte sich die SPD enthalten, Grüne und FDP hatten damals für das Projekt gestimmt. Die Kostensteigerung habe nun zu dem Meinungsumschwung geführt, erklärte Eckart Hafemann von der Grünen-Fraktion. Ursprünglich seien nach Abzug der Fördergelder 4,4 Millionen Euro an Kosten für die Stadt angepeilt gewesen. Diese Summe sei nun bei Weitem übertroffen worden. »Das schreit nach einem Nachtragshaushalt«, sagte Hafemann. Das Projekt ansonsten dennoch durchzudrücken, wäre »grober fahrlässiger Rechtsbruch«.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Fabian Schäfer, erklärte, es gehe eben um Steuergelder, die deutliche Kostensteigerung sei daher nicht zu verantworten. Zu den vor diesem Hintergrund auf Pause gelegten Kita-Plänen zitierte er Bertolt Brecht: »Wer A sagt, der muss nicht B sagen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare